Es sind nicht die Massen, sondern ein harter, gewaltbereiter Kern

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"Das ist Chaos" : Der blutige Aufstand in der arabischen Welt

Die Welle der Demonstrationen gegen den in den USA von einem koptischen Christen produzierten Film, der Mohammed lächerlich macht, ist im Nahen Osten und in Nordafrika zwar keineswegs abgeebbt, aber es waren nicht Massen, die am Freitag auf die Straßen gingen, sondern ein harter, manchmal auch gewaltbereiter Kern. In Gewalt ausgeartet sind die Manifestationen vor allem in der sudanesischen Hauptstadt Khartum, wo die deutsche und die britische Botschaft gestürmt wurden, und im jemenitischen Sanaa. Zu Zusammenstößen mit der Polizei kam es auch im Libanon, wo es in Tripolis mindestens ein Todesopfer und viele Verletzte gegeben haben soll.

Nach dem blutigen Überfall auf das US- Konsulat in Bengasi, den der US-Botschafter und mehrere andere Menschen am Dienstag mit dem Leben bezahlt hatten, haben die libyschen Behörden erste Verhaftungen vorgenommen. Die Untersuchung sei ein gutes Stück vorangekommen, sagte der neue Regierungschef Mustafa Abushagur. Ein Sprecher der Gruppe Ansar al Shia hat sich von der Gewalt distanziert, weder die islamistische Miliz noch einzelne ihrer Mitglieder seien an dem tödlichen Überfall beteiligt gewesen.

In Bildern: Deutsche Botschaft in Brand gesteckt:

Demonstranten stürmen Botschaft in Khartum
Im Sudan haben die Demonstranten gegen das islamkritische Schmähvideo die deutsche Botschaft in Khartum gestürmt.Alle Bilder anzeigen
1 von 8Foto: dapd
14.09.2012 17:27Im Sudan haben die Demonstranten gegen das islamkritische Schmähvideo die deutsche Botschaft in Khartum gestürmt.

In Kenia sind nach Angaben der Polizei mehrere Selbstmordanschläge verhindert worden. In der Hauptstadt Nairobi seien zwei aus Somalia stammende Männer festgenommen und sechs Sprengstoffgürtel sichergestellt worden, teilte die Polizei mit. Außerdem haben die Sicherheitsbehörden in dem mehrheitlich von Somaliern bewohnten Stadtviertel Eastleigh zwölf Granaten, vier Sturmgewehre und mehrere hundert Schuss Munition entdeckt. Auch in Indonesien, in Malaysia und in Afghanistan demonstrierten Muslime ihre Wut über den in den USA produzierten Film „Innocence of Muslims“ (Unschuld der Muslime). „Tod den Juden“ und „Tod Amerika“ riefen rund 200 Indonesier vor der nach den Angriffen auf die US-Vertretungen in Libyen, Ägypten und Jemen schwer bewachten US-Botschaft in Jakarta. Im Jemen feuerten Sicherheitskräfte mit Tränengas und schossen mit scharfer Munition in die Luft, als rund 2000 Demonstranten versuchten, zur US-Botschaft in der Hauptstadt Sanaa zu marschieren.

Video: Wütender Mob stürmt US-Botschaft im Jemen

Der Berliner Terrorismus- und Islamismusexperte Berndt Georg Thamm sieht die Geschehnisse in einem Kontext und verweist auf andere Gewaltausbrüche in der jüngsten Vergangenheit. So hätten muslimische Fundamentalisten Ende Juni, Anfang Juli in Mali mehrere Heiligengräber, Mausoleen und eine berühmte Moschee zerstört. Wenige Wochen später machten radikale Islamisten in Libyen die Schreine von Gelehrten dem Erdboden gleich. In beiden Fällen stünden hinter der Zerstörungswut Salafisten, die den „reinen“ Islam predigten und deshalb zum Beispiel die Verehrung von Heiligen als Gotteslästerung strikt ablehnten.

Überhaupt gehöre der Dschihad-Salafismus als extremistische, militante und gewaltbereite Strömung im Islamismus zu den „Gewinnern der Arabellion“. Thamm verweist in diesem Zusammenhang vor allem auf „Al Qaida im islamischen Maghreb“. Die regionale Terrororganisation sei inzwischen so etwas wie ein „Dachverband salafistischer Gruppen“. Und die forderten eine Rückbesinnung auf den ursprünglichen Islam, die mit „Feuer und Schwert“ durchgesetzt werden müsse. Eine Forderung, die nach Thamms Einschätzung in immer mehr Ländern Nordafrikas Anhänger findet - von Tunesien über Ägypten und Libyen bis nach Nigeria und Somalia.

Alle Ereignisse vom Freitag können Sie hier im Tickerformat nachlesen.

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