Corona-Lockdown in den USA : Kalifornien schließt Bars, Kinos und Kirchen wieder

Kalifornien zieht in der Pandemie die Notbremse. Auch andere US-Bundesstaaten machen Lockerungen wieder rückgängig – nur Trump bleibt unbelehrbar.

Das Shoppingcenter "Westfield Santa Anita" in Los Angeles County muss wieder schließen.
Das Shoppingcenter "Westfield Santa Anita" in Los Angeles County muss wieder schließen.Foto: AFP / Frederic J. Brown

Wegen rasch ansteigender Neuinfektionen macht Kalifornien viele Lockerungen seiner Corona-Auflagen wieder rückgängig. Bars, Kinos und Museen in dem bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat müssen schließen, wie Gouverneur Gavin Newsom am Montag (Ortszeit) erklärte.

Zudem dürfen Restaurants keine Gäste mehr in geschlossenen Räumen bewirten. Ebenso müssten in 30 Bezirken, darunter Los Angeles, auch Fitnessstudios, Kirchen, Friseursalons sowie viele Büros und Einkaufszentren ihren Betrieb einstellen, sofern dieser in geschlossenen Räumen stattfinde, sagte Newsom weiter. In den betroffenen Bezirken leben rund 80 Prozent der 40 Millionen Einwohner des Bundesstaats.

Der riesige Schulbezirk Los Angeles kündigte an, dass die Schülerinnen und Schüler wegen der anhaltenden Corona-Pandemie im neuen Schuljahr, das am 18. August beginnt, bis auf Weiteres nur online lernen können.

„Die Gesundheit und Sicherheit aller in der Schulgemeinschaft ist nichts, wo wir Kompromisse eingehen können“, hieß es.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump übt hingegen Druck auf Bundesstaaten und Kommunen aus, Schulen mit dem neuen Schuljahr wieder normal zu öffnen.

Lockdown in Oregon: Bloß nicht die Kirchen!

Infolge der Lockerung von Kaliforniens Corona-Auflagen waren die Zahlen der Neuinfektionen, der Covid-Patienten im Krankenhaus und der gemeldeten Todesfälle zuletzt deutlich angestiegen. Am Sonntag etwa hatten die Behörden rund 8500 bestätigte Neuinfektionen und 72 Todesfälle gemeldet. Insgesamt gibt es in dem Bundesstaat an der Westküste bislang mehr als 320.000 gemeldete Infektionen.

In Kaliforniens nördlichem Nachbarstaat Oregon ist das Tragen einer Maske im Freien künftig immer dann Pflicht, wenn ein ausreichender Sicherheitsabstand zur Verhinderung von Infektionen nicht möglich ist.

Zudem dürften in geschlossenen Räumlichkeiten keine Zusammenkünfte oder Feiern mit mehr als zehn Personen mehr stattfinden, erklärte Gouverneurin Kate Brown. Ausgenommen sind davon unter anderem religiöse Versammlungen.

Im Bundesstaat West Virgina im Osten der USA verfügte Gouverneur Jim Justice, dass bei Veranstaltungen künftig nicht mehr 100, sondern nur noch maximal 25 Personen zusammenkommen dürfen. Volksfeste, Messen und Konzerte seien bis auf Weiteres verboten. In geschlossenen Räumen gelte die Maskenpflicht

„Es macht keinen Spaß, Sachen zu schließen“, erklärte Justice. Aber jetzt vorsichtig zu sein, sei der einzige Weg, später wieder zu einer Normalität zurückzufinden.

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Uneinigkeit in Texas: Republikaner vs. Demokraten

In mehreren Bundesstaaten – darunter Florida, Georgia, Texas, Kalifornien und Arizona – steigt die Zahl der Neuinfektionen derzeit weiter an. Der demokratische Bürgermeister der texanischen Großstadt Houston, Sylvester Turner, forderte deswegen strikte Ausgangsbeschränkungen für mindestens zwei Wochen.

„Wir müssen die Ausbreitung des Virus verlangsamen“, sagte er im Gespräch mit dem Sender CNN. Der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, lehnt strikte Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen aber ab. Houston meldete am Montag 1544 bestätigte Neuinfektionen.

Landesweit wurden in den USA, einem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern, seit vergangener Woche pro Tag rund 60.000 bestätigte Neuinfektionen gemeldet, was eine dramatische Zuspitzung der Pandemie darstellt.

Zum Vergleich: In Deutschland sind seit Beginn der Pandemie insgesamt nur rund 200.000 Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 nachgewiesen worden. In den USA gab es seit Februar Daten der Universität Johns Hopkins zufolge 3,35 Millionen bestätigte Infektionen. Mehr als 135.000 Menschen starben nach einer Infektion.

Trump, der sich im November um eine zweite Amtszeit bewirbt, drängt seit Monaten auf eine umfassende Wiedereröffnung der Wirtschaft. Kritiker werfen ihm daher vor, die Tragweite der Pandemie herunterzuspielen und nicht genug für deren Bekämpfung zu tun. (dpa)

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