Politik : Das Ende der Ära Chirac?

Hans-Hagen Bremer

Paris - Zwölf Jahre nach seinem Einzug in den Elysée-Palast und sechs Wochen vor der Wahl eines Nachfolgers heißt es für Jacques Chirac, Abschied zu nehmen. Bis zuletzt hatte es der französische Präsident offengelassen, ob er noch einmal für eine dritte Amtszeit kandidieren würde. Doch in Paris ging man am Sonntag davon aus, dass Chirac in einer für den Abend angekündigten Ansprache Klarheit schaffen und den Verzicht auf eine neuerliche Bewerbung bekannt geben würde.

Alles deutet auf das Ende einer Ära hin. Die Meinungsforscher beziehen ihn schon lange nicht mehr in ihre Erhebungen ein. Viele seiner politischen Wegbegleiter haben sich inzwischen auf die Seite des Kandidaten der konservativen Regierungspartei UMP, Nicolas Sarkozy, geschlagen. Der liegt in Umfragen fünf Prozentpunkte vor seinen Konkurrenten: Nachdem Zentrumspolitiker François Bayrou überraschend mit Ségolène Royal gleichzog, muss die Sozialistin sogar um das Erreichen der zweiten Runde bangen.

Für den 74-jährigen Präsidenten geht ein politisches Leben zu Ende, das fast auf den Tag genau vor 40 Jahren am 12. März 1967 mit seiner Wahl zum Abgeordneten des Departements Corrèze begann. Seine Leidenschaft für die Macht hatte er als Mitarbeiter seines Mentors, des damaligen Premierministers Georges Pompidou entdeckt. Sie sollte ihn über alle Etappen seiner Karriere nicht mehr verlassen. Die Bilanz seiner zwölfjährigen Amtsführung fällt indes mager aus. Nach verlorenem Wahlpoker musste er fünf Jahre lang die Macht mit den Sozialisten teilen. Nach seiner Wiederwahl 2002 fehlte ihm der Wille zu Reformen. Sein größter Reinfall war 2005 das Nein der Franzosen zur EU-Verfassung.

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