"Fire and Fury" : Trump-Drohung beschleunigt Buchveröffentlichung

Weil der US-Präsident eine Klage ankündigt, erscheint "Fire and Fury" schon an diesem Freitag. Beobachter sehen einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Donald Trump am Donnerstag bei einer Besprechung im Weißen Haus.
Donald Trump am Donnerstag bei einer Besprechung im Weißen Haus.Foto: imago/UPI Photo

„Danke, Herr Präsident:“ Auf Twitter drückte Buchautor Michael Wolff am Donnerstag seine Zufriedenheit mit der Werbekampagne für sein neues Werk „Fire and Fury“ aus und zollte Donald Trump Anerkennung für dessen Hilfe, das Buch zu einem Bestseller zu machen. Nachdem der Präsident über seinen Anwalt mit einem Verbot des Buches gedroht hatte, zog Wolffs Verlag das Erscheinungsdatum vom kommenden Dienstag auf diesen Freitag vor – womit Wolffs 300-Seiten-Beschreibung über das Chaos in Trumps Weißem Haus ihre Spitzenposition der Bestseller beim Online-Riesen Amazon zementierte.

Trump-Anwalt Charles Harder hatte Wolff sowie dem Verlag Henry Holt mit einer Klage wegen übler Nachrede gedroht, falls das Buch auf den Markt kommen sollte. „Fire und Fury“ zeichnet das Bild eines egozentrischen Präsidenten und einer chaotischen Regierung und enthält zudem schwere Vorwürfe von Ex-Berater Stephen Bannon gegen Trumps Familie. Das Weiße Haus weist Wolffs Darstellungen des Regierungsalltags zurück.

Die Verbotsdrohung ist unerhört für den Präsidenten eines Landes, das sich selbst gerne als Hort der Meinungsfreiheit feiert und das andere Nationen regelmäßig wegen Einschränkungen der Grundrechte ermahnt. Beobachter sehen einen neuen Tiefpunkt in der Geschichte des US-Präsidentenamtes erreicht. Douglas Brinkley, ein auf die amerikanischen Präsidenten spezialisierter Historiker, verglich Trump im Gespräch mit der „Washington Post“ mit Richard Nixon, der Anfang der 1970er Jahre das Amt des Staatschefs auf ähnliche Weise zur Verfolgung von Gegnern missbraucht habe.

Schon während seiner Karriere als Immobilienunternehmer hatte der heute 71-jährige Trump mehrmals mit Klageandrohungen gearbeitet, um seinen Willen durchzusetzen. Seit seinem Wahlsieg im November 2016 hat er mit rechtlichen Schritten gegen die „New York Times“ und gegen Frauen gedroht, die ihm sexuelle Übergriffe vorwarfen. Geschehen ist jedoch nichts.

Vor Gericht hätte Trump kaum eine Chance

Das könnte auch diesmal so sein. Vor dem Richter hätte Trump gegen Wolffs Buch kaum Chancen auf Erfolg: Der Beweis der üblen Nachrede ist laut Einschätzung von Experten vor US-Gerichten sehr schwer zu führen, besonders von einem so hochrangigen Politiker, von dem erwartet wird, viel Kritik hinzunehmen. Medienberichten zufolge hat sich Wolff zudem abgesichert, indem er viele Interviews, die er seinem Buch zugrunde legte, als Tonaufnahmen archivierte. Bannon, der in Wolffs Buch gegen Trumps Familie wegen Landesverrats und Geldwäsche vom Leder zieht, hat die von dem Autor zitierten Äußerungen nicht dementiert.

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Bannon rechnet mit Trump ab - und umgekehrt
Bannon rechnet mit Trump ab - und umgekehrt

Schon vor „Fire and Fury“ hatte es bei Trump-Kritikern erhebliche Zweifel an der Eignung des Geschäftsmannes für das Präsidentenamt gegeben. Mehrere Medien meldeten, eine Gruppe von Parlamentariern habe Anfang Dezember eine Psychologin der Universität Yale zu Trumps Geistesverfassung befragt. Die Expertin sagte demnach, der Präsident sei „instabil“. Die amerikanische Verfassung ermöglicht die Amtsenthebung eines Präsidenten aus medizinischen Gründen, doch ist dies bei Trump sehr unwahrscheinlich, weil der Vizepräsident und das Kabinett eine solche Entscheidung fällen müssten.

Neuer Ärger in der Russland-Affäre

Noch während das ganze Land über Wolffs Buch spricht, zeichnen sich neue Schwierigkeiten für Trump in der Russland-Affäre ab. Die „New York Times“ meldet, es gebe neue Hinweise darauf, dass sich der Präsident der Justizbehinderung schuldig gemacht haben könnte.

Demnach versuchte Trump im vergangenen Frühjahr, seinen Justizminister Jeff Sessions daran zu hindern, sich bei den Russland-Ermittlungen für befangen zu erklären. Als Trump von Sessions' Entschluss erfahren habe, sei er sehr wütend geworden und habe gesagt, er brauche den Schutz des Justizministers, berichtete die „Times“. Kurz darauf entließ Trump den damaligen Chef der Bundespolizei FBI, James Comey, der wegen des Verdachts einer Zusammenarbeit zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland bei Manipulationen der US-Wahl ermittelte.

Comeys Entlassung löste die Einsetzung von Russland-Sonderermittler Robert Mueller aus, der laut „New York Times“ inzwischen eine ganze Reihe von Hinweisen auf Justizbehinderung durch Trump gesammelt hat.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes stand fälschlicherweise, Leser des Buchs hätten berichtet, dort stehe, dass Trump sich einen "Gorilla-Kanal" habe einrichten lassen, der Kämpfe unter Menschenaffen zeige. Dies wurde korrigiert.

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