Donald Trump hat Recht : Was in Idlib geschieht, ist eine Schande

Syriens Präsident Assad führt in Idlib einen unmenschlichen Vernichtungsfeldzug. Die Welt lässt ihn und Russland gewähren. Ein Kommentar.

Auf der Suche nach Schutz. Einwohner Idlibs bringen sich vor Luftangriffen in Sicherheit.
Auf der Suche nach Schutz. Einwohner Idlibs bringen sich vor Luftangriffen in Sicherheit.Foto: Abdulaziz Ketaz/AFP

Wenn Donald Trump morgens zum Smartphone greift und zu twittern beginnt, kommt zumeist wenig Konstruktives dabei heraus. Da wird geschimpft, gepöbelt und gedroht.

Doch vor einigen Tagen gab es einen beachtlichen Ausreißer. Der US-Präsident forderte per Tweet ein Ende der Luftangriffe auf die syrische Provinz Idlib. Regimetruppen und russische Kampfjets würden das letzte Rückzugsgebiet der Opposition massiv bombardieren und dabei „wahllos viele unschuldige Zivilisten töten“.

Und dann klagt dieser mächtige Mann: „Die Welt schaut diesem Gemetzel zu.“ Der Eintrag endet in der ihm eigenen Manier mit Großbuchstaben und Ausrufezeichen – „STOP!“

Es mag schwerfallen, Trump Recht zu geben. In diesem Fall ist es bitter nötig. Was in Idlib passiert, ist eine Schande. Dies hinzunehmen und wegzuschauen schändlich. Diktator Baschar al Assad geht, gestützt von seinen willigen russischen Waffenbrüdern, mit massiver Gewalt gegen sein Volk vor.

Assad will seinen Gegnern das Fürchten lehren

Fassbomben, Aushungern, Angriffe auf Schulen und Kliniken, Raketen im Minutentakt, Vertreibungen – alle Mittel sind dem Herrscher recht, wenn sie helfen, den letzten Widerstand zu brechen. Wie in Aleppo, Homs, Daraa oder Ost-Ghouta lehrt Assad den Menschen gnadenlos und systematisch das Fürchten.

All diese Grausamkeiten, das Leid und die Not werden mit dem Kampf gegen „Terroristen“ bemäntelt. In Wirklichkeit ist es ein Vernichtungsfeldzug gegen jeden, den er zum Gegner erklärt. Das sind alle, die nicht für ihn sind.

In Idlib haben Islamisten das Sagen. Die Dschihadisten schikanieren die Bevölkerung und feuern auf Stellungen des Regimes. Doch das kann nicht rechtfertigen, dass die Provinz zu einem Ort des Infernos wird. Drei Millionen Schutzlose, darunter eine Million Kinder, leben dort – und werden für 10.000 „Gotteskrieger“ in Haftung genommen. Das ist so zynisch wie menschenverachtend. Der Tod vieler wird kaltlächelnd in Kauf genommen.

Verbündete seit Jahren: Syriens Präsident Baschar al Assad (l.) und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin.
Verbündete seit Jahren: Syriens Präsident Baschar al Assad (l.) und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin.Foto: Sputnik/Mikhail Klimentyev/Reuters

Der Westen müsste alles tun, dem Wüten Einhalt zu gebieten. Schließlich werden bei jeder Gelegenheit Menschenrechte und Humanität gepredigt. Nur: Das sind – wie Idlib zeigt – wohlfeile Appelle, aus denen nichts folgt. Donald Trump macht da keine Ausnahme. Vor allem wagt es niemand, auch der US-Präsident nicht, sich mit Russland anzulegen. Man lässt Moskau gewähren – ein Freibrief, das Völkerrecht mit Füßen zu treten.

Idlib ist eine Katastrophe mit Ansage, die keinen politisch Verantwortlichen mehr sonderlich schert. Der Syrienkrieg, obwohl noch in vollem Gange, spielt im öffentlichen Bewusstsein keine nennenswerte Rolle mehr. „Die Welt hat uns vergessen“, sagen die Menschen in Idlib und nennen so die Ignoranz des Westens beim Namen. Tragischerweise haben sie recht.

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