Der Papst in Südamerika : Was Papst Franziskus in Peru und Chile will

Papst Franziskus beginnt seine Reise nach Chile und Peru. Dabei stehen Treffen mit Vertretern indigener Völker im Mittelpunkt seines Interesses.

Papst Franziskus besteigt sein Flugzeug und bricht zu einer Reise nach Chile und Peru auf.
Papst Franziskus besteigt sein Flugzeug und bricht zu einer Reise nach Chile und Peru auf.Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa

Unterworfen, versklavt, von Epidemien dahingerafft, diskriminiert, verraten – für die Indigenen waren die fünf Jahrhunderte seit der spanischen Eroberung zu großen Teilen eine Zeit der Leiden. Auch die katholische Kirche hat mit ihrer Evangelisierung einen Anteil daran, wenngleich Papst Paul III. bereits 1537 in der Debatte, ob Indigene eine Seele hätten und damit auf menschlichem Niveau stünden, eindeutig für die Ureinwohner Partei ergriff. Zwei Jahrzehnte später standen sie im Disput von Valladolid erneut im theologischen Zentrum, dabei ging es darum, ob sie in ihren Rechten den Europäern ebenbürtig seien – eine Position, die Fray Bartolomé de las Casas vehement vertrat, weshalb er als Urvater des Menschenrechtsgedankens gilt.

Danach fristeten die Ureinwohner auch in der Kirche eher ein Schattendasein. Papst Franziskus schenkte ihnen aber wieder Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit seiner Enzyklika „Laudato si“, ein Plädoyer zur Bewahrung der Schöpfung. Bei seinem Besuch in Chile und Peru werden die Indigenen gleich zweimal im Mittelpunkt stehen. Nicht alle begrüßen das. Reibungspunkte sind programmiert, und die Sicherheitsdienste sind in höchster Alarmbereitschaft. In Chile explodierten am Freitag Brandbomben vor mehreren Kirchen. In der Hauptstadt Santiago waren sie mit einer eindeutigen Drohung versehen: „Papst Franziskus, die nächsten gehen unter deiner Soutane hoch!“ Unterzeichnet war das per Computer erstellte Schreiben nicht, es enthielt aber eine Anspielung auf Wallmapu, die historische Heimat der Mapuche-Indigenen.

„Warum will der Papst ausgerechnet zu den Mapuche?“, fragte die konservative chilenische Zeitung „El Mercurio“. Am Mittwoch wird Franziskus nach Temuco in Südchile fliegen, das Herz von Wallmapu und eine der ärmsten Regionen des Landes. Dort tragen Mapuche-Indigene gewalttätig Landkonflikte mit Siedlern und Großkonzernen aus, weshalb sie von diesen als „Terroristen“ bezeichnet und von der Polizei inhaftiert werden. Ein Zusammentreffen des Papstes mit gemäßigten Mapuche-Vertretern ist vorgesehen. Nach Ansicht von Beobachtern ist das ein Versuch der Kirche, sich als Mittlerin zwischen den Indigenen und dem Staat zu positionieren.

Der spanischen Eroberung widerstanden

In Wallmapu widerstanden die Mapuche der spanischen Eroberung. Ein Friedensvertrag sicherte ihnen die Kontrolle über die Region südlich des Bio-Bio-Flusses zu – bis Chile nach der Unabhängigkeit im 19. Jahrhundert einmarschierte, das Land annektierte und an Siedler und Investoren verscherbelte. Bis heute ist dort jeder Quadratmeter umstritten, auch das Gelände der Luftwaffenbasis, auf dem die Messe mit dem Papst stattfindet. „Dort wurden außerdem unter der Diktatur Regimegegner gefoltert“, kritisierte der Mapuche-Führer Aucan Huilcaman die Wahl des Ortes.

1987 war Papst Johannes Paul II. schon in Temuco und bat um Vergebung für das Unrecht an den Mapuche. „Wir wollen nicht noch mehr Symbolik, sondern Wiedergutmachung“, forderte Huilcaman im Rahmen einer Protestkundgebung kürzlich. Die Sicherheitskräfte sind in höchster Alarmbereitschaft. Der Bischof der Diözese, Hector Vargas, sieht aber keinen Anlass zur Sorge. Die Mapuche seien ein friedliches Volk, beschwichtigte er, obwohl radikale Aktivisten in der Vergangenheit auch Kirchen niederbrannten.

In Peru wird dann erstmals ein Papst den Amazonas bereisen. Der Regenwald liegt Franziskus besonders am Herzen, deshalb regte er die Gründung des Panamazonischen Kirchlichen Netzwerks (Repam) an und berief für 2019 eine Synode über die Probleme am Amazonas ein. In Puerto Maldonado, einer konfliktbeladenen Goldgräberstadt, kann Franziskus sowohl die Umweltzerstörung in Augenschein nehmen als auch die Folgen des Goldrauschs. Etwa beim Besuch des Kinderheims „Principito“ des Schweizer Priesters Xavier Arbex, wo Waisen und aus der Zwangsprostitution befreite Jugendliche Zuflucht finden. Auch in Puerto Maldonado ist ein Treffen mit indigenen Vertretern geplant, in deren Stammesgebiet immer mehr Goldgräber und Holzfäller vordringen – oft mit Hilfe korrupter Staatsbediensteter und Politiker. Umweltschützer hoffen deshalb auf Schützenhilfe vom Papst. Eine Gruppe will ihm einen „Pakt für Umweltgerechtigkeit“ vorlegen, in dem Vorschläge zum besseren Umweltschutz am Amazonas gemacht werden.

„Der Papst hat ein Herz für Amazonien“, sagt der alternative Ökonom Alberto Acosta, der sich für die Rechte der Natur einsetzt. „Seine Stimme findet Aufmerksamkeit, und es ist wichtig, dass er sich gegen die weitere Ausbeutung des Regenwalds ausspricht, dass er Partei ergreift für die Natur und die Menschen und gegen das Kapital.“ Das wäre eine eminent politische Stellungnahme. Denn sowohl die Regierung in Peru als auch der neue chilenische Präsident Sebastián Piñera setzen auf Bergbau und Monokulturen, um die Wirtschaft anzukurbeln.

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