• Deutsche Wirtschaft soll umstellen: Söder fordert „nationale Notfallproduktion“ von Schutzmasken

Deutsche Wirtschaft soll umstellen : Söder fordert „nationale Notfallproduktion“ von Schutzmasken

Wie bekommen deutsche Kliniken und Ärzte die dringend benötigten Schutzmasken? CSU-Chef Söder will erreichen, dass die deutsche Wirtschaft einspringt.

Markus Söder, Bayerns Ministerpräsident
Markus Söder, Bayerns MinisterpräsidentFoto: Peter Kneffel / POOL / AFP

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat eine „nationale Notfallproduktion“ von Schutzmasken gefordert. „Was wir dringend brauchen sind mehr Masken und zwar die hochwertigen Masken für unser gesamtes Personal in den Krankenhäusern und Arztpraxen“, sagte der CSU-Chef im „ARD Morgenmagazin“. 

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„Wichtig ist, dass wir eine nationale Notfallproduktion endlich bekommen.“ Die deutsche Wirtschaft müsse jetzt darauf umstellen, forderte Söder. Es brauche einen ausreichenden Vorrat in Krankenhäusern, Arztpraxen und Altersheimen, forderte er.

Eine Schutzmaskenpflicht in Supermärkten wie in Österreich sei derzeit nicht geplant. Zuerst müsse man abwarten, ob die in Deutschland getroffenen Maßnahmen helfen. „Es ist wichtig, dass wir uns jetzt an die grundlegenden Beschränkungen halten (...) und nicht über Exit-Strategien nachdenken“, sagte Söder.

Maskenpflicht in Jena

Nach österreichischem Vorbild plant die Stadt Jena eine Maskenpflicht. „In einer Woche soll das Tragen eines Mund-und-Nasen-Schutzes in Jenaer Verkaufsstellen, dem öffentlichen Nahverkehr und Gebäuden mit Publikumsverkehr verpflichtend werden“, teilte die Stadt mit. Die Maßnahme sei vom Fachdienst Gesundheit angemahnt worden. Ziel sei es, die Sicherheit des Personals im öffentlichen Leben zu erhöhen. Neben Masken seien auch Tücher oder Schals als Schutz möglich, wenn sie Nase und Mund bedeckten.

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Die Stadt hat nach eigenen Angaben eine Grundausstattung an Masken. Damit wolle man Pflegekräfte, Ärzte, Fahrer im öffentlichen Nahverkehr und andere Menschen in systemrelevanter Infrastruktur versorgen. An die Bevölkerung erging die Bitte: „Nähen Sie sich selbst und anderen Menschen den wichtigen Mund-Nasen-Schutz, um die Verbreitung des Virus einzudämmen.“

Sind Masken sinnvoll?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus keinen Nutzen im allgemeinen Mundschutztragen. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass damit etwas gewonnen wäre, sagte der WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan am Montag. Vielmehr gebe es zusätzliche Risiken, wenn Menschen die Masken falsch abnehmen und sich dabei womöglich infizieren. 

Andere Experten weisen zudem auf eine andere Gefahr hin: Menschen, die Masken tragen, könnten unvorsichtiger werden. Die üblichen Masken bieten aber keinen 100-prozentigen Schutz, man muss weiterhin den Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen Menschen einhalten. Zudem müssen die Hygieneregeln wie Händewaschen auch dann strikt beachtet werden. 

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Maskenträger tendieren auch dazu, sich häufiger ins Gesicht zu fassen - um zu prüfen, ob die Maske sitzt. Doch ausgerechnet das soll man vermeiden: Es besteht die Gefahr, den Erreger von möglicherweise kontaminierten Händen in die Schleimhäute von Augen, Mund und Nase zu übertragen und sich damit zu infizieren. 

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Auf der anderen Seite aber bieten Masken und Tücher sehr wohl einen Schutz - vor allem für die Umgebung des Trägers: Sollte er ohne es zu wissen infiziert sein, kann er mit Masken oder Tüchern vor Nase und Mund die Gefahr verringern, dass er andere per Tröpfcheninfektion ansteckt. (Tsp, dpa)

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