Mitmenschen beschreiben den Täter als Einzelgänger.

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Der Horror von Newtown : Trauer und Selbstkritik nach dem Amoklauf in den USA

Der genaue Zeitpunkt ist wichtig, denn an diesem Punkt gehen die Darstellungen erneut auseinander. Das neue Sicherheitssystem der Schule soll die Eingangstür exakt um 9 Uhr 30 automatisch verriegeln. Einerseits wird berichtet, die Scheiben neben der Eingangstür seien zerschossen worden, Lanza habe sich also gewaltsam Zutritt verschafft. Andererseits verlautet aus Polizeikreisen, wahrscheinlich habe er geklingelt und die Direktorin Dawn Hochsprung habe ihm aufgemacht, weil sie ihn als Sohn einer Lehrerin kannte. Die 47-Jährige und eine Schulpsychologin sind unter den sechs erwachsenen Opfern des Massakers. Wahrscheinlich eilten sie herbei, als sie die ersten Schüsse hörten, und Lanza erschoss sie.

Über die Motive für den Amoklauf herrscht weitgehend Unklarheit. Der Täter gilt als Jugendlicher mit psychischen Problemen, die aber offenbar nie richtig benannte worden seien, so eine Psychologin vor Ort. Mitschüler aus Lanzas Highschool berichten den Reportern von einem Einzelgänger, der mit Vorliebe schwarze Kleidung trug, sich abschottete und deshalb nicht sonderlich auffiel. Seine Tat trägt ersten Erkenntnissen nach deutliche Züge des Columbine-Massakers.

Es heißt, der Täter habe 20 Kinder in zwei Klassenräumen erschossen und sich dann selbst gerichtet. Er habe „mit gnadenloser Effizienz“ gemordet, schreibt die „New York Times“. Es gab kaum Verletzte. Er tötete mit gezielten Schüssen aus nächster Nähe. Die beiden Pistolen wurden neben seiner Leiche gefunden, das Gewehr habe er im Auto gelassen. Die Schüsse und die Angstschreie der Opfer waren nach Zeugenberichten im ganzen Gebäude zu hören. 600 Kinder vom Kindergartenalter bis zur vierten Klasse besuchen die Sandy Hook Grundschule. Überall in Amerika sind die Lehrer darauf trainiert, im Falle einer Schießerei die Türen zum Unterrichtszimmer abzuschließen und mit Tischen und Stühlen zu verbarrikadieren. Die Kinder sollen sich in einer Ecke versammeln, die von der Tür aus nicht einsehbar ist oder unter ihren Pulten Schutz suchen. In der Schule in Newtown schlossen Lehrer auch Kinder in Wandschränken ein, um sie zu retten. Von einer Lehrerin wird berichtet, dass sie ihren eigenen Körper gegen die Tür gestemmt und dabei Schussverletzungen davongetragen habe.
Viele suchen jetzt in Newtown den Zusammenhalt. Sie stehen in der Winterkälte. Noch am Freitag Abend hat die katholische Gemeinde „Saint Rose of Lima“ zu einem Trauergottesdienst eingeladen. Nicht alle passen hinein, viele verfolgen die Andacht vor der Kirche. Eine Botschaft Papst Benedikts XVI. wird verlesen.

Vor dem Weißen Haus in Washington versammelten sich Menschen zur selben Zeit zu einer Mahnwache. Sie forderten eine Änderung des Waffenrechts. Auch Präsident Barack Obama scheint eine Debatte darüber anzustreben.

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