Was soll die neue Karte bringen?

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Elektronische Gesundheitskarte : Krankenkassen drohen ihren Versicherten
Max Muth

Die eGK ist ein ambitioniertes Zukunftsprojekt: Eigentlich sollte die Gesundheitskarte das Bezahlsystem der Kassen revolutionieren, Versicherungsbetrug verhindern, Kosten sparen, Notfalldaten und Patientenakten speichern und den Austausch zwischen Ärzten erleichtern. Doch all das steht noch in den Sternen, die Realität sieht anders aus. Seit 2005 wurden Milliarden Euro in das Projekt investiert. Ein Sprecher der eigens für die Umsetzung der notwendigen Infrastruktur gegründeten Gesellschaft „gematik“ hat im Jahr 2009 die möglichen Gesamtkosten des Projekts auf 14 Milliarden Euro beziffert. Viel Geld für eine Karte, die bislang bis auf ein Foto des Versicherten die gleichen Funktionen hat wie die alte Versichertenkarte.

Was führen die Kritiker dagegen ins Feld?

Der Deutsche Ärztetag spricht sich seit Jahren gegen die Einführung der Karte aus. 2012 beschloss er: „Das Projekt ist gescheitert. Der derzeitige Nutzen liegt bei einigen Wenigen, bei Kontrollinteressen von Kassen und Politik und der nach neuen Märkten suchenden Industrie.“ Der Ärztetag fordert einen Stopp des Projekts und die Entwicklung kostengünstiger dezentraler Kommunikationswege und Speichermedien.

Die Kostenfrage ist für viele Kritiker des Projekts elektronische Gesundheitskarte allerdings bestenfalls ein Randaspekt. Die Gesellschaft für Informatik (GI) ist bereits seit 2005 ein vehementer Gegner der eGK. Und an ihrem zentralen Kritikpunkt hat sich seitdem nichts geändert: die Datensicherheit. „Gesundheitsdaten sind die sensibelsten Daten, die es gibt. Diese im Internet auf Servern zu speichern, ist zu gefährlich“, sagt Hartmut Pohl. Der Fachmann für IT-Sicherheit lehrt an der Hochschule Bonn- Rhein-Sieg Informatik.

Ein verbreiteter Irrtum ist, dass Patientendaten auf der Karte selbst gespeichert werden sollen. Der Chip auf der Karte hat nur ein Speichervolumen von 200 Kilobyte. Die Karte funktioniert ähnlich wie eine Bankkarte, zusammen mit den Lesegeräten in den Arztpraxen und der PIN-Nummer des Versicherten bekommen Ärzte Zugriff auf die Daten des Kunden. Die müssen anderswo gespeichert werden, aus Mangel an sinnvollen Alternativen soll das auf zentralen Servern im Netz geschehen. Zwar sollen diese Server jeweils nach dem neuesten Stand der Technik gesichert werden, aber ein Faktor lasse sich dennoch nie ganz ausschalten: „Jeder Mensch macht mal einen Fehler“, sagt Datenschutzexperte Pohl. Wenn der Server, auf dem die Daten gesichert sind, nur einige Sekunden ungeschützt sei, falle Google über die Daten her. Egal wie klein das Risiko ist, Gesundheitsdaten seien zu wichtig, um dieses Risiko einzugehen.

Auch die Gerichte hat die eGK bereits beschäftigt: Das Düsseldorfer Sozialgericht wies Mitte 2012 die Klage eines Wuppertalers ab, der wegen datenschutzrechtlicher Bedenken keine eGK haben wollte. Das Gericht verwies darauf, dass die eGK in ihrer derzeitigen Version die gleichen Daten speichert wie die alte Krankenkassenkarte, nur das Lichtbild sei neu. Alle zusätzlichen Anwendungen seien freiwillig. Der Hamburger Verbraucherschützer Christoph Kranich bezweifelt allerdings, dass das langfristig so bleiben wird. Zu viel Geld sei bisher in das Projekt investiert worden und nur die bisher freiwilligen Anwendungen versprächen Profite für die beteiligten Unternehmen.

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