Dunkle Schatten der Kolonialzeit : Tansania erhält Zuspruch für Forderungen an Berlin

Die Linksfraktion fordert eine unabhängigen Bundesstiftung zur Aufarbeitung des kolonialen Unrechts. Tansania wartet auf ersten Schritt der Bundesregierung.

Jan Korte (Die Linke) ist bei einer Rede im Bundestag.
Jan Korte (Die Linke) ist bei einer Rede im Bundestag.Foto: Fabian Sommer/dpa

Nach der Forderung Tansanias, konkret über eine Aufklärung und die Wiedergutmachung der Verbrechen während der deutschen Kolonialzeit in Ostafrika zu verhandeln, wächst der Druck auf die Bundesregierung. „Wir fordern schon lange, dass die verbrecherische deutsche Kolonialgeschichte endlich umfassend aufgearbeitet werden muss.

Dazu gehört auch, die Herkunft von Museumsbeständen zu klären und Transparenz über die Bestände zu schaffen“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Linken-Fraktion, Jan Korte, dem Tagesspiegel. Man fordere „die Schaffung einer unabhängigen Bundesstiftung, die sich der Aufarbeitung des kolonialen Unrechts und seiner Nachwirkungen widmet.“

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes betonte, die Forderung sei noch nicht an sie herangetragen worden, man sei dabei, gemeinsam mit den Bundesländern das koloniale Erbe aufzuarbeiten.

Der Botschafter Tansanias in Berlin, Abdallah Possi, hatte zuvor dem Tagesspiegel gesagt: „Ich erwarte, dass die Bundesregierung hier den ersten Schritt macht und auf uns zugeht.“ Zunächst müsse die Regierung sagen, „wie viele menschliche Gebeine und Kulturobjekte aus dem heutigen Tansania während der Kolonialzeit nach Deutschland gebracht wurden und wo sie sich heute befinden“.

300.000 afrikanische Männer, Frauen und Kinder wurden Schätzungen zufolge getötet

Allein in Berlin liegen insgesamt 6000 Schädel aus der Luschan-Sammlung. 1600 davon stammen aus Afrika – einige Angehörige suchen bis heute die hierhin geschafften Schädel von getöteten Vorfahren. „Es gebe bislang keine schriftliche Vereinbarung zur Aufarbeitung der Kolonialgeschichte“, kritisierte Botschafter Possi.

Noch 2018 waren bei einem Besuch von Außenminister Heiko Maas (SPD) in Tansania Reparationsforderungen kein Thema. Das Gebiet des heutigen Tansania gehörte zwischen 1885 und 1918 zur Kolonie „Deutsch-Ostafrika“.

Während des Maji-Maji-Kriegs, in dem sich verschiedene einheimische Bevölkerungsgruppen gegen die deutschen Besatzer zusammenschlossen, starben nach Schätzungen rund 300.000 afrikanische Männer, Frauen und Kinder. Die kulturpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, Elisabeth Motschmann, sagte, es sei bereits die Einrichtung einer „Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland“ beschlossen worden.

„Völlig unstrittig ist, dass menschliche Überreste aus kolonialen Kontexten nicht in europäische Museen gehören, sondern ihren Nachfahren auf Wunsch zurückgegeben werden müssen“, betonte Motschmann.

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