Politik : Deutschland nähert sich dem Durchschnitt

Bedarf an Krippenplätzen ist regional unterschiedlich

Antje Sirleschtov

Berlin - Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat den Plan der großen Koalition, die Kinderkrippenbetreuung in den nächsten Jahren massiv zu erweitern, als „Erfolg“ bezeichnet. Im Bundestag sagte von der Leyen am Mittwoch, sie sei froh darüber, dass es „nur vier Wochen“ gedauert habe, bis aus ihrer Ankündigung, die Zahl der Plätze auf 750 000 erweitern zu wollen, ein konkreter Fahrplan der Regierungsparteien geworden sei. Obwohl sich der Koalitionsausschuss zuvor darauf verständigt hatte, nun erst einmal den Bedarf für Kinderkrippenplätze zu ermitteln, bekräftigte die Familienministerin ihr Ziel. Einem Drittel der Eltern einen Platz anbieten zu können, wäre „europäischer Durchschnitt“, sagte von der Leyen.

Zurzeit ist dieses Ziel nur in Ostdeutschland erreicht. Nach Angaben des Städte- und Gemeindebundes gab es deutschlandweit Ende 2006 284 855 Krippenplätze, davon knapp 117 000 im Osten. Die niedrigste Versorgungsquote hat demnach Niedersachsen mit 5,1 Prozent. Seit 2002 ist jedoch vor allem in Westdeutschland massiv in die Erweiterung der Kapazitäten investiert worden. So hat etwa Baden-Württemberg seine Quote auf 8,8 Prozent vervierfacht.

Die Bedarfsermittlung wird bis zum 2. April eine Arbeitsgruppe der Koalition als Vorbereitung auf einen Familiengipfel von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden vornehmen. Erste Umfragen des Städte- und Gemeindebundes haben ergeben, dass der Bedarf an Krippenplätzen und Tagesmütterbetreuung regional sehr unterschiedlich ist. So seien aus Rheinland-Pfalz eine Bedarfsquote von 50 Prozent und aus Süddeutschland Quoten von 10 bis 30 Prozent gemeldet worden. In einzelnen – vor allem ländlichen – Kommunen Süddeutschlands gebe es sogar Krippenplätze, die niemand haben wolle, hieß es.

Die Finanzierungspläne der SPD für die Krippenplätze zu Lasten von Kindergeld und Ehegattensplitting lehnte sie ab. Bildung für Kleinkinder sei eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“.

Rückendeckung gaben der Familienministerin am Mittwoch Familienexperten der EU-Kommission: Sie sehen bei der Kinderbetreuung in Deutschland „ein großes Problem“. Aus dem anlässlich des heutigen Weltfrauentages vorgestellten Gleichstellungsbericht der Kommission geht hervor, dass in Staaten mit mehr Krippen- und Kindergartenplätzen auch mehr Nachwuchs geboren wird.

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