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Freund von Alexej Nawalny : Putin-Kritiker soll auf Militärbasis in Arktis gebracht worden sein

Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny berichtet, ein Freund sei ein „politischer Gefangener“. Am Donnerstag wird er selbst Ziel eines Einsatzes.

Wladimir Putin und Verteidigungsminister Schoigu: Ihnen wirft die Nawalny-Stiftung vor, für den Fall verantwortlich zu sein.
Wladimir Putin und Verteidigungsminister Schoigu: Ihnen wirft die Nawalny-Stiftung vor, für den Fall verantwortlich zu sein.Foto: Mikhail Klimentyev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Ein Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin soll nach Oppositionsangaben widerrechtlich zum Militärdienst eingezogen und in eine entlegene Basis in der Arktis gebracht worden sein. Der prominente Kremlkritiker Alexej Nawalny schrieb am Mittwoch im Internet, sein Weggefährte Ruslan Schaweddinow werde auf einer geheimen Luftabwehrbasis im entlegenen Nowaja-Semlja-Archipel als „politischer Gefangener“ festgehalten. Einen Tag nach seiner Mitteilung wurde Nawalny selbst Ziel eines Zugriffs von Sicherheitskräften.

Der 23-jährige Schaweddinow wurde seit Montag vermisst. Laut Nawalny soll die Polizei in die Moskauer Wohnung Schaweddinows eingedrungen und ihn sofort festgenommen und abtransportiert haben. Schaweddinow arbeitete als Projektmanager für Nawalnys Anti-Korruptions-Stiftung. Die Stiftung wurde von den russischen Behörden in diesem Jahr als „ausländischer Agent“ eingestuft. Gegen sie wird wegen angeblicher Geldwäsche ermittelt.

In Russland gilt die Wehrpflicht. Sie betrifft Männer im Alter zwischen 18 und 27 Jahren, die Dienstzeit beträgt ein Jahr. Ein Armeesprecher sagte der Nachrichtenagentur Tass, Schaweddinow habe sich seit langem vor dem Wehrdienst gedrückt. Seine jetzige Einberufung entspreche dem Gesetz.

Nawalny führte hingegen ins Feld, Schaweddinow sei aus gesundheitlichen Gründen für den Wehrdienst ungeeignet. Auch sei er ohne jegliche Grundausbildung zum Nowaja-Semlja-Archipel entsandt worden.

Wjatscheslaw Gimadi, ein Anwalt von Nawalnys Stiftung, sprach von einer „Entführung“ Schaweddinows und warf Putin sowie Verteidigungsminister Sergej Schoigu vor, direkt dafür verantwortlich zu sein. Einige Unterstützer Schaweddinows demonstrierten am Mittwochabend in Moskau vor dem Sitz des Generalstabs der russischen Streitkräfte.

Sicherheitskräfte stürmen Büros von Nawalnys Stiftung

Maskierte Sicherheitskräfte stürmten am Donnerstag die Büros von Nawalnys Stiftung in Moskau, er selbst wurde gewaltsam aus den Räumlichkeiten entfernt. Der 43-jährigen Blogger und Rechtsanwalt hatte für Donnerstag einen Live-Auftritt auf seinem Youtube-Kanal angekündigt. Offenbar sei es das Ziel der Gewaltaktion gewesen, diesen Auftritt zu verhindern, twitterte Nawalny. Er wurde nicht in Gewahrsam, seine Sprecherin Kira Jarmisch sagte: „Er ist frei.“

Nawalny selbst schrieb, die Polizei habe Unterlagen der Stiftung beschlagnahmt. Als Begründung für die Aktion gegen ihn sei zudem angegeben worden, er habe einen Film nicht aus dem Netz entfernt, in dem Ministerpräsident Dmitri Medwedew zahlreicher Fälle von Korruption beschuldigt wird, schrieb er weiter.

Nawalny ist einer der prominentesten Kritiker Putins. Im Juli hatte den Verdacht geäußert, er sei, während er eine Haftstrafe absaß, im Gefängnis vergiftet worden. Im September forderte er seine Landsleute bei den Kommunalwahlen auf alles zu wählen, nur nicht die Kandidaten der Kremlpartei. Die Partei „Einiges Russland“ musste dann – nach wochenlangen Massenprotesten in Moskau – im Stadtrat viele Sitze abgeben, behielt aber die Mehrheit. (AFP, Tsp)

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