CDU sticht in Grünen-Hochburg Stuttgart : Was die Merz-Fans von Nopper lernen können

Der CDU-Kandidat Frank Nopper nimmt den Grünen die Metropole Stuttgart weg. Für Winfried Kretschmanns Öko-Truppe ist das eine deutliche Warnung.

Ende einer grünen Erfolgsgeschichte - CDU-Kandidat Frank Nopper wird Oberbürgermeister von Stuttgart
Ende einer grünen Erfolgsgeschichte - CDU-Kandidat Frank Nopper wird Oberbürgermeister von StuttgartFoto: Sebastian Gollnow/dpa

Die prominenten Gratulanten waren schnell zur Stelle. Kaum stand fest, dass ihr Parteifreund Frank Nopper das Rathaus in Stuttgart für die CDU zurückerobert hat, frohlockten alle drei Kandidaten für den Bundesvorsitz mit ihm. „Tolle Sache“, twitterte Norbert Röttgen, "nach Düsseldorf toller Erfolg“ auch im Südwesten, fand Armin Laschet, und Friedrich Merz freute sich auf „unsere weiteren Begegnungen“.

Wahrscheinlich meinte er den Parteitag im Januar, denn Nopper ist bekennender Merz-Fan. Auch sonst passt der künftige Oberbürgermeister auf den ersten Blick nicht zu einer Großstadt, die sich über die Jahre zur Grünen-Hochburg entwickelt hat. Umso mehr Aufmerksamkeit weckt sein Sieg ein gutes Vierteljahr vor der nächsten Landtagswahl in Baden-Württemberg.

Der Sieger profitierte von Fehlern der anderen

Freilich räumen selbst Christdemokraten ein, dass ein direkter Vergleich zwischen dem zweiten Wahlgang am Sonntag in Stuttgart und der Landesentscheidung am 14. März ziemlich hinken würde. Die Landes-CDU verbuchte die Entscheidung zwar als „Rückenwind“, hielt sich aber mit Jubelfeiern ansonsten wohlweislich zurück.

Denn der 59-jährige Nopper, bisher Oberbürgermeister im nahen Backnang, verdankt seine 42,3 Prozent nicht einer plötzlichen Zuneigung der Stuttgarter zur CDU, die im Rat nur zwölf der 60 Sitze innehat. Sein Sieg verdankt sich vor allem einer ganzen Kette von Fehlern seiner Konkurrenten.

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Die fing damit an, dass Fritz Kuhn von heute auf morgen nicht mehr antrat. Der Grüne hatte der CDU 2012 den OB-Posten abgenommen und damals große Erwartungen geweckt.

Sein Verzicht im Januar erwischte die eigene Partei kalt. Prominente Stuttgarter wie Cem Özdemir und Landtagspräsidentin Muhterem Aras winkten ab. Die Notkandidatin Veronika Kienzle, eine wenig bekannte Stadtverordnete, landete im ersten Durchgang bei 17 Prozent, weit hinter Noppers 32 Prozent und nur zwei Punkte besser als der als Unabhängiger angetretene SPD-Rebell Marian Schreier.

Theoretisch hätte es für einen linken Kandidaten gereicht

Da es in Stuttgart keine klassische Stichwahl gibt, sondern nur einen zweiten Wahlgang, lag eine Einigung der Unterlegenen gegen den CDU-Favoriten nahe. Kienzle, Schreier und der Stuttgart-21-Aktivist Hannes Rockenbauch, der für ein Bürgerbündnis im Rathaus sitzt, trafen sich zwar. Doch die Absprache scheiterte letztlich wohl an Eitelkeiten.

Die Grüne Kienzle warf hin. Rockenbauch räumte später ein, dass die Kandidatenzersplitterung von Anfang an ein Fehler war. Er trat trotzdem noch mal an.

Dürfte über den Sieg Noppers wenig erfreut sein: Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann.
Dürfte über den Sieg Noppers wenig erfreut sein: Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann.Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Damit war der Weg für Nopper frei. Wie viel Glück dabei war, zeigen die genauen Ergebnisse: Der 30-jährige Newcomer Schreier war dem Sieger mit 36,9 Prozent auf den Fersen, zusammen mit Rockenbauchs 17,8 Prozent hätte es locker gereicht. Hätten nur die inneren Stadtbezirke der Schwaben-Metropole entscheiden können, wäre der SPD-Rebell Schreier sogar jetzt Erster geworden.

Aber in den ausgedehnten Stadtrandlagen stimmte eine klare Mehrheit gegen ein Experiment und für den solide auftretenden Christdemokraten Nopper mit der Banklehre, dem Jurastudium und der jahrzehntelangen Erfahrung in der Kommunalpolitik.

Baden-Württemberg ist grüne Hochburg unter Vorbehalt

Das wiederum zeigt: So stark die Grünen ihre Position im Ländle ausgebaut haben, seit Winfried Kretschmann nach der Atomkatastrophe in Fukushima erster grüner Ministerpräsident der Republik wurde, so sehr hängt diese Dominanz an Personen und Umständen. Der Öko-Partei ist das auch klar. Dass der 72jährige Kretschmann mangels überzeugender Nachfolger im März zum dritten Mal antritt, ist die Konsequenz aus der Erkenntnis.

Umgekehrt nimmt die CDU die Erfahrung mit, dass es nicht Superkandidaten braucht, um in ihrem einstigen Stammland auch mal wieder zu gewinnen. Fehler der Konkurrenz können reichen.

Für einen allerdings reichten nicht mal die. „Querdenker“ Michael Ballweg kam auf spärliche 1,2 Prozent – genau 2438 Stimmen für den Chef-Organisator der Coronaleugner.

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