Debatte um Annäherung : CDU und Linke? Günthers Strategie ist falsch

Die CDU soll sich – jedenfalls im Osten – für Bündnisse mit der Linkspartei locker machen, empfiehlt der Kieler Regierungschef. Da irrt er. Ein Kommentar.

Das rockt! Daniel Günther (CDU), hier beim Wacken-Open-Air, regt mit seinen Koalitionsideen auf.
Das rockt! Daniel Günther (CDU), hier beim Wacken-Open-Air, regt mit seinen Koalitionsideen auf.Foto: dpa

Vermutlich hat Daniel Günther das Headbanging als Gast beim Heavy-Metal-Festival in Wacken übertrieben. Anders ist schwer zu erklären, wie der CDU-Aufsteiger aus dem Norden auf den Ratschlag an seine ostdeutschen Kollegen gekommen ist, sich mal so’n bisschen für Bündnisse mit der Linkspartei locker zu machen.

Also, nur für den Notfall natürlich, hat Günther gesagt, nämlich dass zwischen Linken einerseits und AfD andererseits keine Regierungsmehrheit mehr bliebe.

Wähler sind wählerischer

Der Fall könnte bei den Landtagswahlen im nächsten Jahr sogar eintreten – in Sachsen, in Thüringen, auch in Brandenburg sieht es nicht nach klaren Verhältnissen aus. Der Notfall tritt allerdings mit noch größerer Wahrscheinlichkeit ein, wenn die CDU jetzt plötzlich anfinge, sich selbst zum fröhlichen Vagabunden zu erklären, der bei der Auswahl seiner Gefährten alte Skrupel beiseite schiebt.

Man darf der AfD in Wort und Denken nicht hinterher laufen, wenn man sie eindämmen will. Aber ihr zuliebe den parteipolitischen Ausnahmezustand auszurufen ist erst recht keine Strategie. Pragmatiker wie Günther neigen dazu, inhaltliche Differenzen und historische Abneigungen für gar so wichtig zu nehmen. Wähler sind da wählerischer. Sie wollen Alternativen. Und wenn nur noch eine zu bleiben scheint, dann nehmen sie eben die.

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