Dutzende Tote befürchtet : Flüchtlingsboot sinkt vor Küste Tunesiens

Helfer befürchten, dass nur drei Menschen das Unglück überlebt haben. Gleichzeitig rettet eine Hilfsorganisation Migranten in einem Boot vor Libyen.

Boot mit Flüchtlingen vor der Küste von Libyen (Archivbild).
Boot mit Flüchtlingen vor der Küste von Libyen (Archivbild).Foto: imago/Rene Traut

Nach dem Drama um das Rettungsschiff „Sea-Watch 3“ hat nun eine andere Hilfsorganisation Migranten vor Libyen mit ihrem Schiff aufgenommen. 54 Schiffbrüchige seien gerettet worden, teilte die italienische NGO Mediterranea Saving Humans am Donnerstag mit. An Bord der „Alex Mediterranea“ seien auch vier Kinder und drei Schwangere. „Wir sind enorm glücklich, 54 Menschen aus der Hölle Libyen entrissen zu haben.“ Es sei nun sofort ein sicherer Hafen notwendig.

Italiens Innenminister Matteo Salvini wehrte ab. Das Schiff solle nach Tunesien fahren, erklärte er. Vor Tunesien war es allerdings erst am Donnerstag zu einem neuen Bootsunglück gekommen. Helfer befürchten den Tod von mehr als 80 Menschen. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) teilte am Donnerstag unter Berufung auf einen Überlebenden mit, das Schlauchboot der Flüchtlinge sei am Mittwoch nur wenige Stunden nach dem Start in Libyen gesunken. Vor der nordafrikanischen Küste spielen sich immer wieder Tragödien mit dutzenden Toten ab. Erst im Mai waren vor der tunesischen Küste 60 Migranten ertrunken.

Die Hilfskräfte gingen davon aus, dass vermutlich nur drei Menschen das Unglück überlebten. Wajdi Ben Mhamed, bei der IOM für Südtunesien zuständig, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe einen der drei Überlebenden des Unglücks in einem Krankenhaus in der südtunesischen Stadt Zarzis gesprochen. Der junge Mann aus Mali stehe "noch immer unter Schock". Er wisse nicht, was mit den anderen Menschen an Bord des Boots geschehen sei. "Sie sind verschwunden; es ist wahrscheinlich, dass sie ertrunken sind", sagte Mhamed.

Nach Angaben des Überlebenden war das Boot mit 86 Menschen am frühen Mittwochmorgen von der östlich von Tripolis gelegenen libyschen Stadt Zouara aufgebrochen und einige Stunden später gesunken. Ziel der Migranten sei Italien gewesen.

Fischer alarmierten Küstenwache

"Es steht zu befürchten, dass rund 80 Migranten tot sind"", schrieb IOM-Sprecher Flavio Di Giacomo im Kurzbotschaftendienst Twitter. Weitere Informationen seien jedoch nötig, um zu klären, wie es zu dem Unglück gekommen und wie hoch die tatsächliche Zahl der Opfer sei.

Fischer hatten die tunesische Küstenwache alarmiert, als sie das in Seenot geratene Boot sichteten. Drei Malier und ein Ivorer wurden vor Zarzis im Meer aufgegriffen, wie die Hilfsorganisation Roter Halbmond und die Marine mitteilten. Der Ivorer starb später im Krankenhaus.

Tunesiens Ministerpräsident Youssef Chahed erklärte, "die Flüchtlingsfrage" liege nicht in der Verantwortung Tunesiens. Vielmehr müssten "alle Länder Verantwortung übernehmen".

Erst im Mai waren 60 Menschen bei der Überfahrt über das Mittelmeer vor der tunesischen Küste ums Leben gekommen. Das UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR hatte damals von einem der "schlimmsten Vorfälle im Mittelmeer in den vergangenen Monaten" gesprochen

Immer wieder ertrinken zahlreiche Flüchtlinge im Mittelmeer beim Untergang ihrer oft nicht seetüchtigen Boote, die meisten beim Versuch der Überfahrt von Libyen in einen EU-Staat. Das UNHCR spricht von "der tödlichsten Meeresüberquerung der Welt".

Trotz anhaltender Konflikte ist Libyen nach wie vor eines der wichtigsten Transitländer für Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Staaten oder dem Nahen Osten, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen

Die EU hat die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer vorerst eingestellt. Auch die meisten Hilfsorganisationen können ihre Rettungsmissionen wegen politisch gewollter Hürden nicht mehr aufrecht erhalten. (dpa, AFP)

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