FDP in der Kritik : Einer muss die Kritik an Merkel ja üben

Christian Lindner kritisiert Bundeskanzlerin Angela Merkel scharf. Damit sagt er aber nur, was viele in der Union ohnehin denken. Ein Kommentar.

FDP-Chef Christian Lindner mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bundestag.
FDP-Chef Christian Lindner mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bundestag.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Nun mal halblang. Kritik an den Freien Demokraten, wie sie dieser Tage allenthalben zu hören und zu lesen ist, ist vor allem: wohlfeil. Denn ob Wolfgang Kubicki oder Christian Lindner – sie sprechen aus, was viele denken. Oder spüren. Selbst die CDU-Führung wünscht sich eine personelle Erneuerung. Die Mehrheit traut sich nur nicht, das (laut) zu sagen. Und erst recht ist da niemand, der es Angela Merkel auch so sagt. Die Bundeskanzlerin und CDU-Bundesvorsitzende ist naturgemäß mit ihrem Tun – oder eben Nichttun – für das Scheitern der Jamaika-Sondierungen verantwortlich. Aber lieber wird jetzt die ganze Zeit drumherum geredet. Nicht von der FDP.

Einzig die Vermutung, dass Merkel eigentlich an der Fortsetzung der großen Koalition gebastelt haben soll – die ist Unsinn. Das Prinzip Merkel ist doch: laufen lassen. Irgendwo wird es schon hinführen.

Die FDP ist wenigstens ehrlich

Aber weiter. Man kann es auch ehrlich nennen, dass die FDP sich eine Koalition nur mit einer erneuerten CDU und CSU vorstellen kann. Denn nun muss sich die Union überlegen, wie sie dazu steht. Und wie sie mehr als 30 oder 32 Prozent bei künftigen Bundestagswahlen erreichen will. Es geht nämlich noch schlechter als beim vergangenen Mal. Da soll sich die CDU besser nicht über die SPD erheben. Auch sie ist keine strahlende Volkspartei mehr. Bei der CSU wollen wir erst mal abwarten.

Dass die Union und die Grünen jetzt auf die FDP zeigen und sagen, die sei schuld am Scheitern von Jamaika – geschenkt. Einer muss der Böse sein, wenn man es selbst partout nicht sein darf. Ja, es war nicht geschickt, die Verhandlungen als Erster zu verlassen. Aber immerhin hat die FDP einen sachlichen Punkt, den die CDU als Wirtschaftspartei nicht wegwischen kann: Die bundesdeutschen Unternehmen haben auch Glück, ihnen geht es gut, weil die Weltwirtschaftslage gut ist. Erneuern müssen sich viele trotzdem, die Digitalisierung und ihre Folgen machen noch viel Arbeit und produzieren nicht nur Gewinner. Das spüren auch die Wähler. Falls sie in drei Monaten sehen, dass es mit der Merkel-Union nicht recht vorangeht, dass sie keinen Plan für die Zukunft hat, außer an der Macht zu bleiben – dann kann vieles anders laufen. Auch für die FDP.

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