• Fragen des Tages: Regierungserklärung und Kritik an Corona-Lockerungen – was heute wichtig war

Fragen des Tages : Regierungserklärung und Kritik an Corona-Lockerungen – was heute wichtig war

Außerdem: Zwei deutsche Städte sind derzeit praktisch Corona-frei, der Wettlauf um den Corona-Impfstoff und neue Forderung nach Tegel-Schließungen.

Die Menschen genießen die Sonne in Berlin-Schöneberg - kommen die Corona-Lockerungen zu früh?
Die Menschen genießen die Sonne in Berlin-Schöneberg - kommen die Corona-Lockerungen zu früh?Foto: AFP/ Odd Andersen

Das Corona-Update

• Die aktuellen Zahlen zur Pandemie:

1. Die Johns-Hopkins-Universität meldet weltweit knapp 2,66 Millionen bestätigte Infizierte und knapp 185.000 registrierte Tote. Das sind rund 60.000 Infizierte und rund 5000 Tote mehr als gestern.

2. Ein interessantes Detail aus den Auswertungen unseres Datenteams: Deutschland testet pro Kopf öfter als die USA oder Südkorea. Und der Anteil positiver Tests an allen Proben sinkt weiter.

3. Etwas mehr als die Hälfte der Europäer betrachtet den Nahverkehr als riskantesten Ort in der Corona-Zeit. Doch es gibt erste Ideen, wie man Bus und Bahn sicherer machen kann.

• Macht sich Deutschland zu locker? Es ist DIE Frage, die Angela Merkel, einige Ministerpräsidenten und Deutschlands Top-Virologen derzeit umtreibt. Die Kanzlerin kritisierte heute im Bundestag einige Lockerungen als „zu forsch“. Winfried Kretschmann und Markus Söder warnen: „Wenn wir jetzt zu sorglos handeln, wird sich das bitter rächen.“ Und schon gestern hatte die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung erklärt: „Die Regierung hat mit den Lockerungen ein falsches Signal gesendet.“

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Harte Worte - sind sie berechtigt? Das werden wir erst in ein, zwei Wochen wissen, wenn die Menschen, die sich jetzt infizieren, zum Test gehen und Covid-19 bei ihnen ausbricht. Die aktuellen Rücknahmen des Lockdowns sind deshalb eine Wette mit ungewissem Ausgang. 
Manche sehen die Lockerungen dabei als längst überfällig an. Sie fragen gar: War das eigentlich alles nötig? Hat der Shutdown eigentlich etwas gebracht? Die einfache Antwort auf beide Fragen: Ja. Der frühzeitige Shutdown hat Zustände wie in Italien, Spanien, Frankreich und den USA verhindert.

Denn zwei Dinge sind Fakt: Das Virus ist verdammt ansteckend. Und Covid-19 kann in allen Altersgruppen dramatische Verläufe haben, gegen die bisher keine Medizin hilft. Dabei wissen die Ärzte und Forscher noch kaum etwas über die Spätfolgen einer Covid-19-Erkrankung. Wobei sich auch hier andeutet: Die Spätfolgen könnten mit dauerhaften Schädigungen der Lunge und anderer Organe drastisch sein. Alles Gründe, warum es sich lohnt, weiter vor- und umsichtig zu sein. Und mit Augenmaß ins Alltagsleben zurückzukehren.

• Das chinesische Pharma-Unternehmen, das den USA zuvorkommen will: Die Forschung in der Coronakrise ähnelt dem Wettlauf um die Mondlandung. Ganz vorne dabei ist eine unbekannte Firma, die schon den Ebola-Impfstoff entwickelt hat.

• Wenn ein Schuppentier plötzlich die Welt ins Chaos stürzt... ist wohl ein Coronavirus involviert. In seinem Gastbeitrag entwirft der Evolutionsbiologe Matthias Glaubrecht ein beunruhigendes Panorama der nahen Zukunft. Er erzählt, wie das aktuelle Coronavirus wohl über Schuppentiere - die von vielen Chinesen als Delikatesse und Potenzmittel geschätzt werden - auf den Menschen übersprang. Und er erklärt, warum die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass das demnächst wieder passiert. "Die Bedrohung durch von Wildtieren überspringende Erreger ist längst da und kommt immer näher", schreibt er. Einer der Haupt-Schmuggelwege für Schuppentiere führt übrigens über Deutschland nach China.

• Rostock und Jena - zwei Erfolgsgeschichten: Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) hat seine Stadt heute als vermutlich erste Großstadt in Deutschland für Coronavirus-frei erklärt. In Jena mit seinen rund 110.000 Einwohnern wurden seit 13 Tagen keine neuen Infektionen mehr gemeldet  – wie die Städte das geschafft haben, lesen Sie an dieser Stelle. 


 Der Corona-Ticker:
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Wiederaufbaufonds entzweit die EU-Staaten
Rom legt seine Pläne für das Wiederanfahren des Landes vor
Betrüger greifen in Berlin 700.000 Euro Corona-Soforthilfe ab
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Berlin-Marathon könnte im November stattfinden

Was sonst noch wichtig war:

Neuer Auslandseinsatz für die Bundeswehr: Bis zu 300 Bundeswehrsoldaten sollen an der EU-Mission „Irini“ teilnehmen. Ob dieser Einsatz den Waffenschmuggel nach Libyen eindämmen kann, ist zweifelhaft.Merkels Schwenk in der EU-Politik: Rechtzeitig zum Gipfel der EU ist Kanzlerin Merkel den Schwarzen Peter in der Debatte um Corona-Bonds los. Ihr hilft dabei ein eigener Vorschlag.Neue Forderungen nach sofortiger Tegel-Schließung: Ein Verkehrsexperte der Grünen hält das sofortige TXL-Aus für sinnvoll, auch Anwohner sehen in der Offenhaltung des Flughafens Steuerverschwendung in Millionenhöhe.Bundesgerichtshof prüft Lebenslänglich-Urteil für Berliner Ku'damm-Raser: Bei einem illegalen Autorennen fahren zwei Männer 2016 einen Rentner tot. Das Gericht verurteilt sie wegen Mordes. Es ist fraglich, ob das Urteil standhält.  

Unsere Tipps für den Corona-Alltag:

Unser Rezept-Tipp: In Teil 28 gönnen wir uns wieder Nudeln - diesmal mit japanischem Flair. 

Unsere Streaming-Tipps: Heute ist Welttag des Buches. Oder wollen Sie ein Trickfilm-Seminar besuchen?

Unser Sport-Tipp: Heute geht es in unserer Fitnessserie zum zweiten Mal an die Schultermuskulatur. 

Unser Buch-Tipp: Thomas Steinfeld hat vor der Krise ein Porträt Italiens geschrieben. Im Interview spricht er über falsche Bilder des Landes, europäischen Anpassungsdruck und Überleben unter Corona. Gibt es was im Fernsehen? Hitlers amerikanische Helfer: Die zweite Staffel der Sky-Serie „Das Boot“ ist deutlich besser als vor zwei Jahren. Umso mehr irritiert es, wie gut das Tätervolk im Umfeld alliierter Komplizen wegkommt.
Mit HBO Max startet ein weiterer Streamingdienst. Was das für deutsche Film- und Serienfans bedeutet. Was sollte ich für morgen wissen? 

Abschluss der ersten von drei Verhandlungsrunden zwischen der EU und Großbritannien über die Beziehungen nach dem Brexit. Im Mai und Juni gehen die Verhandlungen weiter. EU-Unterhändler Barnier will über die Zwischenergebnisse berichten. 

Alternativer Klimastreik von Fridays For Future: Auf der Website unter www.fridaysforfuture.de/netzstreikfursklima können sich alle Streikenden mit Bild und Standort eintragen, zudem wird es ein Streikprogramm mit Musik, Reden und Live-Schalten aus ganz Deutschland geben. Zahl des Tages: 30! 30 Jahre ist es nun her, dass das Weltraumteleskop Hubble ins All geschossen wurde. Es ist ein gewaltiges Trumm, 13 Meter lang, 11 Tonnen schwer. Am Anfang lieferte es nur unscharfe Bilder und es stand wegen der hohen Kosten in der Kritik. Nach einer Reparatur wurden später die Bilder scharf und inzwischen ist klar: Das Teleskop hat unseren Blick auf die Erde sprichwörtlich verändert. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Bleiben Sie gesund!

Danke und herzliche Grüße
Ihr Benjamin Reuter
Leiter Newsroom 

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