Die Mutter ist evangelisch. Es bedeutet ihr nicht viel

Seite 2 von 4
Deutsche ziehen in den Dschihad : "Felix war nie besonders charakterstark"

Der Psychologe Kazim Erdogan, der bekannt wurde, als er vor ein paar Jahren in Neukölln eine muslimische Vätergruppe gründete, berief in der Woche vor Weihnachten eine Pressekonferenz ein, um darauf aufmerksam zu machen, dass seine Männergruppe und er „tausende junger Menschen“ für gefährdet hielten, für den syrischen Bürgerkrieg angeworben zu werden. Dazu hatte er Claudia Dantschke eingeladen, die in Berlin Eltern berät, deren Kinder sich religiös radikalisiert haben. Seit einem halben Jahr, sagte Dantschke, würden junge Männer gezielt mit deutschsprachigen Propagandavideos auf Youtube und Facebook geködert. Außerdem seien Muslime sogar auf Berlins Straßen unterwegs, um Mitstreiter für Syrien zu gewinnen. Sogar Mädchen würden angesprochen. Sie sollten Kämpfer heiraten. Syrien werde als der Ort dargestellt, wo die Gesellschaft der Zukunft entstehe: ein Gottesstaat. Mancher würde mit Hilfsorganisationen ins Land gehen und sich erst dort den Rebellen anschließen. Ein „Pop-Dschihadismus“ sei entstanden, sagte Dantschke, der ihrer Erfahrung nach ausschließlich bei jungen Menschen aus wenig religiösen Milieus verfange. Letztlich sei aber nicht zu sagen, wer wirklich in den Krieg ziehe und wer nur damit prahle.

Felix konvertierte nach der Hochzeit

Im Flur der M.s hängt ein Kreuz. Ein Andenken an die Großmutter ihres Mannes, sagt Sabine M., mehr nicht. Sie ist evangelisch, doch Religion bedeutet ihr nicht viel. Deshalb hatte sie nichts dagegen, als Felix vor sechs Jahren vor seiner Hochzeit mit einer Kurdin zum Islam konvertiert ist. Er habe damit bei den Schwiegereltern „punkten“ wollen. „Die Schwiegereltern sind echt locker drauf im Vergleich zu dem, was die da heute abziehen“, sagt sie.

Der Sohn hat sich einen langen Bart wachsen lassen, wie ihn die Salafisten tragen. „Steht dir gar nicht“, meinte die Mutter zu ihm. Er nennt sich Samir. Im Elternhaus deponierte er einen Gebetsteppich. Der Sohn und die Schwiegertochter Roza hätten den Teppich sogar mit an den Strand genommen, um, wie vorgeschrieben, fünf Mal am Tag zu beten.

Früher hatte er viele Freundinnen

Einmal habe Felix in den Raum gesagt: „Auf mich warten im Paradies 72 Jungfrauen.“ Seine Frau habe daneben gestanden. M. sagt, sie sei fassungslos gewesen, dass die Schwiegertochter so einen „Machospruch“ unwidersprochen gelassen habe. Ein anderes Mal habe der Sohn gesagt, dass er das islamische Rechtssystem, die Scharia, gut finde. „Dass Dieben die Hand abgehackt wird?“, fragte Sabine M. Wenn man sich nichts zuschulden kommen lasse, habe man auch nichts zu befürchten, antwortete der Sohn. „Dir hätten sie die Zunge rausgeschnitten!“, sagte die Mutter. Der Sohn habe nämlich einmal vor Gericht falsch ausgesagt, um Freunde zu decken.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!