2010 öffnete der erste Frauentrakt im Al-Amal Hospital in Dschidda

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Drogenpolitik in Saudi-Arabien : Zwischen Therapie und Todesstrafe
Im Al Amal-Hospital in Dschidda. Fatma Kaki ist die einzige Ärztin in der Klinik und Chefin der kleinen Suchtstation für Frauen.
Im Al Amal-Hospital in Dschidda. Fatma Kaki ist die einzige Ärztin in der Klinik und Chefin der kleinen Suchtstation für Frauen.Foto: Katharina Eglau

Acht solcher staatlichen Therapiezentren hat das Königreich in den letzten Jahrzehnten eingerichtet mit insgesamt rund 900 Plätzen. Zehn weitere Suchtstationen sollen in den nächsten Jahren folgen. Dschiddas Al-Amal Hospital zählt mit 221 Betten zu den größten Einrichtungen. 200 der Plätze sind für Männer reserviert, lediglich elf für Frauen und zehn für Halbwüchsige zwischen 15 und 18 Jahren.

Und selbst in dem kleinen Frauentrakt, der erst 2010 eröffnet wurde, steht bisweilen die Hälfte der Betten leer. Denn anders als bei Männern ist Drogensucht bei Frauen nach wie vor ein absolutes Stigma. „Immer mehr junge Frauen kommen zwar in die Drogensprechstunde. In manchen Monaten sind es mehr als 30, aber sie wollen sich nicht stationär behandeln lassen“, erläutert die Chefin, die Psychiaterin Fatma Kaki, die als einzige einheimische Medizinerin der gesamten Golfregion eine Qualifikation für Suchttherapie hat.

Wenn möglich, fliegen die Familien ihre kranken Töchter zur Therapie außer Landes oder bringen sie in eine der exklusiven Privatkliniken, die bis zu 1000 Euro pro Tag kassieren. Nur wenige wählen den Weg in eine staatliche Klinik, weil ihre Verwandten fürchten, dass etwas durchsickert. „Die Eltern sind total verzweifelt“, weiß Somayya Jabarti, die erste Frau Saudi-Arabiens auf dem Chefsessel einer Zeitung, der „Saudi Gazette“. „Die Gesellschaft ist absolut erbarmungslos gegenüber süchtigen Frauen. Und selbst wenn sie ihre Sucht überwinden, bleibt das Urteil unerbittlich.“ Für junge süchtige Männer dagegen wird nach ihren Worten bisweilen rasch eine Hochzeit arrangiert, gefolgt von „einem bösen Erwachen für die ahnungslose Braut“.

„Heroin zu besorgen, war kein Problem“

Abdulmohsen dagegen, der nur seinen Vornamen preisgibt, hat erst geheiratet, als er seine Sucht überwunden hatte. „Jahrelang habe ich geglaubt, ich schaffe es allein, bis ich am Ende total am Boden war“, sagt er. Die Wende sei nur möglich, wenn der Süchtige anerkenne, dass er ein Kranker ist und Hilfe braucht. Heute ist der 48-Jährige später Vater zweier kleiner Töchter und einer der 16 Vollzeit-Sozialarbeiter im Al-Amal Hospital. „Ich habe mit Alkohol angefangen und bin am Ende bei Heroin gelandet“, erzählt er. Fünf Entzugsversuche scheiterten, erst im sechsten Anlauf schaffte Abdulmohsen es endlich.

„Heroin zu besorgen, war kein Problem“, erzählt der Ex-Junkie, der sich in der Halbwelt Dschiddas jahrelang mit Gelegenheitsjobs und Gaunereien durchschlug. Sein Gesicht ist gezeichnet von der ruinösen Odyssee, seine Stimme dunkel und bedächtig. Für die akut Süchtigen in der Klinik jedoch ist er respektiertes Vorbild, weil er ihre Abgründe kennt und ihm keiner in den Selbsthilfegruppen etwas vormachen kann. „Zuerst lass ich sie jammern, wie schlecht man sie behandelt hat im Elternhaus, in der Schule, auf der Arbeit und in der Familie“, sagt er. „Dann sage ich ihnen klar ins Gesicht, niemand anderes ist verantwortlich für dein Verhalten, als du allein. Und niemand wird dich aus diesem Dreck herausziehen, wenn du es nicht selber tust.“

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