FDP-Debakel bei den Landtagswahlen : Gefangen in der Wessi-Schublade

Die FDP gilt vielen noch immer als Westpartei. Das konnte auch die neue Generalsekretärin Linda Teuteberg nicht ändern.

FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg und Christian Lindner, Fraktionsvorsitzender und Parteivorsitzender der Liberalen.
FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg und Christian Lindner, Fraktionsvorsitzender und Parteivorsitzender der Liberalen.Foto: Britta Pedersen/dpa

So hatte sich Christian Lindner die ganze Sache sicher nicht vorgestellt. „Ich war optimistischer“, sagt der FDP-Chef am Wahlabend im Dietrich-Genscher-Haus in Berlin. Er steht vor rund 250 Anhängern auf einer kleinen Bühne, um ihn herum Mitglieder der Parteiführung.

Alle versuchen, einigermaßen heitere Mienen aufzusetzen. Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Freidemokraten ihr Ziel für die Landtagswahlen am Sonntag eindeutig verfehlt haben.

Sowohl in Brandenburg als auch in Sachsen verpassen sie erneut den Einzug in die Landesparlamente. Der Weg „zurück in den Landtag“ sei in den beiden ostdeutschen Bundesländern „offensichtlich länger“ als erhofft, gesteht Lindner ein. Übersetzt heißt das: Sein Plan ist nicht aufgegangen.

Kein „Teuteberg-Effekt“ in Brandenburg

Den Weg zurück in den Landtag sollte eigentlich die neue FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg ebnen. Lindner hatte sie dafür im Frühjahr extra ins Amt gehoben. Doch selbst in Teutebergs Heimat Brandenburg hat das nichts genützt. Hier saß sie fünf Jahre im Landtag, hier hat sie sich als Expertin für Migrationspolitik einen Namen gemacht.

Als Lindners rechte Hand sollte die Generalsekretärin für eine „Erweiterung der Facetten des deutschen Liberalismus“ sorgen, heißt es in der Partei. Die junge Frau aus dem Osten, die stets mit ruhiger, empathischer Stimme spricht, sollte mehr Vielfalt in den Vorstand bringen. Genau das suchte die FDP, um „raus aus der Schublade zu kommen“, wie es ein liberaler Bundestagsabgeordneter formuliert.

Im Ost-Wahljahr wollte man mit Teuteberg dem schädlichen FDP-Image vom „Wessi-Männerverein“ endlich etwas entgegensetzen.

Doch der erhoffte „Teuteberg-Effekt“ ist ausgeblieben. „Das hätten wir uns schon gewünscht“, sagt ein Mitglied des FDP-Bundesvorstands. Teuteberg brauche aber offenbar mehr Zeit, „bis sie sich durchsetzen kann“.

Kein gern gesehener Gast in Talk-Shows

Tatsächlich ist die Generalsekretärin in den ersten vier Monaten ihrer Amtszeit blass geblieben. In den wichtigen Fernsehsendungen kam sie nicht vor. Die Redaktionen buchten sie nur ungern als Gast, beschweren sich viele in der Partei. Die TV-Shows, so heißt es, würden nach wie vor lieber Lindner einladen, den smarten Redner, der zuverlässig fernsehgerechte Botschaften absetzt – mit markigen Worten und gezielten Zuspitzungen.

Eigentlich wäre das die Aufgabe der Generalsekretärin. Doch Teuteberg scheint mit ihrer Rolle bislang zu fremdeln.

Abschreiben will man sie in der Partei aber nicht. „Ich finde, dass Linda Teuteberg eine faire Chance verdient hat“, sagt ein Bundestagsabgeordneter. Die 38-Jährige habe sich wirklich reingekniet in den Wahlkampf, lobt eine Parteifreundin. Tatsächlich hat Teuteberg zuletzt jeden Tag mindestens einen Wahlkampfauftritt absolviert.

Der Zuwachs der FDP ist im Vergleich zu den Wahlen 2014 in beiden Ländern deutlich zu gering. Anlass zur Kursänderung sieht Parteichef Lindner deshalb aber nicht. Die Wahl sei zwar „kein Sieg“, sagt er. „Aber zumindest eine Ermutigung den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.“

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