Fraktionschef beim Deutschlandtag : Brinkhaus punktet bei der Jungen Union

Beim Treffen der JU senden CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer und besonders der neue Fraktionschef Brinkhaus Signale - für die Wahlen und den Parteitag.

Der Vorsitzende der Unionsfraktion, Ralph Brinkhaus, und JU-Chef Paul Ziemiak (r.).
Der Vorsitzende der Unionsfraktion, Ralph Brinkhaus, und JU-Chef Paul Ziemiak (r.).Foto: Carsten Rehder/dpa

„Ich bin so'n bisschen das Vorprogramm“, sagt Ralph Brinkhaus. Aber das ist eine dieser freundlichen Untertreibungen, die dazu geführt haben, dass an diesem Sonntag auf dem Podium der Jungen Union der 51-jährige Ostwestfale steht und nicht der alte Recke Volker Kauder. Der Gastauftritt in Kiel ist die erste öffentliche Rede des neuen Chefs der Unionsfraktion. Nach der guten halben Stunde versteht man schlagartig, weshalb Kauder bei der Kampfabstimmung vor drei Wochen keine Chance hatte.

Der Deutschlandtag der Jugendorganisation ist in diesem Jahr selbst eine Art Vorprogramm. Vor den schweren Landtagswahlen in Bayern und Hessen sowie vor dem CDU-Parteitag im Dezember wird in Kiel schon mal spielerisch über die Zeit nach Angela Merkel verhandelt. Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer wehrt sich zwar dagegen, dass hier ein „Schaulaufen“ stattfinde.

Alle Hoffnungsträger sind eingeladen

Die Delegierten geben sich auch sichtlich Mühe, niemanden direkt zum Favoriten hochzuklatschen. Aber es sind nun mal alle aktuellen Hoffnungsträger eingeladen. Und alle reden sie davon, was anders werden müsse.

Brinkhaus zählt noch nicht zu diesem Kreis. Wenn er durch die Sparkassenarena schlendert, wird er nicht gleich umlagert wie die Arrivierteren, wie Jens Spahn etwa, der am Vortag da war, oder wie die Generalin AKK, die nach ihm spricht. Zur Begrüßung spielt ihm die JU den Hiphopper Peter Fox: „Alles neu und glänzt so schön!“

Brinkhaus bringt jedenfalls schon mal einen frischen Ton mit. Es gebe ja Leute, die es ganz, ganz schlimm fänden, wenn sich die Union streite. „Da gehör' ich nich zu.“ Andere sagten, Streit müsse man aushalten. „Da gehör' ich auch nich zu.“ Sich in der Sache streiten und dann aber auch wieder zusammenfinden, das mache die Stärke der Volkspartei aus.

Brinkhaus trifft den Nerv

Die Delegierten applaudieren. Das trifft hier einen Nerv. Die Jungen halten sich etwas auf die eigene Diskussionskultur zugute, vor allem sind sie aber das unproduktive Gezänk der Alten leid. Den CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt haben sie regelrecht mit Missachtung abgestraft für seine Rolle als Scharfmacher im Unionsstreit der vergangenen Wochen.

Den CSU-Spitzeneuropäer Manfred Weber umjubeln sie dagegen für eine engagierte proeuropäische Rede und Sätze wie: „Es ist gar nicht so schwer, beide Seiten gut zu vertreten, wenn man sich Mühe gibt.“ Einstimmig unterstützen die Delegierten Webers Bewerbung für die Spitzenkandidatur bei der Europawahl 2019 und damit für die Nachfolge Jean-Claude Junckers als EU-Kommissionspräsident.

Ralph Brinkhaus punktet vor allem mit einem sehr energischen Optimismus. „Wir müssen als Union wieder raus aus der Defensive“, sagt er. Nicht über die Stöckchen der Protestparteien springen, sondern „das Kreuz breit machen“ und dem Gegner mit eigenen Themen das Spiel aufzwingen; politische Debatten vom Moralismus befreien, der nur zu Wut und Zorn führe; das Land wieder zusammenführen; nicht in Gremien denken, sondern in Projekten; Kampagnenfähigkeit entwickeln, systematische Personalentwicklung betreiben. „Wir müssen einen neuen Aufbruch wagen“, ruft Brinkhaus. „Mut, Begeisterung, Selbstvertrauen, Zuversicht – wenn wir das als Union nicht hinkriegen, dann kriegt's niemand hin.“

Kramp-Karrenbauer ruft CSU zur Ordnung

Der Applaus klingt ehrlich begeistert und auch ziemlich überrascht darüber, was für eine Type da plötzlich wie aus dem Nichts aufgetaucht ist. Dagegen ist Kramp-Karrenbauer, seit einem Jahr Generalsekretärin, schon ein vertrautes Gesicht. AKK trägt ein buntes Top mit der rätselhaften Aufschrift „Rock Dreams Love“, die um so rätselhafter wird, je mehr die Generalin zum Kampf ruft.

Der Aufruf gilt vor allem dem eigenen Reihen. Dass der CSU-Spitzenkandidat und sein Parteichef, dass Markus Söder und Horst Seehofer eine Woche vor der Bayern-Wahl nichts Besseres zu tun haben als sich gegenseitig die Verantwortung für die miesen Umfragen zuschieben, macht in der CDU viele fassungslos. „Wie kann man eine große Partei nur so runterwirtschaften“, hat dieser Tage ein alter CDU-Kämpe gemurmelt. Auch die Jungen schütteln nur den Kopf.

Kramp-Karrenbauer ruft die Schwesterpartei offen zur Ordnung: Ein Großteil der Wähler in Bayern wie in Hessen sei noch unentschieden; die wollten überzeugt werden und nicht vorher schon hören, „wer nun Schuld an der Niederlage ist“. Zusammenstehen, „Schluss machen mit der eigenen Nabelschau“ und statt einander die politischen Gegner attackieren – AKK macht es vor: Die FDP und ihr Chef Christian Lindner – weggelaufen vor der Verantwortung; die Grünen – „Oberlehrer“; die Populisten – „das sind diejenigen, mit denen ein Staat zu zerstören ist.“

Und die CDU? „Parteien werden nur gewählt, wenn sie ein Feuer in sich tragen“, ruft die Saarländerin, „und nicht nur eine kleine Flamme von Sitzungswoche zu Sitzungswoche!“ So viel Schaulaufen muss dann doch sein.

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