Enthüllungsbuch über Donald Trump : "Ein von Clowns umgebener Idiot"

Michael Wolff hat für "Fire and Fury" über 200 Gespräche mit Trump und seinen Mitarbeitern geführt. Sein Buch ist voller pikanter Anekdoten und alles andere als schmeichelhaft.

U.S. Präsident Donald Trump.
U.S. Präsident Donald Trump.Foto: REUTERS/Jonathan Ernst

Als der neue US-Präsident sein Amt antrat, hatte er einige Wünsche an das Reinigungspersonal im Weißen Haus. „Wenn mein Hemd auf dem Boden liegt, dann liegt es da, weil ich es will“, soll Donald Trump der Putztruppe in seinem Amtssitz in Washington eingeschärft haben. Aufheben streng verboten. Auch die Präsidenten-Zahnbürste dürfe niemand anrühren. Seine Bettlaken zieht der mächtigste Mann der Welt selber ab, wenn er findet, dass sie gewaschen werden müssen. Manchmal verzieht sich der Präsident abends um halb sieben mit einem Cheeseburger ins Bett.

Solche und andere bemerkenswerte Details finden sich in dem Buch „Fire and Fury“ des Autors Michael Wolff, das schon vor seiner formellen Veröffentlichung kommende Woche für Furore sorgt. Rund anderthalb Jahre lang besuchte Wolff immer wieder das Weiße Haus, um Material zu sammeln; laut der „New York Times“ wurde er in dieser Zeit häufig im Büro von Trumps damaligen Chefstrategen Stephen Bannon gesehen. Auf der Basis von mehr als 200 Interviews mit Bannon, anderen Mitarbeitern und Trump selbst entwirft Wolff das Bild einer dysfunktionalen Regierungsmannschaft, bei der nur wenig nach Plan läuft - und bei der noch weniger überhaupt geplant ist.

Bannon attackierte im Gespräch mit Wolff den Sohn und den Schwiegersohn des Präsidenten im Zusammenhang mit der Russland-Affäre heftig – Trump sagte sich darauf von seinem früheren Mitarbeiter Bannon los. Doch auch jenseits der politisch brisanten Enthüllungen ist das Buch schon jetzt ein Renner, weil es völlig neue Einblicke in die Trump-Präsidentschaft gewährt.

Melania soll am Wahlabend geweint haben - und zwar nicht aus Freude

So berichtet Wolff, Trump sei von seinem Erfolg bei der Präsidentenwahl 2016 überrascht worden. Der Immobilienmogul habe sich damals darauf eingerichtet, nach einer Niederlage gegen Hillary Clinton auf der Basis der neu gewonnenen Prominenz eine eigene Fernsehstation aufzubauen. Der schwerreiche Kandidat hatte laut Wolff so wenig Vertrauen in den eigenen Wahlkampf, dass er kein eigenes Geld für die Kampagne ausgeben wollte. Trumps Frau Melania habe geweint, als sich am Wahlabend der überraschende Sieg ihres Mannes abzeichnete – und zwar nicht aus Freude.

Wolffs Buch zufolge brachte Trump seine Neurosen mit ins Weiße Haus. So befürchte der Präsident, man wolle versuchen, ihn zu vergiften. Das ist angeblich einer der Gründe, warum Trump gerne in McDonald’s-Schnellrestaurants isst: Schließlich wisse dort niemand so genau, welcher Kunde welchen Hamburger erhalten werde.

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Bannon rechnet mit Trump ab - und umgekehrt
Bannon rechnet mit Trump ab - und umgekehrt

Der Autor verstärkt zudem mit neuen Anekdoten den inzwischen weit verbreiteten Eindruck, dass Trump keine große Lust auf die Regierungsarbeit hat. Einer seiner engen Berater wollte ihm demnach in einer Art Einführungskurs die amerikanische Verfassung erläutern – doch Trump verlor schon bald das Interesse am Inhalt des Grundgesetzes seines Landes. Auch ist es laut Wolff schon vorgekommen, dass der Präsident mitten in einem Treffen mit Spitzenpolitikern anderer Länder aufsteht, weil er sich langweilt.

Nicht wenige Trump-Berater halten den Präsidenten für einen Trottel, wenn man Wolff glauben kann. Ein Memo von Regierungsmitarbeitern wird mit den Worten zitiert, Trump lese so gut wie nichts und sei „ein von Clowns umgebener Idiot“. Der Präsident sei „dumm wie ein Stück Scheiße“. Nicht nur der Präsident selbst hat im Weißen Haus den Ruf, nicht zu den Hellsten zu gehören. Trumps Tochter Ivanka hegt dem Buch zufolge die Hoffnung, eines Tages die erste amerikanische Präsidentin zu werden – doch Bannon nannte Ivanka „dumm wie ein Brett“.

Wie solide die Recherche ist, wird unterschiedlich beurteilt

Der Alltag der ersten Monate der Trump-Regierung bestand nach Wolffs Schilderung aus einem chaotischen Dauer-Konkurrenzkampf zwischen Bannon, Trump-Schwiegersohn Jared Kushner und Stabschef Reince Priebus. Die drei Trump-Berater belauerten sich demnach gegenseitig und taten ihr Bestes, Pläne der jeweils anderen zu Fall zu bringen.

Trumps Pressesprecherin Sarah Huckabee Sanders wies die Szenen aus Wolffs Buch am Mittwoch als erfunden zurück. Einige Trump-Mitarbeiter beklagten, sie würden falsch zitiert. Auch andere Kritiker wandten ein, es sei nicht immer ganz klar, an welchen Stellen die Beobachtungen Wolffs eine solide Grundlage hätten und wo der Autor sich die Ereignisse im Weißen Haus möglicherweise nur ausmale.

Doch diese Einwände konnten nicht verhindern, dass „Fire and Fury“ in Washington zur Sensation wurde. Bis zum Erscheinungsdatum am 9. Januar sollen weitere Vorabveröffentlichungen aus dem Buch folgen.

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