Energetische Sanierungen : Klimaschutz beim Bauen: Für Mieter geht die Rechnung oft nicht auf

Wohnen soll klimakompatibler werden, gut so. Leider bleiben die Mieter allzu oft auf den Kosten der energetischen Sanierung der Häuser sitzen. Das war so nicht gedacht. Eine Kolumne

Gut gedämmt, ist weniger geheizt? Für viele Mieter erfüllen sich die Einsparungsvorstellung nicht.
Gut gedämmt, ist weniger geheizt? Für viele Mieter erfüllen sich die Einsparungsvorstellung nicht.Foto: KARA - FOTOLIA

In Spandau hat ein Hauseigentümer seinen Mietern Mieterhöhungen von bis zu 75 Prozent angedroht. Er will den Wohnblock sanieren, danach soll die Miete steigen. Manche Mieter fürchten, sich das Wohnen in dem Haus nicht mehr leisten zu können. Hinter dem vermeintlichen Einzelfall liegt ein grundsätzlicher. Er ist hochpolitisch, hochmoralisch und hochbrisant. Er lautet: Klimaschutz gegen sozialen Frieden.

Alle wollen, dass Deutschland seine Klimaziele erreicht. Bis 2050 sollen 80 Prozent weniger Kohlendioxid ausgestoßen werden als 1990. Dafür reicht es nicht, die Stromerzeugung auf Sonne und Wind umzustellen. Auch die sogenannte Wärmewende muss gelingen. Die kostet viel Geld. Szenen wie die in Spandau wird es da hunderttausendfach geben – vor allem in Regionen, in denen das Wohnen ohnehin teuer ist.

Hier sind die Interessen von Staat, Hauseigentümern und Mietern nicht vereinbar: Der Staat gibt vor, dass diese Häuser energetisch saniert werden müssen, spätestens beim Eigentümerwechsel.

Die Mieter blieben auf den Kosten sitzen

Der Vermieter kassiert die Heiz- und einen Teil der Sanierungskosten beim Mieter. Wie hoch die sind, ist ihm ziemlich egal: Er bekommt das Geld ja zurück. Der Mieter hat kein Mitspracherecht bei den Investitionen, muss sie aber zum großen Teil bezahlen.

Ursprünglich hatte man angenommen, dass die Kosten der energetischen Sanierung durch die Einsparungen beim Heizen mehr als wettgemacht werden. Die Rechnung ging nicht auf, die Mieter bleiben auf einem großen Teil der Kosten sitzen. Die Folge: Je mehr und je schneller Häuser auf Vordermann gebracht werden, desto schneller steigen die Mieten.

Damit kann niemand zufrieden sein. Deshalb müssen sich Städte und Gemeinden aktiv in die Debatte einschalten. Statt laut in den Chor derjenigen einzustimmen, die im Nachhinein über gierige Vermieter schimpfen, müssen sie im Vorfeld das Gespräch mit Mietern und Eigentümern in sanierungsbedürftigen Vierteln suchen. Um zu klären, wo und vor allem wie teuer saniert wird. So könnten sie am Ende auch faire Antworten auf die Frage aller Fragen finden: Wer zahlt den Teil der Klimalast, der sich nicht durch Energieeinsparung refinanziert?

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