Fragen des Tages : Grenzen öffnen, Ärzte protestieren – das war heute wichtig

Weitere Themen: Der Verkehrsminister will Flugtaxis sicher in die Luft bringen, Deutsche Wohnen erzielt höhere Mieten, rechte Gewalt bleibt konstant.

Ab Mitte Juni könnten die Grenzkontrollen wegfallen, sagt Innenminister Horst Seehofer. 
Ab Mitte Juni könnten die Grenzkontrollen wegfallen, sagt Innenminister Horst Seehofer. Foto: Felix Kästle/dpa

Wie jeden Tag bringen wir Sie mit den Fragen des Tages auf den aktuellen Stand – natürlich mit den passenden Antworten.

Die aktuellen Zahlen zur Pandemie

Die Johns-Hopkins-Universität meldet weltweit knapp 4,3 Millionen bestätigte Infizierte und knapp 300.000 Tote.

In Deutschland stagniert die Zahl der bestätigten Neuinfektionen seit vier Tagen bei rund 700 Fällen. Die Zahl der aktiven Fälle sinkt derweil weiter auf gestern knapp 18.300 Fälle. Eine durchaus erstaunliche Zahl noch: Mehrere Dutzend Landkreise in Deutschland meldeten in den vergangenen Tagen gar keine oder kaum noch Neuinfektionen. Alle Zahlen für Deutschland finden Sie hier.

Grenzen zu Frankreich, der Schweiz und Österreich öffnen: "Wenn das mit der Disziplin in der Bevölkerung so weiter läuft, dann können wir uns vorstellen, dass wir ab 15. Juni wieder freien Reiseverkehr haben", sagte Innenminister Horst Seehofer heute. Nach Luxemburg wird es schon ab dem 15. Mai keine Kontrollen mehr geben. Der Flugverkehr nach Spanien und Italien bleibt aber weiter eingeschränkt.

Berlins Amtsärzte gehen auf die Barrikaden. Mit deutlichen Worten rechnen Berlins Amtsärzte  - quasi die Koordinatoren der Bodentruppen im Kampf gegen Corona - in einem offenen Brief mit der Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) ab. Dem Schreiben zufolge sind die Gesundheitsämter von zu "geplanten Maßnahmen vorab fachlich-medizinisch in keiner Weise angehört oder eingebunden" worden.

Die Folge: Verwirrung über die Corona-Strategie. "Die Informationen zum Ampelsystem und zur sogenannten 'Teststrategie' erfuhren wir ausschließlich aus der Presse", heißt es weiter. Anfragen aus der Bevölkerung könnten die Gesundheitsämter deshalb nicht beantworten, das führe zu "Irritationen, Erwartungen und Verunsicherungen", klagen die Mediziner. 

Ungewöhnlich an dem Vorgang ist nicht nur die Wortwahl: Bislang hatte sich vor allem der Amtsarzt aus dem Bezirk Reinickendorf, Patrick Larscheid, kritisch über die Corona-Politik des Senats geäußert. Nun begehren also auch seine Kollegen und Kolleginnen auf. Fortsetzung folgt.

[Verfolgen Sie in unseren Liveblogs die aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in Berlin und zum Coronavirus in Deutschland und der Welt.]

Mehr als nur eine heftige Lungenentzündung: Sars-CoV-2 kann im ganzen Gefäßsystem nachhaltig Schaden anrichten. Viele Todesfälle sind offenbar darauf zurückzuführen, berichten meine Kollegen aus dem Wissenschaftsressort.

Man könnte es als Posse abtun, wenn der Fall nicht so viel Sprengstoff bergen würde. Ein Oberregierungsrat des Innenministeriums hatte Ende vergangener Woche wilde Thesen zur Coronakrise und eine Abrechnung mit den Pandemie-Maßnahmen der Regierung an die Landesregierungen verschickt. Anschließend landete das Schreiben bei einem rechtslastigen Blog. Problem: Es trug den Briefkopf des Ministeriums, kam also als offizielles Papier daher. War es aber nicht, sondern eine "Privatmeinung", wie das Ministerium betont. 

Der Mitarbeiter ist inzwischen von seinen Pflichten entbunden. Die Mediziner und Forscher, die er für seinen Bericht angefragt hatte, werfen nun wiederum dem Innenministerium in einem offenen Brief schwere Versäumnisse vor. Und Verschwörungstheoretiker sehen sich darin bestätigt, dass Corona-Kritik in Deutschland unterdrückt wird. Die Details des Falles können Sie hier nachlesen.


Was sonst noch wichtig war

Verkehrsminister Scheuer will Drohnen und Flugtaxis sicher in die Luft bringen: Mit einem Drohnen-Aktionsplan wirbt Andreas Scheuer im Bundeskabinett für innovative Luftfahrkonzepte. Die Reaktionen aus der Branche sind gespalten.

Coronakrise verringert rechtsextreme Gewalt nicht: Neonazis und andere Rechte haben von Januar bis März fast 3800 Delikte verübt. Mehr als 60 Menschen wurden verletzt. Die Zahlen ähneln denen von 2019

Deutsche Wohnen mit höheren Mieten: Enteignungsaktivisten in Berlin klagen gegen den Senat, weil die Prüfung der Volksinitiative stockt. Die Deutsche Wohnen erzielt trotz Deckel höhere Mieten im ersten Quartal.

Die nächste Bewährungsprobe für die Türkei und die EU: Die Türkei hat mit mehreren Ländern Ärger um Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer. Das könnte die Beziehung zur EU weiter verkomplizieren.


Unsere Tipps für den Corona-Alltag

Unser Rezept-Tipp: Be bop a lula - in Teil 49 essen wir wie der King, nämlich sein bevorzugtes Sandwich. 

Unser Kultur-Tipp: Endlich öffnen die ersten Berliner Museen ihre Türen. Es gelten Zeitfenster und Zugangsbeschränkungen. So lässt sich Kunst ganz neu erleben. 

Unsere Streaming-Tipps: Das British Museum präsentiert Bestände aus fünf Kontinenten, Martin Wuttke diskutiert über das Theater der Corona-Zukunft.

Unser Lese-Tipp: Bernd Cailloux erzählt in „Der amerikanische Sohn“ von einem einsamen Vater, von verlorenen Idealen und Kindern.

Unser Sport-Tipp: In unserer heutigen Fitnessübung werden Bein-, Rumpf- und Armmuskulatur trainiert. Dafür geht es in die „Diagonale im Vierfüßlerstand“.

Gibt es was im Fernsehen?

Wen gibt es bald nicht mehr dort zu sehen, fragen heute meine Kollegen aus dem Medienressort. Ältere Schauspieler, fürchten sie. Denn über 60-Jährige könnten aus Drehbüchern gestrichen werden, weil sie zur Risikogruppe gehören.

Was sollte ich für morgen wissen?

Israels neue Regierung wird vereidigt: Netanjahu hat sich mit Benny Gantz, seinem Rivalen vom Mitte-Bündnis Blau-Weiß, auf die Bildung einer Regierung mit Rotation im Amt des Ministerpräsidenten geeinigt. Neben Netanjahus Likud und Blau-Weiß sollen auch die strengreligiösen Parteien sowie die sozialdemokratische Arbeitspartei Teil des Bündnisses werden.

Finanzminister Olaf Scholz präsentiert Steuerschätzung: Die Bundesregierung rechnet infolge der Coronakrise mit einem dramatischen Einbruch der Wirtschaftsleistung und der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Das dürfte auch auf die Steuereinnahmen durchschlagen. Mit Mindereinnahmen in Höhe von rund 100 Milliarden Euro wird gerechnet. 

Soloselbständige und Künstler wollen vor dem Bundeswirtschaftsministerium gegen die aktuelle Ausgestaltung des Rettungsschirms auf die Straße gehen. Sie protestieren dagegen, dass sie Corona-Hilfsgelder u.a. nicht für Miete oder Krankenversicherung verwenden dürfen.


Zahl des Tages!

2,50 Euro Dividende will BMW seinen Anteilseignern je Stammaktie in diesem Jahr auszahlen, insgesamt 1,64 Milliarden Euro. Das sorgt für Streit. Als zu hoch kritisiert der Aktionärsverband den Betrag. Kein Wunder, hat BMW doch rund 20.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. "Die hässliche Fratze des Kapitalismus", schimpft SPD-Politiker Carsten Schneider über die geplanten Zahlungen. Doch wie (fast) immer gibt es eine zweite Version der Geschichte. BMW argumentiert: Die Bonuszahlungen an die Mitarbeiter seien an die Dividende gekoppelt, außerdem würde die Dividende das vergangene und nicht das laufende Geschäftjahr abbilden. Sie sehen, es ist kompliziert…

Danke und herzliche Grüße
Ihr
Benjamin Reuter
Leiter Newsroom     

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