Erziehungs-Studie : Gutes Zeugnis für Ganztagsschulen

Schulforscher haben im Rahmen einer Studie im Auftrag des Bundesbildungsministeriums den Ganztagsschulen in Deutschland ein positives Zwischenzeugnis ausgestellt.

Berlin/Dortmund - Ganztagsangebote erweiterten die Lernkultur, teilten die Experten mit. "Die pädagogische Arbeit der Schulen ist durch den Ganztagsbetrieb differenzierter und vielfältiger geworden."

Die Schüler hätten die Angebote grundsätzlich positiv beurteilt. "Sie sehen dort ihre Interessen eher berücksichtigt als im Unterricht und erleben die soziale Beziehung zu den Erwachsenen positiver", so die Forscher bei der Vorlage erster Ergebnisse. In einem großen Teil der Schulen müssten aber die pädagogischen Ziele geschärft und lernorientierte Angebote verbreitert werden.

An der "Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen" sind das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung, das Deutsche Jugendinstitut sowie das Institut für Schulentwicklungsforschung an der Universität Dortmund beteiligt. Die ersten Ergebnisse beruhen auf einer Erhebung vom Frühsommer 2005, bei der knapp 65.000 Schüler, Eltern, Lehrer, Schulangestellte sowie externe Kooperationspartner an 373 Schulen in 14 Bundesländern befragt wurden. Eine zweite Befragung läuft derzeit bundesweit an, eine dritte ist für 2009 geplant. Bei der Studie gilt eine Schule als Ganztagsschule, wenn sie an mindestens drei Tagen der Woche sieben Stunden lang geöffnet hat.

Migranten beurteilen Ganztagsangebot besonders positiv

Die Ganztagsangebote erreichen nach Einschätzung der Forscher auch benachteiligte Gruppen. Auf die Entscheidung der Schüler und Eltern, an freiwilligen Angeboten teilzunehmen, hätten soziale Herkunft und Migrationsstatus erfreulicherweise keinen Einfluss. "Schüler mit Migrationshintergrund beurteilen den Nutzen der Angebote für ihr Lernen sogar besonders positiv", hieß es. Insgesamt sei die Teilnahmequote jedoch oft hinter den Erwartungen zurückgeblieben. So nehmen in offenen Ganztagsschulen, bei denen die Teilnahme freiwillig ist, im Schnitt 40 Prozent der Schüler Ganztagsangebote wahr. "Vor allem bei den Älteren ab Klasse sieben finden Ganztagsangebote wenig Zuspruch."

Den Angaben nach gestalten zwei Drittel der Schulen den Ganztagsbetrieb zusammen mit Kooperationspartnern, vor allem mit Sportvereinen, mit Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie mit Betrieben, Bibliotheken und Musikschulen. Befürchtungen, Ganztagsschulen würden zur Konkurrenz für Vereine und andere lokale Akteure, hätten sich nicht bestätigt. (tso/dpa)

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