• Fragen des Tages: Zwei Raser - ein Mörder, Corona-Ausbruch in Göttingen, Protest bei Tönnies

Fragen des Tages : Zwei Raser - ein Mörder, Corona-Ausbruch in Göttingen, Protest bei Tönnies

Außerdem im abendlichen Newsletter: der Absturz von Wirecard + Berliner Bürgermeister gegen Maskenverweigerer + Lesestoff und Debatten.

Bild der Verwüstung: Fahrzeugteile liegen nach dem illegalen Autorennen in der Tauentzienstraße.
Bild der Verwüstung: Fahrzeugteile liegen nach dem illegalen Autorennen in der Tauentzienstraße.Foto: Britta Pedersen/dpa

Wie jeden Tag bringen wir Sie mit den Fragen des Tages auf den aktuellen Stand – natürlich mit den passenden Antworten. Sie können die „Fragen des Tages“ auch als kostenlosen Newsletter per Mail bestellen. Zur Anmeldung geht es hier.

Was ist passiert?
• BGH bestätigt Mordurteil gegen einen der beiden Kudamm-Raser
Die lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes für einen der beiden sogenannten Berliner Kudamm-Raser ist rechtskräftig, das hat der Bundesgerichtshof bestätigt. Der Fall des zweiten - zum Tatzeitpunkt im Jahr 2016 24-jährigen - Angeklagten muss dagegen neu verhandelt werden.

• Proteste bei Tönnies, neuer Corona-Ausbruch in Göttingen
Nachdem alle Kitas und Schulen im Landkreis Gütersloh wegen des Corona-Ausbruchs in einer Tönnies-Fleischfabrik schließen mussten, haben Eltern und Kinder am Donnerstag vor dessen Privatanwesen und einem seiner Betriebe demonstriert. Der Landkreis hat inzwischen die Bundeswehr um Unterstützung gebeten. Mehr dazu und weiteren Entwicklungen im Zuge der Pandemie lesen Sie hier im Newsblog.
In Göttingen ist es innerhalb kurzer Zeit zu einem zweiten Coronavirus-Ausbruch gekommen. Etwa 700 Menschen sind von der Quarantäne betroffen.

• Maskenpflicht für Berlins öffentliche Verkehrsmittel gefordert
Immer weniger Berliner*innen halten sich an die Maskenpfliclht in Bussen und Bahnen. Weil der Senat vor strengeren Kontrollen nach wie vor zurückschreckt, fordern jetzt die Berliner Bezirksbürgermeister ein Bußgeld für Masken-Verweigerer. Recht haben sie, kommentiert Sabine Beikler und fordert den Senat auf: Setzt endlich die Maskenpflicht durch!

• Finanzdienstleister Wirecard stürzt ab
Der Bankdienstleister Wirecard war schon mit SAP verglichen worden, doch nun ist der Dax-Konzern tief in einem Sumpf von Bilanzfälschungsverdacht und juristischen Problemen versunken, die Aktie ist abgestürzt. Warum das auch den Finanzplatz Deutschland belastet, weiß Carla Neuhaus.

• Deutschland übernimmt EU-Vorsitz
Für ein halbes Jahr übernimmt Deutschland jetzt die EU-Rastpräsidentschaft. Was in der Zeit passieren soll, und wie sie die großen Herausforderungen sieht, das hat Kanzlerin Angela Merkel heute im Bundestag erläutert.

Karikatur: Klaus Stuttmann


Was wurde diskutiert?
• Ist das Urteil gegen die Kudamm-Raser gerechtfertigt? Einer der beiden jungen Männer, die im Februar vor drei Jahren den Tod eines unbeteiligten Autofahrers bei einer illegalen Raserei verschuldet haben, ist jetzt rechtskräftig als Mörder verurteilt. Gegen den zweiten Fahrer wird allerdings wieder neu verhandelt werden müssen. Die harte Bestrafung ist gut, kommentiert Jost Müller-Neuhof. Aber es ist ungerecht, dass der Zufall entscheidet, findet er. Gerechter wäre es, wenn beide Fahrer Mörder wären oder keiner.

• Ist das Berliner Antidiskriminierungsgesetz so schlecht wie sei Ruf? Innenminister Horst Seehofer will ja keine Bundespolizisten mehr in die Bundeshauptstadt schicken, Länderminister haben ihrem Amtskollegen Andreas Geisel ebenfalls schon mit Unterstützungsentzug gedroht. Der SPD-Innensenator sieht das allerdings ganz anders, und auch unsere Leser und Leserinnen diskutieren das Thema höchst kontrovers, wie Sie hier sehen können.

Unter Kontrolle. Torsten Siebert, 54, lebt seit zweieinhalb Jahren in Freiheit - wirklich frei ist er nicht.
Unter Kontrolle. Torsten Siebert, 54, lebt seit zweieinhalb Jahren in Freiheit - wirklich frei ist er nicht.Foto: Katja Füchsel


Was könnte ich lesen?
• Für ihre Reportage über den verurteilten, inzwischen aber wieder in Freiheit lebenden Sexualstraftäter Torsten Siebert ist meine Kollegin Katja Füchsel gestern Abend mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet worden. Die Taten dieses Mannes sind unverzeihlich, trotzdem ist er wieder frei. Und alle Beteiligten fragen sich: Kann das gut gehen?

• Ob sich Philipp Amthors Polit-Karriere nach dem Lobbyismus-Affäre so ungebremst-raketenhaft weiter fortsetzen wird wie bisher, ist aktuell zumindest in der Schwebe. Viele fragen sich auch: Warum hat der CDU-Jungstar das, bitteschön, eigentlich gemacht? Seine politische Zukunft durch Lobbyarbeit für ein auch eher windiges Unternehmen aufs Spiel zu setzen? Amthor selbst hat mal (in anderem Zusammenhang) gesagt: Wo wir groß werden, das prägt uns. Katja Demirci hat sich deshalb in Mecklenburg-Vorpommern auf Spurensuche begeben.

• Hier noch etwas für die Fußball-Freunde unter Ihnen: Willi Schulz, heute 81, war mal einer der besten deutschen Abwehrspieler, bei Schalke, beim HSV - und bei der Nationalmannschaft. Bei der WM 1970 in Mexiko traf er im Halbfinale auf Italien, das Spiel, das fast genau vor 50 Jahren stattfand, gilt als das dramatischste Spiel der WM-Geschichte. Im Interview erzählt Schulz, warum.


Was man unternehmen könnte:
Kochen: Definitiv ein Gericht, das die meisten von Ihnen noch nicht zu Hause gemacht, aber sicher schon verspeist haben - die Currywurst. Dieses Rezept ist phänomenal, und wenn Sie es ausprobiert haben, wollen Sie vielleicht auch gar nicht mehr zur Imbissbude

Streamen: Future Man bei Amazon Prime ist eine sehr durchgeknallte, drei-staffelige Serie über Zeitreisende, Unfälle, die dabei passieren können, und die Absurdität der menschlichen Existenz. Auch in diesen Zeiten sehr zu empfehlen.

Noch mehr Streamen: ein Digital Essay über die Rolle der Frau in Osteuropa und eine Diskussion an der Urania über Identitätsfindung.

Was sollte ich für morgen wissen?
Das Berliner Landgericht verhandelt über einen Eilantrag des jetzt-nicht-mehr Brandenburger Landesparteichefs der AfD, Andreas Kalbitz. Der Bundesvorstand halt Kalbitz die Parteimitgliedschaft entzogen.

Angela Merkel berät mit ihren EU-Kollegen ab 10 Uhr per Video-Gipfel erstmals über den 750-Milliarden-Euro-schweren, geplanten EU-Wiederaufbauplan in der Corona-Krise. Eine schnelle Einigung gilt als ausgeschlossen und ein Ergebnis soll möglichst bei einem physischen Gipfeltreffen im Juli erzielt werden.

Zahl des Tages: 69.000.000
Doch deutlich teurer als zunächst bekannt: 69 Millionen Euro kostet die Corona-Warn-App. Warum das so ist, hat Oliver Voss hier aufgeschrieben.

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