CSU-Landesgruppentagung : Söder muss über Gülle reden

Bayerns Ministerpräsident Söder will bei der CSU-Landesgruppentagung mal eben Deutschland aufmischen - doch dann steht der Bauer auf der Wiese.

Robert Birnbaum
Markus Söder (CSU, r), Parteivorsitzender und Ministerpräsident von Bayern, spricht vor dem Kloster Seeon zu den Landwirten.
Markus Söder (CSU, r), Parteivorsitzender und Ministerpräsident von Bayern, spricht vor dem Kloster Seeon zu den Landwirten.Foto: Matthias Balk/dpa

Der Markus Söder hat sich das so schön vorgestellt, wie er vom idyllischen Oberbayern aus mal eben Deutschland aufmischt – und dann steht der Bauer auf der Wiese. Fast 2000 sind vor dem Kloster Seeon aufmarschiert mit Treckern und Wut im Bauch und mit Schildern, auf denen garstige Sachen stehen wie: „CSU = Heimat? Ich fühl’ mich vertrieben!“ Der Herr Vorsitzende würde zum Auftakt der alljährlichen CSU-Landesgruppentagung lieber neue Dynamik in der Groko anmahnen und auf Kabinettsumbildungen dringen. Doch es hilft nichts. Er muss erst raus auf die Wiese, wo sie von Scheiße reden. Und zwar wortwörtlich.

Vornehmer heißt die Gülle, aber mit vornehm ist gerade Schluss auf dem Land. Die geplante neue Gülleverordnung hat den Anstoß für die Protestwelle gegeben, die die Selbsthilfegruppe „Land schafft Verbindung“ koordiniert. Rücksichtslos, teuer, unpraktikabel, ein Kopfprodukt Brüsseler und Berliner Öko-Fundamentalisten, so der Tenor der Kritik. Der Versuch der CSU-Promis, die Wut auf die Grünen abzulenken, geht allerdings schief. „Sie sind schon so lange dort'n“, ruft ein Älterer zur Tribüne auf einem Ladewagen hinauf. „Aber so schlecht hamma noch nie dag’standen!“

Die Erkenntnis: Bayern muss wohl wieder den Landwirtschaftsminister stellen

Die Szene im milden Wintersonnenschein illustriert sehr schön, was der Edmund Stoiber gerade gesagt hat über die vielen Aufgaben, die auf den Ministerpräsidenten in Bayern warten und ihn – sagt der Stoiber, sagt aber auch ständig der Söder selbst – davon abhalten, sich näher für das Kanzleramt zu interessieren. In gut zwei Monaten stehen Kommunalwahlen an. Ist der Bauer sauer, wählt er womöglich im Söderschen Sinne falsch. Wählt er falsch, kriegt die Geschichte vom Aufstieg eines neuen bayerischen Helden einen peinlichen Knacks. Der Held lässt vorsichtshalber erst mal ein halbes Dutzend Parteifreunde vor, an denen sich der Volkszorn abarbeiten kann. Unwidersprochen bleibt dann seine Feststellung: „Also sammama so: Die Lage ist schon schwieriger, als wir glauben.“ So schwierig, dass er sich ins Agrarwesen persönlich vertieft habe, inklusive der Befassung mit „Schleppschläuchen und Pralltellern“. Es geht dabei, für die Städter unter uns, um Vorrichtungen, um die Gülle aufs Feld zu bringen. Die Zuhörerschaft würdigt die ministerpräsidiale Fortbildung nur zögerlich. Sie will Taten sehen. „Sie sind der Chef!“, ermuntert ihn ein Sprecher der Demonstranten. Söder guckt söderbissig. „Also, was stimmt, ich bin der Chef hier.“ Dann kriegt er doch noch den Dreh hin zur Kabinettsumbildung: Man müsse wohl beizeiten „aus Bayern aus auch wieder versuchen, den Landwirtschaftsminister in Berlin zu stellen“.

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