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Explosion in russischem Bioforschungslabor : Einrichtung lagert Proben von Ebola und Pocken

Wieder gibt es eine Explosion in einer staatlichen Einrichtung in Sibirien - diesmal in einem Labor zur Erforschung von Viren. Ein Mensch wird leicht verletzt.

Die Behörden geben nach der Explosion in einem Biowaffenlabor Entwarnung.
Die Behörden geben nach der Explosion in einem Biowaffenlabor Entwarnung.Screenshot Google Maps

Bei einer Explosion im Zuge von Bauarbeiten in einem staatlichen Bioforschungslabor in Sibirien ist ein Mensch verletzt worden. Die Gasexplosion und der Brand hätten sich in einem oberen Stockwerk des Stahlbetongebäudes ereignet, teilte das Labor Vektor auf seiner Internetseite mit. Es seien keine gefährlichen Substanzen aus dem auf Viren spezialisierten Forschungszentrum ausgetreten, sagte Bürgermeister Nikolai Krasnikow der staatlichen Agentur Tass zufolge.

Die Einrichtung gilt als führend in der Erforschung lebensgefährlicher Viren. Das Zentrum hat sich auf die Diagnostik und Heilung von Infektionskrankheiten spezialisiert und entwickelt beispielsweise Impfstoffe gegen Hepatitis und Grippe. Es testet auch einen Impfstoff gegen das HI-Virus, das die tödliche Immunschwächekrankheit Aids auslöst.

Während des Kalten Krieges wurde im Vektor-Labor nach Informationen des Magazins „Vice“ an biologischen Waffen geforscht. Heute lagert dort immer noch die weltweit größte Sammlung an Viren, darunter die Erreger von Ebola und Pocken. Seit die Pocken im Jahr 1980 offiziell als ausgerottet erklärt wurden, gibt es den Erreger nur noch an zwei Orten auf der Welt: Im Center for Disease Control's (CDC) in den USA sowie im Vektor-Labor bei Nowosibirsk.

Verletzter Arbeiter erleidet leichte Verbrennungen

Es gebe Vorermittlungen wegen Verstoßes gegen die Vorschriften bei Bauarbeiten, berichteten lokale Medien am Dienstag. Den offiziellen Angaben zufolge waren Arbeiter auf der Etage mit Lackierarbeiten beschäftigt, als es zu der Explosion mit dem anschließenden Brand auf einer Fläche von rund 30 Quadratmetern kam. Zu der Zeit habe es keine Arbeiten mit biologischem Material gegeben. Das Gebäude sei nicht beschädigt worden, hieß es.

Der verletzte Arbeiter kam demnach mit leichten Verbrennungen in ein Krankenhaus. Der Komplex liegt in dem Ort Kolzowo in der Nähe von Nowosibirsk.

Es ist bereits das dritte Unglück in einer staatlichen russischen Einrichtung in wenigen Wochen. Im August wurde bei einem Brand und einer Reihe dadurch ausgelöster Explosionen in einem Munitionslager in Sibirien ein Mensch getötet. Ebenfalls im August starben fünf Wissenschaftler bei einem Atomunglück auf einem militärischen Testgelände in der russischen Arktis.

Auch im Vektor-Labor hatte es laut „Vice“ in der Vergangenheit bereits tödliche Unfälle gegeben: So starb die Wissenschaftlerin Antonia Presnyakova im Jahr 2004, nachdem sie sich versehentlich während Forschungsarbeiten mit Ebola infiziert hatte. (dpa, AFP)

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