Dritte Vorwahl der US-Demokraten : Bernie Sanders marschiert in Nevada durch

Der linke Senator Bernie Sanders gewinnt die Vorwahl in Nevada klar - und seine moderaten Mitbewerber warnen davor, dass er nur noch schwer aufzuhalten sei.

Vor Anhängern im texanischen San Antonio feiert Bernie Sanders sein Abschneiden in Nevada.
Vor Anhängern im texanischen San Antonio feiert Bernie Sanders sein Abschneiden in Nevada.Foto: REUTERS

Bernie Sanders ist der klare Favorit unter den US-demokratischen Präsidentschaftsbewerbern. Das steht spätestens seit der dritten parteiinternen Vorwahl im Bundesstaat Nevada fest. Am Samstagabend (Ortszeit) lag der linke Senator aus Vermont mit so großem Vorsprung vor allen seinen Mitbewerbern, dass die entscheidenden US-Medien ihn bereits lange vor der Verkündung des amtlichen Endergebnisses zum Sieger erklärten.

Damit geht Sanders mit starkem Rückenwind in die nächsten Vorwahlen in South Carolina (29. Februar) und vor allem in den möglicherweise entscheidenden "Super Tuesday" (3. März), wenn 14 Bundesstaaten gleichzeitig wählen, darunter Kalifornien und Texas.

Viele Latinos stimmen für Sanders

Bemerkenswert ist Sanders' starkes Abschneiden besonders bei jungen Wählern und bei Latinos, die knapp ein Drittel der demokratischen Wählerschaft in Nevada ausmachen. Die zwei bisherigen Vorwahlen fanden in den hauptsächlich "weißen" Bundesstaaten Iowa und New Hampshire statt, gaben über diese Wählergruppe also wenig Auskunft.

Der 78-jährige Senator gewann die Vorwahl in New Hampshire. In Iowa erreichte er zwar die Mehrheit bei der "Popular Vote", also bei der Anzahl der tatsächlichen Stimmen. Aber die (knappe) Mehrheit der entscheidenden Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag der Demokraten im Juli sicherte sich hier Pete Buttigieg, der 38-jährige ehemalige Bürgermeister von South Bend (Indiana).

Sanders ist stolz auf seine breite Wählerschaft

Vor Anhängern im texanischen San Antonio hob Sanders hervor, dass sein Team in Nevada eine generations- und Ethnien übergreifende Koalition geschmiedet habe, eine Koalition, die durch das ganze Land "fegen" werde. Eine umfassende Koalition, da sind sich die meisten Beobachter einig, ist tatsächlich notwendig, um am Ende erfolgreich gegen den republikanischen Amtsinhaber Donald Trump sein zu können. Schon alleine deswegen ist der offenbar überragende Sieg von Sanders ein starkes Zeichen.

[Mit dem Newsletter „Twenty/Twenty“ begleitet unser US-Quartett Christoph von Marschall, Anna Sauerbrey, Juliane Schäuble und Malte Lehming Sie ab Donnerstag einmal wöchentlich auf dem Weg zur Präsidentschaftswahl. Hier geht es schon jetzt zur kostenlosen Anmeldung: tagesspiegel.de/twentytwenty]

Pete Buttigieg, der sich in den ersten Vorwahlen zu einer moderaten Alternative von Sanders entwickelt hat, kam in Nevada den vorläufigen Zahlen zufolge nur auf den dritten Platz - und bleibt damit weiter den Beweis schuldig, dass er in der Lage ist, ausreichend Stimmen im Lager der nicht-weißen Wähler für sich zu gewinnen.

Auf den zweiten Platz kam demnach der frühere Vizepräsident Joe Biden, der damit nach enttäuschendem Abschneiden in Iowa und New Hampshire demonstrierte, dass seine Kampagne noch nicht abgeschrieben werden kann. Als "den Beginn eines Comebacks" feierten seine Anhänger Nevada bereits am Samstagabend.

Biden hofft, vor allem bei der Wahl in South Carolina in einer Woche, wo er auf den starken Rückhalt der Afroamerikaner setzt, deutlich besser abzuschneiden. Gelingt ihm das aber nicht, wird es auch für ihn sehr schwer werden.

Am "Super Tuesday" steigt Michael Bloomberg ein

Denn am "Super Tuesday" nur drei Tage später steht erstmals auch der Milliardär Michael Bloomberg auf den Wahlzetteln, der für sich selbst in Anspruch nimmt, der einzige Bewerber zu sein, der nicht nur den "Sozialisten" Bernie Sanders verhindern, sondern auch Donald Trump schlagen könne. Der ehemalige New Yorker Bürgermeister liegt in landesweiten Umfragen bereits auf dem dritten Platz der demokratischen Präsidentschaftsbewerber.

Bloomberg hat schon jetzt einen Rekord bei den Ausgaben für Wahlwerbung aufgestellt: Unglaubliche 400 Millionen Dollar hat er bereits für Werbespots in Fernsehen und Radio eingesetzt, obwohl er noch gar nicht zur Wahl stand.

Anders als seine Mitbewerber braucht der Gründer der nach ihm benannten Finanznachrichtenagentur dabei keine Spenden zu sammeln: Sein Vermögen beläuft sich laut dem Magazin "Forbes" auf mehr als 64 Milliarden Dollar - er gilt als der zwölftreichste Mensch der Welt und der neuntreichste US-Bürger.

Michael Bloomberg warnt vor Bernie Sanders

Mit Blick auf Sanders' überragenden Erfolg in Nevada meldete sich Bloomberg am Samstagabend alarmiert zu Wort: Das Ergebnis zeige, dass Bernie Sanders auf dem Weg zu einem uneinholbaren Vorsprung bei den Delegiertenstimmen sei. "Dies ist ein Kandidat, der gerade dem ,demokratischen Establishment' den Krieg erklärt hat."

Die Demokraten bräuchten aber nicht nur Unabhängige, sondern auch Republikaner, um Trump zu schlagen, erklärte Bloomberg, der wie Sanders bereits 78 Jahre alt ist. Daher sei es falsch, die eigene Partei anzugreifen. Die Entscheidung für Sanders wäre ein "fataler Fehler".

Auch Buttigieg warnte seine Partei am Abend davor, Sanders voreilig zum Kandidaten zu bestimmen. Zunächst müssten sich die Demokraten die Konsequenzen bewusst machen. Um Trump zu schlagen, brauche es eine breite Mehrheit in der Bevölkerung. Sanders glaube dagegen an eine "ideologische Revolution", die die meisten Amerikaner außen vor lasse.

Donald Trump gratuliert zu dessen Abschneiden

Wenig Erfreuliches gab es am Samstagabend auch aus Sicht der beiden Senatorinnen Elizabeth Warren und Amy Klobuchar, die sich in der letzten TV-Debatte am vergangenen Mittwoch auffallend gut geschlagen hatten. Allem Anschein nach profitierten sie von ihrem entschiedenen Auftreten nicht wirklich - beide kündigten aber an, weiter im Rennen bleiben zu wollen.

Dass so viele Bewerber an ihrer Kandidatur festhalten, ohne wirklich Aussicht auf eine Mehrheit beim Parteitag im Juli zu haben, wird von vielen Beobachtern kritisiert. Vor allem das moderate Lager müsse endlich die Frage klären, wer Sanders noch verhindern könne, heißt es.

Denn die Zweifel sind groß, dass der linke Senator es mit seinem vergleichsweise radikalen Programm schaffen kann, im November die Mehrheit der Amerikaner hinter sich zu versammeln - und Trump zu besiegen.

Der US-Präsident zeigte sich am frühen Abend schon mal gut gelaunt und gratulierte Sanders zu dessen Sieg, während er sich über das Abschneiden der anderen lustig machte. Man braucht nicht allzu viel Fantasie, um sich auszumalen, auf welchen Herausforderer Trump sich am meisten freut.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!