Europawahl am 26. Mai : EVP mit Spitzenkandidat Weber liegt in Umfragen vorn

Den Christdemokraten werden deutliche Verluste prognostiziert, sie sind in Umfragen aber stärkste Kraft. Freuen dürfen sich demnach auch Europas Populisten.

Wahlplakate mit dem EVP-Spitzenkandidaten Manfred Weber (CSU) in Berlin.
Wahlplakate mit dem EVP-Spitzenkandidaten Manfred Weber (CSU) in Berlin.Foto: Fabrizio Bensch/Reuters

Fünf Wochen vor der Europawahl sehen aktuelle Meinungsumfragen die christdemokratische EVP mit dem deutschen CSU-Politiker Manfred Weber als Spitzenkandidaten trotz deutlicher Verluste vorn. Die europäische Parteienfamilie von CDU und CSU käme demnach am 26. Mai europaweit auf rund 24 Prozent. Deutlich dahinter würden die Sozialdemokraten (19,8 Prozent) und die Liberalen (10,1 Prozent) landen, wie das Europaparlament am Donnerstag mitteilte.

Großer Gewinner in den Umfragen ist die Fraktion Europa der Nationen und der Freiheit, zu der unter anderem die deutsche AfD, die österreichische FPÖ, die italienische Lega und die französische Partei Rassemblement National (früher Front National) gerechnet werden. Die Parteienfamilie könnte nach Angaben der Meinungsforscher auf 8,3 Prozent kommen, was einem Plus von 3,3 Prozentpunkten entspricht. Erst dahinter kämen Grüne (7,6 Prozent) und Linke (6,1 Prozent).

Die Zahlen bestätigen vorherige Prognosen, nach denen vor allem die größten Fraktionen empfindliche Einbußen zu befürchten haben. Die EVP könnte demnach im Vergleich zu 2014 rund 5 Prozentpunkte verlieren, ebenso träfe es die Sozialdemokraten. Wenn beide Lager erneut eine Art Koalition bilden wollen, um zum Beispiel den künftigen EU-Kommissionspräsidenten zu wählen, müssten sie diesmal mindestens eine weitere Partei beteiligen.

Für ihre aktuellen Projektionen gingen die Meinungsforscher davon aus, dass Großbritannien trotz der Brexit-Pläne noch einmal an der Europawahl teilnehmen wird. Den Umfragen zufolge dürfen die britischen Sozialdemokraten demnach auf 26,5 Prozent hoffen, während die konservativen Tories von Premierministerin Theresa May nur bei 16,5 Prozent liegen. Dahinter folgen mit je 13,5 Prozent die neue Brexit-Partei des EU-Abgeordneten Nigel Farage sowie die EU-feindliche Ukip. Die Liberaldemokraten werden bei 9,0 Prozent und die Grünen bei 7 Prozent gesehen.

Grundlage der Projektionen sind in 28 EU-Mitgliedstaaten bis zum 15. April 2019 veröffentlichen Umfragedaten. Die Daten stammen aus einer Zusammenstellung zuverlässiger Wahlumfragen, die von nationalen Meinungsforschungsinstituten in den Mitgliedstaaten durchgeführt und von Kantar Public im Auftrag des Europäischen Parlaments verarbeitet wurden.

Die neuen, hier vorgestellten Daten fußen in 21 der 28 Länder auf 43 Umfragen speziell zu den Europawahlen. Parteien werden nur bestehenden Fraktionen zugeordnet – aufgrund ihrer Mitgliedschaft in der jeweils entsprechenden europäischen politischen Partei. (dpa)

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