Der Brexit und die Fischerei : Auch Europa hat viel zu verlieren

Ein harter Brexit würde insgesamt eher den Briten als der EU Nachteile bringen. Aber bei der Fischerei liegen die Dinge anders.

EU-Fischereikommissar Karmenu Vella.
EU-Fischereikommissar Karmenu Vella.Foto: AFP

Die Fischerei spielt nach wie vor eine große Rolle für das Selbstverständnis in Grimsby. Zwar hat der Fischfang in der ostenglischen Hafenstadt schon die besten Tage hinter sich, aber auch dort ist man wie in anderen britischen Küstenorten auf die EU nicht gut zu sprechen. Die gemeinsame Fischereipolitik der EU erlaubt es vor allem französischen, irischen und dänischen Fischern, in britischen Gewässern die Netze auszuwerfen.

Britische Fischer stimmten für den Brexit

Weil sie sich von den Fischern aus dem EU-Ausland bedroht fühlen, haben deren britische Kollegen beim Referendum 2016 überwiegend für den Brexit gestimmt. Und deshalb war es auch nur folgerichtig, dass die britische Premierministerin Theresa May Anfang März in Grimsby mit Blick auf das Referendum vor drei Jahren erklärte: „Die Entscheidung fiel zu Gunsten von ’Leave’ aus – und daran müssen wir uns halten.“

Die Fischereipolitik gehört zu den Bereichen, bei denen ein harter Brexit für die EU-Staaten mindestens genauso viele Nachteile hat wie für Großbritannien. Ein harter Brexit würde einerseits für die Fischereiindustrie in Großbritannien bedeuten, dass der Export von Makrelen und Heringen in Richtung Kontinent mit Zöllen belegt würde. Aber auf der anderen Seite bangen schon jetzt beispielsweise französische Fischer in Dieppe um ihre Arbeitsplätze für den Fall, dass es zu einem ungeregelten Ausstieg Großbritanniens aus der EU kommt.

Am Freitag stellte der EU-Fischereikommissar Karmenu Vella in Brüssel dar, welche Folgen ein möglicher „harter Brexit“ am kommenden Freitag hätte. „Im Falle eines No-Deal-Brexit müssten EU-Fischfangflotten die Gewässer des Vereinigten Königreichs, und die britischen Schiffe müssten die Gewässer der EU verlassen“, sagte Vella klipp und klar.

Nach den Worten des aus Malta stammenden Kommissars stelle die EU-Fischereipolitik ein „positives Erbe“ der Gemeinschaft dar. Dank der gemeinsamen Politik sei es gelungen, die Überfischung in den Gewässern Großbritanniens und anderer EU-Staaten zu beenden, sagte er. Deshalb wolle die EU auch nach dem Ausscheiden Großbritanniens an einem gemeinsamen nachhaltigen Fischfang in der Nordsee und im Atlantik festhalten.

Ein harter Brexit könnte der EU allerdings einen Strich durch die Rechnung machen. Ein ungeregeltes Ausscheiden Großbritanniens aus der EU hätte „erhebliche negative Folgen für den Teil der EU-Flotte, der vom Zugang zu den Gewässern des Vereinigten Königreichs abhängig ist“, gab der Fischereikommissar zu.

EU-Fischereifonds könnte einspringen

Damit die betroffenen Fangflotten für einen „harten Brexit“ gerüstet sind, können sie nach den Angaben von Vella EU-Fördergelder aus dem EU-Fischereifonds in Anspruch nehmen. Auch direkte Hilfe der Mitgliedstaaten für die Fischer seien möglich.

Doch nach dem Willen der EU-Kommission soll es so weit erst gar nicht kommen. Um den Schock eines No-Deal-Brexit abzumildern, will Brüssel in einigen Bereichen Übergangsregelungen anbieten, sofern auch Großbritannien mitmacht. „Wir haben neue Regeln erlassen, die eine Fischfangerlaubnis für EU-Schiffe in britischen Gewässern vereinfachen – und umgekehrt“, sagte Vella.

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