Frankreich : Mord an Holocaust-Überlebender erschüttert das Land

Die 85-jährige Jüdin Mireille Knoll war tot in ihrer verbrannten Wohnung in Paris aufgefunden worden. Die Ermittler gehen von einem antisemitischen Motiv aus.

In diesem Haus im 11. Arrondisement von Paris ereignete sich der mutmaßliche Mord an der 85-Jährigen.
In diesem Haus im 11. Arrondisement von Paris ereignete sich der mutmaßliche Mord an der 85-Jährigen.Foto: Thomas Samson/AFP

Nach der Ermordung einer 85-Jährigen Holocaust-Überlebenden in Paris gehen die Ermittler von einem antisemitischen Motiv aus. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes aufgrund der tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit des Opfers zu einer Religion ein, wie die Behörde mitteilte. Zwei Verdächtige wurden am Montag einem Ermittlungsrichter vorgeführt, um Verfahren gegen sie einzuleiten. Der Fall erregte über die Grenzen Frankreichs hinweg Aufsehen.

Die 85-jährige Jüdin Mireille Knoll war laut einer Mitteilung des jüdischen Dachverbands Crif am Freitag tot in ihrer verbrannten Wohnung in Paris aufgefunden worden. Laut einem Bericht der Zeitung „Le Parisien“ waren an der Leiche des Opfers Spuren von Messerstichen gefunden worden.

„Entsetzt über den tragischen Tod von Mireille Knoll, Überlebende der Schoa“, schrieb Frankreichs Oberrabbiner Haïm Korsia auf Twitter. Knolls Sohn sagte der französischen Nachrichtenagentur AFP, seine 1932 geborene Mutter sei 1942 nur knapp vor der „Razzia vom Vélodrome d'Hiver“ entkommen, indem sie mit ihrer Mutter kurz zuvor aus Paris geflohen sei. Damals hatten französische Polizisten auf Veranlassung der deutschen Besatzer 13.000 Juden festgenommen. Die meisten von ihnen wurden später ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert und ermordet.

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Vor knapp einem Jahr hatte schon einmal ein Mord an einer Rentnerin die jüdische Gemeinschaft in Paris erschüttert, der Fall Sarah Halimi. Der Fall hatte Kritik ausgelöst, weil die Ermittler zunächst nicht explizit von einem antisemitischen Motiv ausgegangen waren - im Februar stufte die Justiz die Tat aber schließlich als mutmaßlich antisemitisch ein. (dpa)

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