Geschätzter Sanierungsstau: 42 Milliarden Euro

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Der DOSB fordert die Bundesregierung : Wer rettet Deutschlands marode Sportanlagen?

Die kommunalen Spitzenverbände sind dagegen offener für weitere Geldspritzen aus Berlin. „Alles, was in der Hinsicht passiert, ist zu begrüßen“, sagt Alexander Handschuh vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Er beziffert den gesamten Investitionsstau bei Sportstätten und Bädern auf 11,2 Milliarden Euro.

Es gibt sogar noch höhere Berechnungen. Der DOSB bezifferte den Sanierungsstau vor einigen Jahren auf 42 Milliarden Euro, und das Deutsche Institut für Urbanistik kam 2008 auf einen Investitionsbedarf von rund 35 Milliarden Euro, hatte dabei aber die vereinseigenen Sportstätten nicht miteinbezogen. Eine aktuellere Statistik gibt es derzeit nicht. Sie werde von den Ländern abgelehnt, beklagt der DOSB, und die Zahl elf Milliarden Euro sei nicht ausreichend belegt. All die Skepsis und Ablehnung der Bundesländer gegen neue Investitionsprogramme für den Sport kann man im Protokoll der jüngsten Sportreferentenkonferenz der Länder vom 16. und 17. März nachlesen: Von "Bedenken aus verfassungsrechtlicher Sicht" ist da die Rede, von "Bedenken wegen der auf die Länder zukommenden Finanzbelastung", und dann findet sich noch der schöne Satz: "Im Übrigen hätten manche Länder nicht positiv festgestellt wissen wollen, dass bei den kommunalen Sportstätten derzeit ein solcher Sanierungsstau bestehe."

Der drittgrößte Posten beim Nachholbedarf

Auf jeden Fall bilden die Sportstätten hinter den innerörtlichen Verkehrswegen und den Schulbauten den drittgrößten Posten beim Nachholbedarf. Alexander Handschuh vom Städte- und Gemeindebund sagt jedoch auch, man müsse bei einem eventuellen Bundesprogramm genau hinschauen, dass das Geld auch dort ankomme, wo es gebraucht werde.

Es macht die Angelegenheit auf jeden Fall noch komplizierter, dass sich knapp ein Drittel der Sportanlagen in Deutschland im Besitz von Vereinen befinden. „Vereine müssen anders als in den Vorläuferprogrammen antragsberechtigt werden“, fordert Michael Vesper. Der DOSB bietet sich dabei selbst als Projektmanager an, um das Geld zu verteilen und gerade auch für kleinere, aber wichtige Maßnahmen einzusetzen.

Die Sanierungsnot macht aber offenbar auch erfinderisch. Manche Vereine haben ihre Sportstätte schon mit Mitteln des Denkmalschutzes sanieren lassen, weil ihre Halle sich in einem alten Industriedenkmal befindet.

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