Politik : Chirac will nicht wieder antreten

Nach zwölf Jahren an Frankreichs Staatsspitze verzichtet der Präsident auf dritte Amtszeit

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Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac hat seinen Abschied von der politischen Bühne beschlossen. Nach zwölf Jahren an der Spitze des Staates und sechs Wochen vor der Wahl eines Nachfolgers verkündete Chirac am Sonntagabend in einer Fernsehansprache an die Franzosen, dass er auf die Kandidatur zu einer neuen Amtszeit verzichte. „Am Ende des Mandats, das Sie mir anvertraut haben, wird für mich der Moment gekommen sein, Ihnen auf andere Weise zu dienen“, sagte er. „Ich werde mich nicht um Ihre Unterstützung für ein drittes Mandat bemühen.“

In der in sehr emotionalen Ton gehaltenen Rede vermied es der Chirac, auf den Wahlkampf einzugehen und eine Empfehlung für den Kandidaten seiner konservativen Regierungspartei UMP, Nicolas Sarkozy auszusprechen. Er beschränkte sich darauf, die Franzosen vor „Kompromissen mit Extremismus“ zu warnen und auf die großen Aufgaben der Zukunft wie den europäischen Aufbau hinzuweisen. In Paris wird erwartet, dass Chirac demnächst zugunsten Sarkozys in den Wahlkampf eingreifen wird. Dies wäre ein „wichtiges Ereignis“, hatte Sarkozy seine Hoffnung auf die Unterstützung des Amtsinhabers begründet.

Nach Umfragen nahm der Wahlkampf mit dem Aufrücken des Kandidaten der Zentrumspartei UDF, Francois Bayrou, eine dramatische Wende. Mit 28 Prozent der zum ersten Wahlgang am 22. April beabsichtigten Stimmabgaben liegt Sarkozy zwar weiter vor der Sozialistin Ségolène Royal mit 24 Prozent. Nachdem Bayrou jedoch überraschend mit Royal gleichzog, ergibt sich eine neue Lage, die für die beiden bisherigen Favoriten Gefahren birgt. Während Royal darum bangen muss, in die zweite Runde am 6.Mai zu gelangen, müsste Sarkozy im Fall einer Stichwahl gegen Bayrou, der dann Zulauf von linken Wählern erhielte, um seinen Sieg fürchten.

Bayrou erklärte, er ziehe den Hut vor Chirac. Royal nannte Chiracs Entscheidung „historisch“, erinnerte aber daran, dass unter seiner Präsidentschaft der „soziale Riss“ durch Frankreich, den Chirac 1995 einebnen wollte, noch größer geworden sei. Der 74-jährige Chirac hatte auf den Tag genau vor 40 Jahren am 12. März 1967 mit seiner Wahl zum Abgeordneten seine politische Karriere begonnen, die ihn über mehrere Etappen vom Staatssekretär im Finanzministerium, Landwirtschafts- und Innenminister sowie zweimaligen Regierungschef und Pariser Bürgermeister bis hinauf ins höchste Staatsamt führte.

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