Drei Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Der Konflikt um Nordstream 2, viele demokratische Präsidentschaftskandidaten und die Münchener Sicherheitskonferenz. Antworten auf drei Fragen des Tages.

Josef Joffe
Emmanuel Macron und Angela Merkel.
Emmanuel Macron und Angela Merkel.Foto: AFP

Frankreich agiert bei Nordstream 2 erst gegen, dann mit Deutschland. Ziemlich beste Freunde, oder?

Staaten haben keine Freunde, sondern Interessen, was Lord Palmerston oder de Gaulle zugeschrieben wird. Auch die D-F-Freundschaft basiert auf Realpolitik, wo jeder den anderen zu manipulieren versucht. Macron wollte die EU gegen Berlin aufwiegeln, doch Merkel war die Stärkere. Nordstream 2 wird vorerst weitergebaut. Das Gas wird direkt nach D fließen, Polen und Ukraine gucken in die Röhre, und Putin darf sich freuen. Was aber läuft innerhalb der Regierung Macron ab, wenn die gestern blockiert und heute nachgibt? Hat Macron die Über- und Aufsicht verloren? Jetzt ist Trump dran. Der ist ein härterer Brocken als Macron.

In den USA erklären immer mehr Demokraten ihre Kandidatur für die Präsidentschaftswahl im Jahr 2020. Wir kommen kaum noch mit – und WmdW?
Bisher sind es neun, aber 2016 traten bei den Republikanern 17 auf. Die Namen der Demokraten muss man sich nicht merken; es werden noch andere dazukommen. Vorläufig muss sich Trump nicht sorgen, weil die Demokraten-Truppe dezidiert links gefärbt ist und ihm so in die Hände spielt. Gefährlich wird es für ihn, wenn sich ein Kandidat der Mitte durchsetzt. Aber so schlau sind die Dems nicht. Die Radikalisierung der Trumpisten befeuert den Linksdrall der Demokraten. Hält der bis 2020 an, hat Trump eine gute Chance, weiter mietfrei im Weißen Haus zu wohnen und per Twittergewitter zu regieren.

Am Donnerstagabend beginnt das außenpolitische Schaulaufen auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Mit wem würde WmdW am liebsten eine Maß trinken?
Auf der Liste stehen die üblichen Verdächtigen: Kanzler, Minister und Präsidenten. Aber manche sagen kurz vorher wieder ab, z.B. Emmanuel Macron. Auf jeden Fall sind die Großkopferten (bayrisch für VIPs) zu eng getaktet für die Münchner Bierseligkeit. Sie kommen, um sorgfältig austarierte Reden zu halten und mit anderen Größen in abgeschotteten Räumen Geschäftliches zu besprechen. Früher konnte man sich im Faschingstreiben näher kommen. Heute würden die Sicherheitsleute zur Waffe greifen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

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