Casdorffs Agenda : Die SPD als Hüterin des Erbes von Helmut Kohl

Die CSU huldigt dem Nationalismus und zeigt damit, wes Geistes Kind sie nicht ist: des europäischen Ehrenbürgers Kohl. Von der CDU kommt kein Einspruch.

Bundeskanzler Helmut Kohl 1990 in Erfurt.
Bundeskanzler Helmut Kohl 1990 in Erfurt.Foto: REUTERS / Michael Urban

Und wenn es doch so kommt? Wenn die SPD die Neuauflage der GroKo daran scheitern lässt, dass die CSU dem Koalitionsvertrag nicht auch eine entschieden europäische Überschrift geben will? Dann sei es so. Da dürfen sich die Sozialdemokraten mit ihrer Tradition des Internationalen nichts abhandeln lassen. Bis zu den Vereinigten Staaten von Europa, die sie seit 1925 fordern, ist es doch sowieso immer noch ein weiter Weg.

Viele Zwischenschritte sind nötig, aber eben auch möglich. Und bleibt die SPD hier entschieden, ist sie nicht zuletzt die Hüterin des Erbes von Willy Brandt, Helmut Schmidt – und Helmut Kohl. Huldigt die CSU dem Nationalismus, zeigt sie aller Welt, wohlgemerkt: aller Welt, wes Geistes Kind sie nicht ist: des europäischen Ehrenbürgers Kohl.

Zu früheren Zeiten hätte die CDU das geradezu als Verrat an der gemeinsamen Sache empfunden. Dass sie es heute nicht einmal in Anklängen kritisiert, legt offen, wie wenig sie noch weiß, wer sie ist. Soll es doch zu Neuwahlen kommen – eine gute Gelegenheit klarzustellen, wer für Europa Partei ergreift.

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