Deutsche Sekte in Chile : Bundesregierung entschädigt Opfer der „Colonia Dignidad“

In der früheren deutschen Sektensiedlung in Chile gab es viele Jahre Folter, Zwangsarbeit und Kindesmissbrauch. Jetzt erhalten Opfer bis zu 10.000 Euro.

Der Eingangsbereich des Sektengeländes in den 80-er Jahren.
Der Eingangsbereich des Sektengeländes in den 80-er Jahren.Foto: Ceibo Producciones/Handout/dpa-File/dpa

Opfer der früheren deutschen Sektensiedlung „Colonia Dignidad“ in Chile sollen erstmals finanzielle Unterstützung bekommen. Bis zu 10.000 Euro pro Person seien vorgesehen, teilte Staatssekretär Niels Annen am Freitag in Berlin mit. Dabei seien rechtskräftig verurteilte Straftäter sowie Führungspersonen von den Hilfen ausgeschlossen.

Die „Colonia Dignidad“ war 1961 rund 350 Kilometer südlich von Santiago de Chile von deutschen Auswanderern aus Siegburg bei Bonn gegründet worden. In der Kolonie kam es unter dem 2010 gestorbenen Sektenführer Paul Schäfer jahrzehntelang zu Folter, Zwangsarbeit und Kindesmissbrauch. Während der chilenischen Militärdiktatur wurden auf dem abgeschotteten Areal zudem Regimegegner gefoltert und ermordet. Nach dem Ende der Diktatur von Augusto Pinochet 1990 begann die chilenische Justiz, gegen die Siedlung vorzugehen. Später benannte sich die Siedlung in „Villa Baviera“ um und sagte sich von Schäfer, der 2006 wegen Kindesmissbrauchs in Chile zu 20 Jahren Haft verurteilt worden war, los.

Vor gut einer Woche war bekannt geworden, dass die Ermittlungen in Deutschland gegen Hartmut Hopp, einst Arzt der berüchtigten Sekte, eingestellt worden sind. Es habe sich trotz erheblichen Aufwands kein hinreichender Tatverdacht ergeben, teilte die Staatsanwaltschaft Krefeld mit. Konkrete Hinweise auf Hopps Mitwirkung an Straftaten seien nicht festzustellen gewesen, erklärte Oberstaatsanwalt Axel Stahl. Eine Opferanwältin hat bereits Beschwerde gegen die Einstellung der Ermittlungen angekündigt. (dpa)

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