Einblicke bei der Drogenpolizei in Riad

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Drogenpolitik in Saudi-Arabien : Zwischen Therapie und Todesstrafe
In der Zentrale des General Directorate of Narcotics Control in Riad. Präsentiert werden die Schmuggelwege der Captagon-Amphetamin-Tabletten. Saudi-Arabiens Bevölkerung gehört zu den größten Konsumenten weltweit.
In der Zentrale des General Directorate of Narcotics Control in Riad. Präsentiert werden die Schmuggelwege der...Foto: Katharina Eglau

Jahrelang waren Drogen und Alkohol im Königreich ein absolutes Tabu, weil der Islam sie verbietet. In jüngster Zeit jedoch wird das heiße Eisen angesichts der wachsenden Dimensionen offener debattiert. Haschisch, Captagon-Amphetamin, Alkohol und Heroin heißt die düstere Rangliste der Abhängigkeit auf der Arabischen Halbinsel.

Laut UN-Weltdrogenbericht werden ein Drittel aller Captagon-Tabletten weltweit in Saudi-Arabien beschlagnahmt. Im letzten Jahr waren es fast 60 Millionen dieser zwölf Euro teuren Speed-Pillen, von Januar bis August 2014 sind es bereits 72 Millionen. Hinzu kamen zuletzt pro Jahr 45 bis 60 Tonnen Haschisch sowie 50 bis 60 Kilo Heroin. Der Gesamtwert der jährlich ermittelten Drogen liegt bei etwa 1,2 Milliarden Euro. Die saudische Polizei schätzt, dass ihr etwa zehn Prozent ins Netz gehen, so dass sich der tatsächliche Drogenumsatz auf mindestens zwölf Milliarden Euro summiert. 35 690 Menschen wurden 2013 wegen Drogendelikten verhaftet, 25 Prozent sind Schmuggler oder Dealer, viele aus Jemen, Ägypten, Pakistan, Syrien oder Äthiopien. 60 Prozent aller Verbrechen im Königreich haben mit Drogenmissbrauch zu tun.

In der Zentrale des General Directorate of Narcotics Control in Riad. Der Sprecher des Innenministeriums, General Mansour Turki, vor einer Salatkiste aus dem Libanon, in der Captagon-Tabletten geschmuggelt wurden.
In der Zentrale des General Directorate of Narcotics Control in Riad. Der Sprecher des Innenministeriums, General Mansour Turki,...Foto: Katharina Eglau

Es winken riesige Gewinnspannen im saudischen Drogengeschäft

„Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel“, sagt Abdullah Alghamdi in der Zentrale der saudischen Drogenpolizei in Riad, von der aus alle Einsätze im Land gesteuert werden. In den Fluren stehen Flachbildschirme, auf denen Bilder von Polizeierfolgen laufen, wie jüngst die Beschlagnahme einer halben Tonne Kokain im Hafen von Dschidda. Das abgedunkelte Lagezentrum hat 16 Computerplätze, in der Mitte steht ein massiver Mahagoni-Tisch für die Kommissare.

„Wir verfolgen gerade eine Ladung von zwei Millionen Amphetamin-Tabletten“, erläutert der verantwortliche Offizier. „Die Schmuggler haben wir ermittelt, auch das Schiff und das Lagerhaus, wo die Ladung hin soll. Nun liegen wir auf der Lauer, um die saudischen Hintermänner zu kriegen.“ Drogenbossen in dem superreichen Ölstaat winken riesige Gewinnspannen. Und so lassen sie sich immer ausgeklügeltere Verstecke einfallen. Mal sind die Pillen in Marmorplatten eingelassen, mal in Dieseltanks oder Ziegelsteinen, mal sind sie in Bremsscheiben oder Bauwerkzeugen verkapselt, mal in einem vergoldeten Empiretisch oder einer Salatkiste aus dem Libanon versteckt.

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