• „Ein wahnwitziger Dauerzustand“: Dieser 22-Jährige kämpft für eine EU-weite Kerosinsteuer

„Ein wahnwitziger Dauerzustand“ : Dieser 22-Jährige kämpft für eine EU-weite Kerosinsteuer

Timothée Galvaire aus Frankreich setzt sich für eine EU-weite Steuer auf Flugtreibstoffe ein. Mit seiner Petition zielt er besonders auf Kurzstreckenflüge ab.

Sinan Reçber
Politikstudent Timothée Galvaire
Politikstudent Timothée GalvaireFoto: privat

Wenn es in der EU keine Steuer auf CO2-intensives Kerosin gibt, warum sollte Sprit für Autos und Lkws teurer werden? Diese Frage treibt Timothée Galvaire um. Eine sinnvolle Klimapolitik sieht für den 22-jährigen Franzosen anders aus – in diesem Punkt kann er die Wut der Gelbwesten verstehen, die gegen Emmanuel Macrons Benzinsteuer auf die Straße gehen. „Es ist ein wahnwitziger Dauerzustand, dass wir Steuern auf fast alle Kraftstoffe haben, aber nicht auf Kerosin“, kritisiert der Politikstudent.

Im März setzte er eine Petition bei der Europäischen Bürgerinitiative (EBI) auf, die eine Abschaffung von Steuervorteilen für Flugzeugtreibstoffe befürwortet. Mehr als 30.000 Menschen haben unterschrieben, knapp die Hälfte aus Deutschland. Finden sich für den Vorschlag bis Mai 2020 mehr als eine Million Unterschriften, muss die EU-Kommission Stellung beziehen und womöglich Gesetzesvorschläge ausarbeiten. National hat sich bereits etwas geändert: Frankreichs Verkehrsministerin gab am Dienstag bekannt, dass ab 2020 eine Ökosteuer von bis zu 18 Euro auf Flüge eingeführt werden soll, die in Frankreich starten.

Foto: epd

Die Initiative von Galvaire will Kurzstreckenflüge bis 600 Kilometer besteuern, wobei die Abgabe mit zunehmender Entfernung sinken soll. Von der Kerosinsteuer ausgenommen sein sollen Flüge zu Inseln, die weder über Brücken noch Tunnel erreichbar sind. Die Steuereinnahmen sollen in die EU-Kassen fließen, die Staaten aber einen kleinen Anteil einbehalten dürfen, damit sie ihre Verwaltungskosten decken können. Gleichzeitig soll es mehr Subventionen für die Schiene geben. „Fossile Energien zu besteuern, kann tatsächlich unfair gegenüber Verbrauchern sein, wenn sie keine Alternativen haben“, findet die Initiative.

Auch wissenschaftliche Untersuchungen sprechen für die Forderungen: Eine im Mai geleakte EU-Studie von 2018 zeigt, dass eine Kerosinsteuer CO2-Emissionen senken, Fluglärm verringern und das Reiseaufkommen verringern könnte. Eine Kerosinsteuer von 330 Euro pro Tausend Liter Flugtreibstoff würde die Flugtickets um zehn Prozent verteuern – ein 200 Euro teures Flugticket würde dann 220 Euro kosten.

Es sind jedoch nicht nur Anreize und Steuerreformen, mit denen sich Galvaire beschäftigt. Zwar sei es wichtig, neue Technologien zu entwickeln, meint der Student. Die Weltgemeinschaft solle aber auch keine Angst davor haben, weniger zu produzieren.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!