Der Brexit ist tot – es lebe der Bransit : Die wundersamen Wortspiele des EU-Austritts

Der britische Premier Boris Johnson hat den Brexit erledigt. Welcher Ausdruck passt für die nun beginnende Übergangsperiode?

Abwarten und Tee trinken - dieses Motto gilt für die britische Bevölkerung während der Übergangsphase.
Abwarten und Tee trinken - dieses Motto gilt für die britische Bevölkerung während der Übergangsphase.Foto: Tolga Akmen/AFP

Brexit oder Bremain – das war die Frage. Jetzt sind die Briten raus, und es fehlt einem etwas. Es fehlen einem die Worte.

Es ist nämlich so: So lange das Drama um den britischen EU-Austritt nach dem Referendum vom Juni 2016 andauerte, so lange stand das ewige Gezerre auch unter der Überschrift „Brexit“. Der Brexit war das Ziel der Brexiteers, deren Gegner wollten ihn bekanntlich verhindern. Während der verworrenen politischen Diskussion entstanden wunderbare Wortschöpfungen, unter anderem das „Neverendum“.

Das „neverending referendum“ war ein Szenario, dem zufolge die Volksentscheidung von 2016 durch ein zweites Referendum ins Gegenteil verkehrt werden wäre. Worauf die Brexiteers dann wieder ein neues Referendum abgehalten hätten, welches das zweite Referendum ins Gegenteil verkehrt hätte und so weiter und so fort.

„Brino“ galt als Schreckgespenst der Brexiteers

Schön war auch der „Brino“. Gemeint war damit der „Brexit in name only“. Erz-Brexiteers wie Jacob Rees-Mogg führten den „Brino“ 2018 in die politische Debatte ein, weil in ihren Augen Anlass zur Befürchtung bestand, dass die damalige Premierministerin Theresa May Großbritannien zwar aus der EU führen, aber ansonsten alles beim Alten belassen würde – inklusive der Mitgliedschaft in der EU-Zollunion und im europäischen Binnenmarkt.

Jetzt hat der britische Regierungschef Boris Johnson den Brexit erledigt, und eine Leere macht sich breit. Gut, ganz aus der Welt ist der Brexit noch nicht, denn zum Jahresende könnte ein „harter Brexit“ drohen für den Fall, dass die EU und Großbritannien auf einen Crashkurs gehen und bei den anstehenden Verhandlungen über ihre Wirtschaftsbeziehungen überhaupt nicht handelseinig werden. Einen „harten Brexit“ will aber keiner, mutmaßlich auch Johnson trotz aller Drohgebärden nicht.

Die Tür ist zu, und die Briten stehen unter dem Vordach

Bildlich gesprochen hat Großbritannien das Haus der Europäischen Union verlassen. Die Haustür ist zu, aber die Briten stehen noch für die Zeit der Übergangsphase unter dem Vordach. Man hat sich freundlich voneinander verabschiedet.

Allerdings wissen beide Seiten auch, dass die bevorstehenden Gespräche über einen Handelsvertrag alles andere als freundlich werden dürften. Für die EU und Großbritannien beginnt nun die Phase eines Transits – mit unbekanntem Ziel. Man könnte die neue Phase auch „Bransit“ taufen.

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