FDP Titel im Bundestag : Meinen die Liberalen das ernst?

Katja Suding ist als FDP-Fraktionsvize verantwortlich für „Weltbeste Bildung für alle“. Der kuriose Titel verrät viel über das Selbstbildnis der Liberalen. Ein Kommentar.

Foto: Bernd von Jutrczenka dpa

Natürlich fällt einem als Erstes Monty Python’s „Ministry of Silly Walks“ ein, der Sketch über das Ministerium für albernes Gehen.

Natürlich fällt einem das nicht ein, wenn es um Katja Suding geht. Die FDP-Politikerin aus Hamburg hat eine beachtliche politische Karriere hingelegt. Gestartet im Wahlkampf 2011 an der Spitze eines zerstrittenen und inhaltlich entleerten Landesverbandes hat Suding den Herren der ehemaligen Westerwelle-FDP mit Intelligenz und Charme gezeigt, dass man Wahlen auch ohne „18“ unter den Schuhsohlen gewinnen kann. Und als eine der ganz wenigen „Alt-Liberalen“ hat sich Suding (41) in der „Neu-FDP“ des Christian Lindner Platz und Stimme gesichert. Mancher kann sie sich sogar gut in einem Jamaika-Kabinett vorstellen.

Vorerst aber ist Katja Suding in der FDP-Fraktion verantwortlich für „Weltbeste Bildung für alle“. Und steht damit auf einer Linie mit fünf anderen Stellvertretern des Vorsitzenden Lindner. Ganz nebenbei: ein Chef, sechs Stellvertreter, darunter nur eine Frau, Katja Suding. Aber um das Frauenbild des neuen Liberalismus geht es hier nicht. Um das Selbstbildnis der FDP im Bundestag jedoch schon. Neben der Frau, die verantwortlich ist für „Weltbeste Bildung für jeden“ gibt es nämlich auch noch einen Spitzenliberalen, der sich um „Vorankommen durch eigene Leistung“ kümmern soll. Man darf gespannt sein, ob Michael Theurer diesen Titel auch auf Visitenkarten drucken lässt. Eine Frage, die sich auch an Stephan Thomae richtet, verantwortlich für „Selbstbestimmt in allen Lebenslagen“, und an Christian Dürr, verantwortlich für „Politik, die rechnen kann“.

Meinen die Liberalen das ernst? Sie tun es. Die kurios klingenden Titel entstammen ihrem Programm, stehen für ihre Ziele, sind keine Gags überspannter Werbejunkies. Üblich ist es in den Fraktionen im Bundestag, dass sie Verantwortlichkeiten nach Fachbereichen aufteilen. So können die Politiker, die sich um Energie kümmern, miteinander reden und die, die für Bildung zuständig sind, mit anderen Bildungspolitikern. Wen ruft man aber bei der FDP an, wenn man über Kita-Gebührenfreiheit reden will? Frau Suding wegen der weltbesten Bildung oder Herrn Dürr wegen der Politik, die rechnen kann, oder gar Herrn Thomae, weil Kitas ja auch was mit der Lebenslage der Kleinen zu tun haben? Wahrscheinlich keinen der Genannten, sondern Frank Sitta, zuständig für einen „unkomplizierten Staat“.

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