Die Rolle des Reichsfinanzministeriums im Zweiten Weltkrieg : Plünderung Europas

Die unabhängige Historikerkommission hat ihre Ergebnisse über die Funktion des Reichsfinanzministeriums in den besetzten Gebieten vorgestellt

Friederike Sandow
Einmarsch der deutscher Wehrmacht in Polen im September 1939
Einmarsch der deutscher Wehrmacht in Polen im September 1939Foto: picture alliance / dpa

Die Rolle des Reichsfinanzministeriums bei der finanziellen Ausplünderung der besetzten Länder im Zweiten Weltkrieg ist Gegenstand eines umfangreichen Forschungsberichts, den die Unabhängige Historikerkommission am Donnerstag in Berlin vorgestellt hat. Seit 2009 ist die Historikerkommission damit beauftragt, sich sukzessiv mit der dunklen Vergangenheit, Täterschaft und Verantwortung des Ministeriums zwischen 1933 und 1945 auseinanderzusetzen. Der Historiker Jürgen Kilian hat die Ergebnisse in dem Buch „Krieg auf Kosten anderer“ zusammengefasst und den neuesten Forschungsstand aufgeschrieben. Finanzstaatssekretär Werner Gatzer stellte das Buch mit warnenden Worten vor. Damals habe sich ein ganzes Ministerium instrumentalisieren lassen.

Kriegsfinanzierung durch Enteignung

Dreh- und Angelpunkt des Buchs ist die Abteilung V, die über Enteignung und Zwangsanleihen die Finanzpolitik der besetzten Gebiete steuerte und Hitlers Eroberungskrieg finanzierte. So beschlagnahmten die Beamten in besetzten Ländern das Vermögen und die letzten Habseligkeiten von emigrierten oder deportierten Juden. Das Buch schildert detailliert, wie die Finanzbehörden der besetzten Länder eingespannt wurden, um das Steueraufkommen systematisch zu erhöhen, damit Wehrmacht und Krieg finanziert werden konnten. Ziel sei es gewesen, einen europäischen Großwirtschaftsraum unter deutscher Hegemonie zu schaffen.

Eine Abteilung V gibt es heute immer noch, sie ist für föderale Finanzbeziehungen und die finanzielle Wiedergutmachung von NS-Unrecht zuständig. Der Wirtschaftshistoriker Alexander Nützennadel von der HU Berlin stellte die Kernaussagen des Buchs vor, die in einer Podiumsdiskussion auch mit Matthias Haß, dem heutigen Leiter der Abteilung V, debattiert wurden.

Kaum eine andere Behörde hatte so gutes Personal wie dieses Ministerium. Geschult durch die zu leistenden Reparationszahlungen in der Zwischenkriegszeit war es ein Leichtes, die Maßnahmen ab 1939 umzukehren.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben