Casdorffs Agenda : Rüstungskontrolle ist dringend nötig

US-Präsident Trump will das INF-Abrüstungsabkommen mit Russland kündigen. Das ist geschichtsvergessen, unpolitisch und strategisch unklug. Ein Kommentar.

Russland und die USA werfen sich gegenseitig Verstöße gegen Abrüstungsabkommen vor.
Russland und die USA werfen sich gegenseitig Verstöße gegen Abrüstungsabkommen vor.Foto: dpa/

Genau in dem Moment, in dem Präsident Trump das INF-Abrüstungsabkommen mit Russland kündigen will, zeigt sich dessen Wert. Der Vertrag von 1987, noch von Präsident Reagan mit Sowjet-Generalsekretär Gorbatschow unterschrieben, verbietet Bau und Besitz der Atomwaffen von 500 bis 5500 Kilometer Reichweite.

Beide Seiten werfen dem jeweils anderen schon seit geraumer Zeit Verstöße gegen das Abkommen vor. Darüber kann man reden: Die US-Regierung verweist auf neue russische Marschflugkörper mit einer Reichweite von 2600 Kilometern, die russische Regierung kontert mit Abschussrampen des Nato-Raketenschutzschirms in Rumänien, von denen aus US-Marschflugkörper gestartet werden könnten.

Wie geschichtsvergessen und unpolitisch, ja ohne strategischen Verstand ist der, der das Abkommen jetzt nicht umgekehrt nutzt – für Offenheit und Verständigung. Beides würde zu neuer Vertrauensbildung beitragen, die für weitere Rüstungskontrolle dringend nötig ist. Hinzu kommt: Die USA und Russland könnten vielmehr gemeinsam auf China einwirken, sich dem Vertrag anzuschließen. Dafür muss ihn aber keiner kündigen.

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