Donald Trump und die Krisen : Die Trümmer der alten Weltordnung

Es war einmal eine schöne heile Welt, dann kam US-Präsident Donald Trump. Er zerschlägt, ohne zu gestalten. Eine Analyse.

Gut im Kaputtmachen: US-Präsident Donald Trump zieht die USA aus dem TPP-Freihandelsvertrag heraus.
Gut im Kaputtmachen: US-Präsident Donald Trump zieht die USA aus dem TPP-Freihandelsvertrag heraus.Foto: AFP/Saul Loeb

Es ist nur ein Gefühl. Würde dieses Gefühl aber die Geschichte der vergangenen drei Jahrzehnte zusammenfassen, läse sich das so: Es war einmal eine schöne, heile Welt. Die Mauer war gefallen, der Kommunismus besiegt, immer mehr Menschen und Völker erlangten ihre Unabhängigkeit. Schnell verbreiteten sich die Werte des liberalen Westens – Freiheit, Demokratie, Rechtsstaat, Gleichheit. Eine globale Koalition bekämpfte den Klimawandel, die Zahl der atomaren Waffen war von den Supermächten Amerika und Russland begrenzt worden.

Doch dann kam eines Tages Donald Trump und zerschlug die heile Welt. Seitdem ist nichts mehr, wie es war. Ängste und Sorgen mehren sich. Eskaliert der Handelsstreit zwischen den USA und China? Droht ein Krieg der Atommächte Indien und Pakistan? Kurbelt der Iran sein Nuklearprogramm wieder hoch? Dreht Kim Jong Un durch? Schickt China seine Truppen nach Hongkong? Allianzen zerfallen, Verträge werden aufgekündigt, Partner beschimpft. Jeder gegen jeden, heißt die altneue Devise. Möge der Stärkere gewinnen.

Die gefühlte Sicht täuscht. Heil war die Welt nie. Auf den Mauerfall und das Ende der Sowjetunion folgten Balkankrieg, Irakkrieg, das Debakel von Somalia, die Terroranschläge vom 11. September 2001, Afghanistan- und nächster Irakkrieg, der arabische Frühling, der arabische Winter, das Morden in Syrien, der Aufstieg der europäischen Rechtspopulisten, die Machtausdehnung aller Autokraten von Wladimir Putin bis Recep Tayyip Erdogan, der Brexit, die Flüchtlingskrise. All das geschah vor Trump.

Dennoch hat sich seit dessen Wahlsieg im November 2016 eine unheilvolle Dynamik beschleunigt. Mit zum Teil brachial wirkenden Methoden will Trump mit dem Erbe seines Vorgängers, Barack Obama, brechen. Die verbliebenen Konstanten der internationalen Ordnung stehen ihm dabei im Weg. America first.

Trump hat keinen Plan und keine Strategie

Obama hatte das Atomabkommen mit dem Iran geschlossen, sich um Ausgleich mit der islamischen Welt bemüht, er verstand sein Land als ausgleichenden Faktor in der zunehmend spannungsreichen pazifischen Region, dem Nahostkonflikt und dem fragilen Gleichgewicht der Kräfte zwischen Indien und Pakistan. Obama scheute das Risiko, zog rote Linien, ohne deren Übertretung zu ahnden, sein Nachfolger im Weißen Haus wertet das als ein Zeichen von Schwäche.

Aber Trump hat keinen Plan, keine Strategie. Er zieht Amerikas ordnende Hand zurück, facht selbst Scharmützel an und muss zusehen, wie seine Kontrahenten unbeeindruckt auf Zeit spielen. Kim Jong Un testet wieder Raketen, die Mullahs in Teheran fahren ihr Atomprogramm hoch, Kontinentaleuropa duckt sich in der Straße von Hormus weg, Indien beendet die Autonomie von Jammu und Kaschmir, China nimmt selbstbewusst den Handels-Fehdehandschuh auf, die Taliban in Afghanistan freuen sich auf einen Abzug der US-Truppen. All diese Akteure hoffen, dass Trump die nächsten Präsidentschaftswahlen verliert und ein demokratischer US-Präsident an die relative Berechenbarkeit der Prä-Trump-Ära anknüpft.

Trump zerschlägt, ohne zu gestalten. Ob er nicht gestalten kann oder will, sei dahingestellt. Er denkt nicht in den Kategorien der Diplomatie, sondern des Gewinnens. Das verheißt kein gutes Ende.

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