Diskussion um neue Bewerbung : Olympische Spiele in Berlin - Traum oder Albtraum?

Berlin debattiert über eine neue Bewerbung für Olympische Spiele. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) ist dafür, Grüne und Linke sind dagegen.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) will immer noch die Olympischen Spiele.
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) will immer noch die Olympischen Spiele.Foto: dpa

Auf der Suche nach Zukunftsthemen spielt in Berlin auch eine Bewerbung um Olympische Spiele wieder eine Rolle. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) zeigte sich dafür grundsätzlich offen. Die internationale Sportmetropole Berlin mit ihren ausgezeichneten Wettkampfstätten sei ein „exzellent geeigneter Kandidat“ für die Austragung der Spiele. Unterstützung bekommt die Idee einer Bewerbung auch aus der Wirtschaft. „Olympia würde Berlin richtig guttun, auch weil es ein Konjunkturprogramm für die ganze Region wäre“, sagte Markus Voigt, der Präsident des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI). Wenn man eine Olympiabewerbung etwa mit den Thema Wohnungsbau verbinden würde, hätte man auch ein Leitmotiv dafür. Zuvor hatte sich Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für einen neuen deutschen Anlauf mit Berlin ausgesprochen.

Müller forderte, dass sich hinter einer solchen Bewerbung allerdings „Sport und Politik in Bund und Land geeint versammeln“ müssten. In der rot-rot-grünen Koalition in Berlin kann davon keine Rede sein. „Olympia ist keine positive Vision mehr, Korruption und Intransparenz haben den olympischen Gedanken unkenntlich gemacht“, sagte die Wirtschaftssenatorin und Bürgermeisterin Ramona Pop (Grüne). Berlin habe mit seinen zahlreichen Events und Großereignissen weltweit ungebremste Anziehungskraft und brauche Olympia nicht. Die Linken-Landeschefin Katina Schubert sprach von einer „völlig an den Haaren herbeigezogenen Quatsch-Diskussion“.

Die früheste Bewerbung käme für die Spiele 2032 infrage

Die nächsten drei Olympischen Sommerspiele sind vergeben, 2020 finden sie in Tokio statt, 2024 in Paris und 2028 in Los Angeles. Eine Bewerbung käme also frühestens für die Spiele 2032 infrage. Zuletzt waren in Deutschland München mit der Bewerbung um die Winterspiele 2022 und Hamburg mit der Bewerbung um die Sommerspiele 2024 an der Ablehnung der eigenen Bevölkerung gescheitert. Für eine Bewerbung müsste die Stadt ohnehin erst den Sport überzeugen.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), der über den nationalen Kandidaten entscheidet und beim letzten Mal Hamburg statt Berlin ins Rennen geschickt hatte, wartet jedoch erst einmal ab. In Nordrhein-Westfalen gibt es zwar Bestrebungen für eine neue Bewerbung, die Initiative von Rhein und Ruhr rennt beim DOSB jedoch keine offenen Türen ein. Auch im Berliner Sport gibt es Vorbehalte. „Solange man bei uns die Infrastruktur nicht auf den Weg bringt, ist die ganze Diskussion sinnlos“, sagte Klaus Böger, der Präsident des Landessportbunds. „Wenn man sich die Sportstätten anschaut, dann sieht man, dass es wichtigere Aufgaben gibt.“ Ein Senatsvertreter nennt aber noch einen ganz anderen Grund dafür, die Diskussion über eine Olympiabewerbung Berlins derzeit nicht weiter zu befeuern: „Das Thema sollte schnell wieder verschwinden – damit man es in Ruhe vorbereiten kann.“

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