Freiheit, Ökologie, Digitalisierung : Die Operation Söder läuft an

Wie Bayerns Ministerpräsident Kanzlerkandidat der Union wird und Armin Laschet trotzdem nicht leer ausgeht. Eine Überlegung.

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, bei der Sitzung des bayerischen Kabinetts.
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, bei der Sitzung des bayerischen Kabinetts.Foto: Sven Hoppe/dpa

Mein lieber Mann – pardon, in diesem Fall geht es nicht anders –, in der Union geht es jetzt aber ganz schön zur Sache. Und daran sind im Wesentlichen die Männer beteiligt (um nicht zu sagen: schuld). Wie die sich gegenseitig belauern: Feierlich ist das nicht. Da kann die amtierende CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer so begütigend wie weise mahnend auf die Kontrahenten einreden, die hören offenkundig schwer.

Dabei hat AKK, das nur am Rande, natürlich recht. Im Grunde interessiert es angesichts der anhaltenden Coronakrise (und der erst noch mit Wucht kommenden wirtschaftlichen) vor allem die in der Partei, also der CDU, wer sie führt; außerhalb interessiert, wer das Land aus der Krise führt. Einstweilen gibt es ja noch welche, deren Aufgabe das ist, die Bundeskanzlerin zum Beispiel, von der man (und Mann) weiß, dass Angela Merkel zurzeit wie keine Zweite für die Union steht.

Aber das, wie gesagt, am Rande. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, der CSU-Chef ist und damit nicht CDU-Vorsitzender werden kann, hat gleichwohl weitergehende Ambitionen. Er sagt: inhaltliche Ambitionen. Andere sagen: Das, was er eben im Tagesspiegel gesagt hat, war deutlich genug. [Lesen Sie das ganze Interview mit Markus Söder mit Tagesspiegel Plus: https://plus.tagesspiegel.de/csu-chef-markus-soeder-im-interview-corona-nervt-und-corona-ermuedet-19137.html]

Der Mann hat ein Programm, ein Regierungsprogramm geradezu. Das will er auf Bundesebene übersetzt und dort durchgesetzt sehen. Es lautet: Freiheit, Ökologie, Digitalisierung – und die Fähigkeit, durch Krisen zu führen.

Laschet wird CDU-Bundesvorsitzender - und mehr

Wie das klingt… Na ja, nicht so, als würde Söder gerne dem NRW-Kollegen Armin Laschet den Vortritt lassen. Dem bestreitet er nämlich die Fähigkeit zur Krisenbewältigung ziemlich nachdrücklich.

Und mag Laschet, Anwärter auf den CDU-Bundesvorsitz, in der Coronakrise genau so wie Söder dauerhaft medial präsent sein, es war nicht allein zu seinem Besten. Darum wird in der CDU ja auch schon darüber nachgedacht, wie aus der Coronakrise keine Unionskrise wird. Und wie? Durch die Operation Söder.

Also: Laschet erhält die Unterstützung von namhaften Christdemokraten und wird zum Jahresende CDU-Bundesvorsitzender – und hält dafür im Gegenzug die Kanzlerkandidatur 2021offen. Öffentlich.
Was für Söder spräche. Richtig: Die CSU hat den gemeinsamen Kanzlerkandidaten immer dann gestellt, wenn die CDU mit der Gestaltungskraft ihrer eigenen Führung unzufrieden war, 1980, 2002.

Wer sagt, dass das 2021 nicht auch so sein wird? Will heißen: Laschet wird der CDU-Vorsitz schon irgendwie zugetraut, christlich und sozial, wie er ist, aber eine Kanzlerkandidatur und Kanzlerstatur nach dem Programm von Söder eher nicht. Dem könnte er deshalb mit großer Geste 2021 für die Nach-Merkel- Zeit den Vortritt lassen. Nicht attraktiv für Laschet? Oh Mann, doch: Würde die Union stärkste Kraft und Söder Kanzler, könnte Laschet immer noch Bundespräsident werden, 2022.

Wenn erste Bundespräsidentin mal nicht die weise moderierende Annegret Kramp-Karrenbauer wird. Aber das ist noch eine andere Geschichte.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!