Donald Trump sagt Gipfel mit Kim ab : Die Hoffnung auf Frieden mit Nordkorea platzt

US-Präsident Donald Trump sagt das Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Diktator ab. Er geht Kim Jong Un hart an – und spricht von den mächtigen US-Atomwaffen.

Das Treffen von Kim Jong Un mit Donald Trump kommt nicht zustande.
Das Treffen von Kim Jong Un mit Donald Trump kommt nicht zustande.Foto: AFP

Das Weiße Haus hatte bereits eine Gedenkmünze herausgegeben: Unter dem Schriftzug „Friedensgespräche“ und zwei Lorbeerzweigen zeigt sie Donald Trump und Kim Jong Un vor den jeweiligen Nationalfarben. Die Münze wirkt seit Donnerstag noch kurioser und womöglich auch wertvoller, weil das eigentlich für den 12. Juni in Singapur geplante Gipfeltreffen zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und dem nordkoreanischen Führer Kim Jong Un niemals stattfinden wird.

Trump hat am Donnerstag das Treffen in einem Brief überraschend abgesagt. Zugleich drohte er Nordkorea indirekt mit dem Einsatz US-amerikanischer Atomwaffen. „Sie sprechen über Ihr nukleares Potential, aber unseres ist so gewaltig und mächtig, dass ich zu Gott bete, dass es niemals eingesetzt werden muss“, schrieb Trump.

Damit ist eine Hoffnung auf Frieden auf der koreanischen Halbinsel geplatzt, die Chancen für eine militärische Auseinandersetzung steigen wieder. Südkoreas Präsident Moon Jae In rief eine Dringlichkeitssitzung ein. Der südkoreanische Präsident hatte sich vehement für eine Lösung der Spannungen durch Dialog eingesetzt.

Auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres reagierte betroffen. „Ich bin zutiefst besorgt“, sagte Guterres am UN-Sitz in Genf. Er forderte die Beteiligten auf, „ihren Dialog fortzusetzen, um einen Weg zu einer friedlichen und überprüfbaren Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel zu finden“.

Als Begründung für seine Kehrtwendung führte der US-Präsident die „offenen Feindseligkeiten“ Nordkoreas an, die es in seinem jüngsten Statement gezeigt hätte. Nordkorea hatte in einer Erklärung seinerseits mit der Absage des Gipfels gedroht. Es sei Sache der USA zu entscheiden, „ob sie uns in einem Verhandlungsraum treffen wollen oder uns in einem nuklearen Showdown begegnen wollen“, hieß es darin.

Nordkoreas Vize-Außenministerin Choe Son Hui echauffierte sich darin über die jüngsten Kommentare des US-Vizepräsidenten. Choi bezeichnete die Äußerungen von Mike Pence als „dumm und ignorant“. Die international isolierte Führung in Pjöngjang hatte zuletzt vor allem empfindlich auf die US-Vergleiche ihres Landes mit Libyen reagiert. Mike Pence und der neue US-Sicherheitsberater John Bolton hatten immer wieder öffentlich das „Libyen-Modell“ als Vorbild für die nukleare Abrüstung in Nordkorea angeführt. Dort war Libyens Diktator nach einem Volksaufstand gelyncht worden.

Donald Trump schrieb Kim, er habe sich zwar sehr auf das Treffen gefreut. Leider habe Nordkorea jedoch in seinen letzten Statements „enormen Ärger und offene Feindschaft“ erkennen lassen, er halte deswegen ein Treffen zum jetzigen Zeitpunkt nicht für angemessen.

Donald Trump fuhr zuletzt einen widersprüchlichen Nordkorea-Kurs

Der US-Präsident hatte selber zuletzt einen widersprüchlichen Kurs gefahren. Nach ersten Absagedrohungen Nordkoreas war Donald Trump zurückgerudert und hatte nicht mehr auf einer sofortige vollständigen Denuklearisierung Nordkoreas bestanden. Stattdessen konnte er sich plötzlich auch eine schrittweise Abrüstung vorstellen. Zuletzt hatte er allerdings auch das wieder zurückgenommen.

Die Absage ereignete sich nur wenige Stunden, nachdem Nordkorea sein umstrittenes Atomtestgelände Punggye-ri wie angekündigt gesprengt hatte. Der US-Sender CBS hatte berichtet, einer seiner Korrespondenten sei vor Ort Zeuge mehrerer großer Explosionen gewesen. Die Schließung des in einer Bergregion liegenden Testkomplexes galt als ein symbolischer Schritt, mit dem das abgeschottete Land vor der Welt seine Bereitschaft zur Denuklearisierung demonstrieren will.

Doch an diesem Willen bestanden trotz der Zerstörung Zweifel. Nordkorea hatte die Zerstörung des Testgeländes vorher angekündigt und Journalisten aus den USA, Großbritannien, China und Russland dorthin gebracht, damit diese die Aktion bezeugen könnten. Im letzten Moment durften auch Journalisten aus Südkorea hinzustoßen. Es hatte aber entgegen ursprünglichen Zusagen keine Atomexperten zugelassen, die das Ausmaß der Demontage fachmännisch ermessen können.

„Wirklich trauriger Moment in der Geschichte“

In Punggye-ri hatte Nordkorea seine sechs Atomtests durchgeführt, den bisher letzten und stärksten im September des vergangenen Jahres. Der UN-Sicherheitsrat warf daraufhin der Führung in Pjöngjang einen erneuten Verstoß gegen Resolutionen des Gremiums vor und verschärfte die Sanktionen gegen das Land.

Die Sprengungen weckten allerdings auch Erinnerungen an die Zerstörung eines Kühlturms der Atomanlage von Jongbjon im Jahr 2008. Auch damals verfolgten mehrere ausländische Journalisten die Explosionen, die als Zeichen für den Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms unternommen wurden.

Damals durften auch einige US-Ingenieure das Ereignis beobachten. Inzwischen soll die Atomanlage Jongbjon allerdings wieder in Betrieb genommen worden sein. Auch der Kühlturm soll wieder instandgesetzt worden sein. Es gibt Nordkorea-Experten, die es für möglich halten, dass auch das am Donnerstag gesprengte Atomtestgelände Punggye-ri wieder aktiviert werden kann.

Trump äußerte sich in seinem Absagebrief am Donnerstag enttäuscht. „Die Welt, und Nordkorea im Besonderen, haben eine große Gelegenheit für andauernden Frieden und großen Fortschritt und Wohlstand verpasst. Diese entgangene Chance ist ein wirklich trauriger Moment in der Geschichte“, schrieb er. (mit dpa)

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