Drosten und Kekulé : Mick Jagger und Paul McCartney auf Pandemisch

Drosten oder Kekulé, Stones oder Beatles? Womöglich ist die Zustimmung zu Virologen letztlich eine Geschmacksfrage. Eine Glosse.

Ob Drosten oder Kekulé recht habe, sei womöglich „eine Frage des Geschmacks“, sagt Statistiker Jörg Stoye.
Ob Drosten oder Kekulé recht habe, sei womöglich „eine Frage des Geschmacks“, sagt Statistiker Jörg Stoye.Karikatur: Klaus Stuttmann

Als Junge war ich für die Stones, nicht für die Beatles. Heute stellt sich die Frage, ob man für den harten, vom Blues beeinflussten Sound des Virologen Christian Drosten ist oder eher für die eleganteren Melodien des Biochemikers Alexander Kekulé. Das sind die Corona-Popstars, quasi Mick Jagger und Paul McCartney auf Pandemisch.

Was das Selbstbewusstsein betrifft, kann Mick Jagger allerdings Drosten nicht das Wasser reichen. Im „Spiegel“ äußerte dieser die Ansicht, sein Institut sei der Grund dafür, dass Deutschland bisher relativ gut durch die Krise kommt.

Mehr noch: Ohne sein Team und seine Tests hätte man „in Deutschland jetzt 50.000 bis 100.000 Tote“. Der Letzte, der seine Wirkungsmöglichkeiten so optimistisch eingeschätzt hat, war meines Wissens Jesus Christus („Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in Finsternis“).

Jagger und McCartney sind befreundet, Drosten und Kekulé wohl eher nicht. Aber auch auf erstere Freundschaft ist dieser Tage ein Schatten gefallen, seit McCartney behauptet hat, die Beatles seien „besser“ gewesen als die Stones, was Jagger zu der Replik provozierte: „Die eine Band spielt noch in Stadien, die andere existiert nicht mehr.“ Fast zeitgleich – es ist gespenstisch! – nannte Kekulé die jüngste Studie Drostens „sowohl methodisch als auch bezüglich der Schlussfolgerung in mehrfacher Hinsicht fehlerhaft“.

Erst publizieren, dann mitreden

Ein relativ hartes Urteil. Drosten antwortete mit ähnlich pointierten Vorwürfen. Kekulé zitiere falsch, sei tendenziös und müsse vor allem erst mal selber etwas publizieren, bevor er mitredet.

Wie explosiv die Stimmung ist, hat niemand bildhafter beschrieben als Kekulé im Tagesspiegel: „Die Debatte entzündet sich an Gefechtsfeldern, auf denen schon vorher Pulverfässer vergraben waren.“ Im Kern geht es darum, wie ansteckend Kinder sind und ob endlich die Schulen öffnen sollten. Unsereins ist vor allem verwirrt. Offene Restaurants und Baumärkte passen irgendwie nicht zu geschlossenen Schulen, eine Laienmeinung, gewiss. Und wenn man den Unterricht einfach im „Borchardt“ und bei Hornbach stattfinden lässt?

Schützt Rauchen von Corona?

Eine andere Studie hat Belege dafür gefunden, dass Rauchen vor Corona schützt. Und wenn man in den Schulen einfach wieder Raucherecken aufmacht? Wissenschaftlich bestätigt fühle ich mich in meinem Stones-Beatles-Vergleich durch den Statistiker Jörg Stoye, der sagt, ob Drosten oder Kekulé recht habe, sei womöglich „eine Frage des Geschmacks“.

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Weiterführende Informationen liefert im Internet die „Epic Corona Rap Battle“ auf Walulis Daily, mit den Zeilen: „He, aufgepasst, ich bin Christian Drosten/sie lieben mich im Internet, denn ich bin auf dem Posten“. Ganz oben in den Charts aber sind die fast 80-jährigen Stones mit dem Coronasong „Living in a ghost town“.

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