Deutschlandtrend-Umfrage : Auf weitere Erdbeben deuten die Zahlen nicht hin

Ein Plus hier, ein Minus da - doch wohin die Reise bei den Parteien nach all den turbulenten Monaten geht, wird sich erst nach den Wahlen im Herbst zeigen. Eine Analyse.

Umfragen mit kleinen Bewegungen nach turbulenten Wochen.
Umfragen mit kleinen Bewegungen nach turbulenten Wochen.Foto: Lino Mirgeler/dpa

Zum Geschäft mit den Umfragen gehört, dass jede neue Erhebung irgendeine Nachricht bringen muss. In den Freitag hinein lautet sie beim Deutschlandtrend der ARD so: „Union auf Rekordtief, AfD auf Rekordhoch“. Ein kleines Minus da, ein kleines Plus hier, schon klingt die Sache recht dramatisch. Die konkreten Zahlen: CDU/CSU bei 29 Prozent, die AfD bei 17 Prozent. Das sind die bisherigen Extremwerte beim Deutschlandtrend. Freilich ist die Umfrage von Inftratest dimap im Rahmen dessen, was seit Wochen erfragt und vermeldet wird. Auch bei Emnid und Insa war die Union zuletzt, vor wenigen Tagen, auf 29 Prozent gerutscht. Dagegen kamen bei Forsa zum gleichen Befragungszeitpunkt 32 Prozent heraus. Die AfD wiederum hatte bei Insa einen Tick mehr, rutschte dagegen bei Forsa zuletzt leicht ab. Das Geschäft mit den Umfragen lebt auch von kleinen Bewegungen.

Zwischen 29 und 32 Prozent also liegt aktuell das Potenzial der Union, unter dem Ergebnis der Bundestagswahl vom September, als es 32,9 Prozent waren. Angesichts des massiven Zoffs, den CDU und CSU im Juni und Juli auf offener Bühne aufführten, darf man sich schon wundern, dass das Minus nicht noch stärker ausgefallen ist. Ist da eine gewisse Bodenbildung erkennbar bei den Nehmerqualitäten der Unions-Anhängerschaft? Wobei einiges darauf hindeutet, dass das Abrutschen stärker auf die Kappe der CSU geht – Forsa hatte, auch eine kleine Extra-Nachricht, zuletzt die Christsozialen mit ihrem Bundesergebnis gesondert ausgewiesen, es sind demnach aktuell nur noch fünf Prozent nach tatsächlichen 6,2 Prozent bei der Wahl 2017. Was die Kanzlerin und ihre Truppe angeht, kann man wohl vorerst vom blauen Auge reden.

Demoskopisch schwer zu fassen

Was die AfD betrifft und ihr Rekordhoch: Die Partei ist demoskopisch immer noch schwerer zu fassen als die anderen, das Gewichten der Rohergebnisse spielt also eine größere Rolle. Der mögliche Spielraum ist größer. Und im heißen Urlaubssommer ist das Veranstalten von Umfragen noch ein bisschen schwieriger als sonst. Immerhin geht der Trend leicht nach oben, aber massiv profitiert hat die Anti-Flüchtlings-Partei vom großen Flüchtlingspalaver eben auch nicht. Das deutliche Plus gegenüber dem Bundestagswahlergebnis von 12,6 Prozent begann sich nämlich schon zur Zeit der Koalitionsbildung von Union und SPD abzubilden. Damals knickten auch die Werte der Sozialdemokraten ein und liegen seither recht konstant um die 18 Prozent.

Stille Gewinner

Die stillen Gewinner sind die Grünen. Die schneiden zwar in Umfragen zwischen Wahlen immer ganz gut ab. Wenn’s ernst wird, geht es jedoch meist wieder nach unten. Das deutliche Plus, das sich gegenüber dem Wahlergebnis von 8,9 Prozent nun mit 15 Prozent zeigt, deutet aber darauf hin, dass die Grünen von der Bewegung in der Wählerschaft, welche die Flüchtlingsdebatte bewirkt hat, stärker profitieren als die AfD. Auch eine Erkenntnis, genau wie die, dass Linke und FDP derzeit ein bisschen im Schatten stehen.

Wer aber jetzt schon klare Signale vernimmt, ein hartes Abstrafen der Groko ausmacht, ein dauerhaftes Stärkerwerden der AfD, deutliche Verschiebungen zwischen den Parteien, der sollte noch ein bisschen warten. Es liegen zwei Landtagswahlen vor uns im Oktober. Die bayerische hat dabei ein größeres seismisches Potenzial als die hessische.

Auf weitere Erdbeben deuten die Zahlen vorerst freilich nicht hin. Hinter uns allen liegt nicht nur das Sommertheater der Union, sondern auch die verbockteste Nachwahlphase, welche die Bundesrepublik bislang erlebt hat. Da kommen schon mal Rekordhochs und Rekordtiefs zustande. Ob das dann Dauerwerte werden, muss sich noch zeigen. Das Rekordtief der SPD im Deutschlandtrend lag übrigens im Februar bei 16 Prozent. Und die AfD war auch schon mal ziemlich nahe an ihrem jetzigen Top-Wert. Das war im September 2016.

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