Corona-Pandemie in Europa : Das sind die europäischen Lockerungsmeister

Zum Wochenstart lockern einige europäische Länder ihre Corona-Regeln. Andere bleiben fest im Griff des Virus. Ein Überblick.

Bloß raus: die Italiener dürfen ab Montag wieder ins Freie.
Bloß raus: die Italiener dürfen ab Montag wieder ins Freie.Foto: REUTERS/Guglielmo Mangiapane

Die Spanier durften schon am Wochenende wieder ins Freie zum Sport und zum Flanieren. Zahlreiche europäische Länder lockern zu Wochenbeginn einige, teils drastische Anti-Corona-Maßnahmen. Allerdings haben viele strikte Vorsichtsregeln weiter Bestand - ein Überblick.

UK: Mögliche Lockerungen für Betriebe

Das Vereinigte Königreich ist eines der am schwersten vom Coronavirus betroffenen Länder Europas. Fachleute sehen den Inselstaat nach einer ersten Corona-Welle dabei noch lange nicht über den Berg.

Das Land sei möglicherweise auf dem Weg, „die schlimmste Todesrate Europas“ zu verzeichnen, glaubt der Immunologe Jeremy Farrar vom angesehenen Wellcome Trust. Gründe dafür sind unter anderem, dass Großbritannien vergleichsweise spät einen Shutdown eingeleitet hatte.

Ebenso ist die Bevölkerung Großbritanniens im Vergleich mit anderen westeuropäischen Industrienationen häufiger mit Vorerkrankungen belastet. Zudem galt das nationale Gesundheitssystem NHS bereits vor der Corona-Krise als unzureichend ausgestattet. Derzeit bleiben in Großbritannien Schulen, Pubs, Restaurants und Konzerthallen geschlossen. Allerdings wird auch in Großbritannien schon über Lockerungen diskutiert, unter anderem über eine Lockerung bei der Abstandregel in Unternehmen.

Polen: Pendler müssen nicht mehr in Quarantäne

Polnische Bürger, die in Deutschland, der Slowakei, Tschechien oder Litauen arbeiten oder studieren, müssen von Montag an bei einer Rückkehr nach Polen nicht mehr für 14 Tage in Quarantäne. Für medizinisches Personal und Menschen, die in Pflegeeinrichtungen tätig sind, gilt die Quarantäne-Regelung aber weiter.

Hotels, Einkaufszentren und Sportplätze unter freiem Himmel sollen wieder öffnen. Kontrollen an den Grenzen zu anderen EU-Mitgliedstaaten bleiben bis zum 13. Mai bestehen - solange ist das Land auch für Ausländer geschlossen. Ausnahmen gelten für Menschen mit Daueraufenthaltsgenehmigung, für Lastwagenfahrer und Diplomaten.

Spanien: Feste Zeitfenster für den Ausgang

In Spanien, dem mit über 25.000 Toten am drittstärksten betroffenen Land in Europa, wurde bereits am Samstag die Ausgangssperre gelockert. Erstmals seit sieben Wochen durften die Menschen ihre Häuser für Sport im Freien und Spaziergänge verlassen.

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Die kleinen Fluchten sind allerdings strikt reglementiert: Unter anderem gibt es unterschiedliche Zeitfenster, zu denen Senioren über 70 Jahre, Kinder oder Jugendliche und Erwachsene ihr Zuhause verlassen dürfen. Zudem gilt ab Montag in allen öffentlichen Verkehrsmitteln Maskenpflicht.

Italien: Die Menschen dürfen nach Wochen wieder ins Freie

Nach fast zwei langen Monaten lockert Italien die Ausgangssperren, die zu den strengsten in Europa gehörten. Ab Montag dürfen rund 60 Millionen Menschen erstmals wieder zum Sport oder Spaziergang nach draußen. Industrie und Bauwirtschaft fahren ihre Produktion wieder hoch.

Allerdings bleiben die meisten Geschäfte noch zu. Restaurants und Bars dürfen nur einen Liefer- oder Take-Away-Service anbieten und bleiben bis Juni für Besuche geschlossen. Die Schulen im Land bleiben ebenfalls bis September geschlossen. Die Regierung in Rom hatte die Menschen im ganzen Land am 10. März unter Quarantäne gestellt und dann auch die nicht-lebenswichtige Produktion geschlossen.

Frankreich: Lockerungen erst am 11. Mai - wenn die Zahlen nicht wieder steigen

Frankreich will die strengen Ausgangsbeschränkungen erst vom 11. Mai an lockern. Das Tragen von Schutzmasken in öffentlichen Verkehrsmitteln soll dann zur Pflicht werden. Geschäfte sollen von diesem Termin an wieder öffnen können. Restaurants oder Cafés werden aber weiter geschlossen bleiben; auch Strände sind für Besucher und Sportler bis mindestens 1. Juni tabu.

Die wegen der Corona-Pandemie geplanten Quarantäne-Regeln in Frankreich fallen weniger strikt aus als zunächst angekündigt. Menschen, die aus der EU, dem Schengenraum oder Großbritannien einreisen, seien davon ausgenommen, teilte der Elysée-Palast in Paris am Sonntag mit.

Dies gelte unabhängig von der Nationalität der Einreisenden. Die Mitte März wegen der Corona-Pandemie eingeführten verschärften Grenzkontrollen, insbesondere an der Grenze zu Deutschland, würden fortgesetzt, teilte das französische Innenministerium der Nachrichtenagentur AFP mit.

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Gesundheitsminister Olivier Véran warnte am Sonntag zugleich, dass der Termin 11. Mai wackeln könnte, falls die Pandemie bis dahin nicht ausreichend eingedämmt sei. Auch dämpfte Véran in der Zeitung „Le Parisien“ die Hoffnung mit Blick auf die Sommerferien. Er wisse nicht, ob die Strände wieder öffnen könnten. Er würde sich persönlich auch kein Flugticket kaufen.

Belgien: Busse und Bahnen fahren wieder, manche Unternehmen dürfen öffnen

Am Montag soll die erste Phase der Lockerung der Auflagen in Belgien beginnen. So sollen wieder mehr Busse und Bahnen fahren, dabei gilt eine Masken-Pflicht für Personen ab zwölf Jahren. Öffnen dürfen Unternehmen, die als Kunden andere Firmen haben, aber keine Privatpersonen bedienen. Auch Stoff- und Kurzwarenläden dürfen aufmachen. Andere Geschäfte jenseits des Lebensmittelhandels sollen noch eine Woche zu bleiben. Sport ist unter Einhaltung der Distanzregeln wieder mit zwei Personen erlaubt, die nicht im eigenen Haushalt wohnen.

Das Arbeiten zu Hause soll aber die Regel bleiben, und die Menschen sollen ihr Haus nur selten verlassen - etwa zum Einkaufen, für den Weg zur Arbeit oder zum Arzt. Die nächsten Etappen der Lockerung sind für den 11. und 18. Mai vorgesehen. Erst in Phase drei ist die schrittweise Schulöffnung anvisiert.

Ungarn: Gastrobetriebe mit Außenbereich dürfen öffnen

In Ungarn dürfen sich Menschen außerhalb von Budapest und Umgebung bei Einhaltung des Mindestabstands wieder frei bewegen. Geschäfte können uneingeschränkt öffnen, Gaststätten wieder aufmachen, wenn sie draußen bedienen. Landesweit besteht Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln.

Griechenland und Portugal: Ausgang im beschränktem Rahmen

In Griechenland können die Bürger von Montag an ohne Einschränkungen aus dem Haus gehen. Sie dürfen aber nicht in eine andere Präfektur reisen (das entspricht in etwa einem Landkreis in Deutschland). Friseursalons, Elektrogeschäfte und Buchläden öffnen wieder. Masken sind ab Montag in öffentlichen Verkehrsmitteln, Aufzügen und Krankenhäusern sowie in Arztpraxen Pflicht. In Portugal dürfen viele kleine Geschäfte wieder öffnen. Auch Sport im Freien ist wieder erlaubt.

Deutschland: Regional stark unterschiedliche Lockerungen

Deutschlandweit gibt es ab Montag einige Lockerungen. Beispielsweise dürfen Friseure unter strengen Auflagen wieder öffnen. Schulen nehmen stückweise den Betrieb wieder auf, Kitas bleiben jedoch geschlossen, Spielplätze haben zum Teil seit dem 30. April geöffnet. Religiöse Einrichtungen dürfen für eine beschränkte Anzahl von Besuchern wieder öffnen.

Unklar bleibt die Situation für die Gastronomie mit Außenbereich und den Inlandstourismus. Besonders weit hervorgewagt hat sich Sachsen-Anhalt, wo sich ab Montag wieder fünf Personen aus unterschiedlichen Haushalten treffen dürfen. Weitere Lockerungen werden ab dem 10. März oder später erwartet. Dabei setzt Deutschland vor allem auf unterschiedliche Entscheidungen für die Bundesländer, da diese unterschiedlich stark von der Krise betroffen sind.

Serbien: Alles öffnet - aber Abstandsregeln gelten weiter

Serbien will diese Woche den Lockdown beenden. Der Aufhebung des Ausnahmezustands soll am Mittwoch beschlossen werden, erklärt Präsident Aleksandar Vučić. Die Infektionsrate habe sich ausreichend verlangsamt, um Einkaufszentren, Cafés und Restaurants unter weiterhin geltenden Abstandsregeln zu öffnen. Auch der öffentliche Nahverkehr würde kommende Woche seinen Betrieb wieder aufnehmen.

Österreich: Menschen können auch Angehörige in Heimen wieder besuchen

Von Montag an sind Besuche in Alten- und Pflegeheimen eingeschränkt möglich. Zudem beginnt für rund 100.000 Schüler der Abschlussklassen der Alpenrepublik wieder der reguläre Unterricht. Nach dem Stufenplan der Regierung sind danach Mitte Mai die Grundschulen und Unterstufen dran; alle anderen folgen Anfang Juni.

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Im Land sind inzwischen alle Geschäfte und fast alle Dienstleister wieder geöffnet. Am 15. Mai folgen die Restaurants, Ende Mai Hotels. Doch die Hygieneregeln gelten weiter, wie ein Mindestabstand von einem Meter und das Tragen von Mund-Nasen-Schutz in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln.

Außer Konkurrenz – Schweden ohne Shutdown

Im Vergleich zu den meisten anderen Ländern hat das skandinavische Land mit vergleichsweise lockereren Maßnahmen auf die Pandemie reagiert. Kindergärten, Grundschulen und Geschäfte blieben geöffnet. Dies gilt unter Auflagen auch für die Gastronomie. Untersagt sind auch Versammlungen von mehr als 50 Personen, somit sind Clubs dicht. Zudem gilt seit Anfang April ein Besuchsverbot in Pflegeheimen.

Ansonsten lautet das Mantra der Regierung und der sie beratenden Experten: Kontakte vermeiden, im Homeoffice arbeiten und bei geringsten Krankheitsanzeichen zu Hause bleiben. Die Reproduktionsrate in Schweden ist mit diesen Maßnahmen unter den Wert 1 gesunken – allerdings hat das Land auch viele Todesfälle verzeichnen müssen. (dpa, Reuters, AFP, Tsp)

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